Die graue Eminenz in der grünen Partei

Joseph Wright - A cottage on fire (Quelle: Wikiart)

Zur partei-internen Diskussion über die Zustimmung des Baden-Württembergischen Ministerpräsidenten zur Änderung des Asylrechts, ein Kommentar von Harmadillo

Winfried Kretschmann, die in jeder Hinsicht graue Eminenz in der grünen Partei, hat sich also damit angefreudet, dass bestimmte Staaten des Balkans sichere Herkunftsländer sind. Vor dieser Erkenntnis schützt erst einmal nichts, wenn man sich noch einmal ins Gedächtnis ruft, dass Deutschlands Asylkriterien nun mal keine Mitleidsgesetze sind. Da mag der herzensgute Mensch und/oder der ideologisch vernunftsresistente Radikalaktivist noch so oft den Weltfrieden, die Völkerverständigung oder den Geist eines drohenden Faschismus heraufbeschwören.

Kretschmann hat das erkannt und die logische Konsequenz daraus gezogen und damit seine Partei in eine Identitätskrise gestürzt, weil man selber keine unangenehmen Entscheidungen fällen will. Doch diese vermenintliche Identitätskrise ist nichts anderes als ritualisiertes Getöse. Der ständige Prozess der Entideologisierung und des gelernten Pragmatismus ist inzwischen Teil der grünen Geschichte. Aber trotzdem bleibt (nun) natürlich das Staatsschauspiel nicht aus, wo sich irgendwelche Hinterbänkler, die man aus Proporzregeln auf irgendwelche Posten befördert hat, händeringend der Nostalgie nach einer Zeit hingeben, wo aktives Regierungshandeln noch bloßes Wunschdenken war.

Nein, Kretschman hat klar gemacht, dass die Partei des ökologischen Umdenkens es sich anders überlegt hat: Ab jetzt reicht es mit der Veränderung! Man ist ja regierungsfähig und kann sogar einen Ministerpräsidenten stellen. Da kann man es sich leisten, genauso konservativ zu sein wie die herablassend kritisierte Konkurrenz. Aber weil man im selben Schrebergarten wildert, biedert man sich an dessen Mentalität an und ergeht sich dabei in bigoter, um nicht zu sagen verlogener Kritik.

Das Lamento der Idealismushüter und die verlogene Kritik sind das Programmm der Kretschmann’schen Partei geworden, dessen Ziel letztendlich das ist was alle anderen konservativen Parteien auch wollen: Das bitte doch alles so bleibt, wie es ist. Vor allem für einen Mann in einer Position wie Winfried Kretschmann.

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Expertengespräch zur Schottischen Unabhängigkeit

David Farquharson - The End of the Day's Fishing (Scottish Highlands) (Quelle: Wikimedia Commons)

Das derzeit laufende Referendum über die Unabhängigkeit Schottlands motivierte das kaminkatze.de-Reporterteam sich nach einem Experten für das Thema umzusehen. Nachdem sich das Team in den Schottischen Highlands verirrt hatte und nach tagelangem Genuß von Fish’n Chips bereits Mangelerscheinungen zeigte, fand es endlich ein geschichtsbewandertes Monster am Strand von Loch Ness.

Das überaus schrecklich aussehende Monster lud das Team zu einem abendlichen Whiskey ein und reflektierte dann über die Geomorphologie und die Formation von Gneis im Kambrium als Ursprung Schottlands. Leider kannte das Monster diese nur vom Hörensagen. Beim zweiten Glas begann es dann aber überaus erkenntnisreich aus der eigenen Erinnerung über die Kaledonische Gebirgsbildung zu plaudern. Gerade dies war von großem Interesse für uns, da Schottland damals noch Teil des Paleokontinents Gondwana war. Wie war damals das Verhältnis zu Gondwana? Wie kam es zur Abspaltung? Welche Schlüsse lassen sich daraus für die Gegenwart ziehen?

Dies brachte uns bei einem weiteren Glas auf die Highland Boundary Fault zu sprechen, deren Bedeutung als Grenzlinie zwischen High- und Lowlands viel zu selten zur Sprache gebracht wird. Gerade die Tatsache, dass es trotz der extremen auseinandertreibenden Kräfte in jener Zeit nicht zu einer Trennung des Landes kam, war ausgesprochen spannend und wirft gerade jetzt die Frage auf, ob die Trennungsbestrebungen im Zeitalter des Devon als politisches Modell für eine gemeinsame Zukunft des Vereinigten Königreiches dienen könnte.

Beim vierten und fünften Glas versuchten wir das Gespräch mehr auf die Gegenwart zu lenken. Allerdings wollte das Monster das Tertiär nicht unbeachtet lassen, in dem sich Schottland in einer äußerst gewalttätigen Abspaltungsbewegung von Nordamerika trennte. Vor allem der nachfolgende Vulkanismus auf den Hebriden, die sich nicht mit ihrem neuen Status als Inseln abfinden wollten, zeigt, wie gefährlich das heutige Referendum sein kann.

Irgendwann nach dem sechsten Glas fiel dann unser Aufzeichnungsgerät aus, während wir gerade die nachfolgende Erosion der schottischen Landschaft erörterten. Die Diskussionsbeiträge zwischen dem siebten und dem zwölften Glas lassen sich leider nicht mehr rekonstruieren, so dass wir schließlich in der Morgendämmerung das Gespräch abbrechen mußten. Abschließend konnte unser Team allerdings feststellen, dass die Frage der schottischen Unabhängigkeit langanhaltende Kopfschmerzen verursacht.

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Hoffnung für Westafrika

Jean Louis Théodore Géricault - The raft of the Medusa (Quelle: Wikimedia Commons)

Heute haben die NATO-Staaten und Russland gemeinsam verkündet, dass man dem Leiden in Westafrika nicht länger untätig zusehen könnte. Anstatt Geld in Stellvertreterkriege in der Ukraine und Syrien zu stecken, würden alle Gelder mit sofortiger Wirkung in die Bekämpfung der Ebola-Epidemie investiert. “Ebola ist nicht nur für ganz Afrika, sondern für die Welt eine große Gefahr,” hieß es in der gemeinsamen Erklärung.

Damit wollten beide Seiten auch ihre gemeinsame Zusammenarbeit unter Beweis stellen. “Wir verstehen dies als ein Beitrag für die Stabilität der Region,” sagte dazu der russische Außenminister Lawrow. “Wie sie wissen liegt Russland sehr viel an der Stabilität demokratischer Staaten.” Dem konnte NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen nur zustimmen und ergänzte: “Die NATO wird umgehend ihre bisher für militärische Zwecke vorbehaltenen Mittel in humanitäre Hilfe umwandeln.”

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Weitere Erfolge der AfD

Pieter Bruegel the Elder - Magpie on the Gallows (Quelle: Wikiart)

Auch bei den heutigen Landtagswahlen in Thüringen und Brandenburg konnte die AfD erneut Stimmenzuwächse gegenüber den Prognosen verbuchen und zieht mit deutlichen Ergebnissen in die Parlamente ein. Die Partei “Angst für Deutschland” konnte damit erneut den Trend bestätigen und setzt weiterhin auf ihre erfolgreiche, namensgebende Strategie.

In deutlichen Reaktionen kann bereits jetzt auf Twitter verfolgt werden, wie sich die Angst weiter ausbreitet. Vor allem zielt die AfD allerdings auch weiter darauf ab, den Menschen auf der Straße Angst einzujagen. Bisher eher für Angst vor großen, mysteriösen und komplizierten Dingen bekannt, gelang es der AfD in den zwei Bundesländern Thüringen und Brandenburg nun den Wählern deutlich vermitteln, dass sie auch etwa um die von den Ländern bestimmte Bildung ein Thema ist vor dem man Angst haben muß. Gerade weil auch in den Bereichen Erziehung und Bildung böse Menschen Kindern Dinge antun könnten, soweit es nicht die Kindern selber sind, die böse sind.

Da die AfD derzeit als einzige Partei gezielt in ihrem Programm auf böse Menschen hinweist und als einzige politische Gruppierung etwas gegen diese unternimmt, ist zu vermuten, dass auch andere Parteien in Zukunft böse Menschen wieder als Thema aufgreifen werden.

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Kürbisvorhersage

Winslow Homer - The pumpkin patch (Quelle: Wikimedia Commons)

Das Institut für den Herbst hat den Durchzug eines Kürbisgebietes angesagt. Von Süddeutschland zieht das Kürbisgebiet langsam nach Norden und wird in Kürze ganz Deutschland bedecken. In dieser Zeit ist verstärkt mit Kürbissuppe zu rechnen, auch gebratenes Kürbisgemüse und Kürbiskuchen sind nicht auszuschließen. An einzelnen Orten kann es zu dekorativem Kürbis kommen.

Bei besonderer Kürbisdichte ist mit dem Verschenken desselben zu rechnen. Gute Freunde von Schreber- und Heimgartenbesitzer sollten sich besonders in Acht nehmen. Auch mit Balkonkürbissen ist in diesem Jahr wieder verstärkt zu rechnen. Die Konsistenz des Kürbisses changiert dabei von leicht wässrig (Süddeutschland) bis zu aromatischer (Norddeutschland), ist aber insgesamt uneinheitlich.

Wenn der Kürbis erst einmal vorübergezogen ist, kann es auch wieder Apfelkuchen geben.

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Französische Schiffe

Ivan Aivazovsky - Gunboat off Crete (Quelle: Wikiart)

Nachdem die Pariser Regierung – wegen des anhaltenden Bürgerkriegs in der Ukraine – einen Hubschrauberträger nicht nach Russland liefern konnte, gab es großen Unmut in der französischen Wirtschaft, vor allem gegen den bereits unbeliebten Präsidenten Francois Hollande. Ursprünglich hatte das 1,2 Milliarden Euro teure Kriegsschiff noch im Oktober an Russland geliefert werden sollen und die Pariser Regierung hatte – trotz der eskalierenden Sanktionen gegen Russland – auf einer Lieferung bis zuletzt bestanden. Erst diplomatischer Druck hatte Paris davon abgebracht.

Nun hat das französische Verteidigungsministerium allerdings mitgeteilt, dass das Schiff doch ausgeliefert werden soll. Grund für die Auslieferung sei die veränderte Sicherheitslage im Nahen Osten, die nicht länger ignoriert werden könne. Deswegen wird das Kriegsschiff vom Typ Mistral nun an die syrische Regierung unter Baschar al-Assad geliefert und soll im Kampf gegen die Truppen des Islamischen Staat zum Einsatz kommen.

“Frankreich kommt damit seiner internationalen Veranwortung nach, indem wir uns aktiv an einer Lösung der Krise um den Islamischen Staat bemühen,” heißt es dazu in einer entsprechenden Presseerklärung des französischen Wirtschaftsministerium. Aus dem Umkreis des Ministeriums heißt es bereits, dass die 1,2 Milliarden überwiesen sein sollen und der französische Präsident demnächst eine Rede vor den Angestellten der beteiligten Rüstungswerften halten will.

Aus internationalen Diplomatenkreisen hieß es man sei, “sehr besorgt über die Prioritäten der französischen Außenpolitik”. Im Gegenzug hieß es aus Paris, man könne die Kritik nicht verstehen, man bewege sich im Einklang mit internationalen Standards: “Wie alle westlichen Ländern auch haben uns versichern lassen, dass der Hubschrauberträger nicht im syrischen Bürgerkrieg oder zum Einsatz von Chemiewaffen verwendet werde.”

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Apfelernte

 Ilya Repin - Apples and Leaves (Quelle: Wikiart)

Heute hat in der kleinen Ortschaft Graimmersbach die lange erwartete Apfelvorstellung stattgefunden. In seinem Garten, direkt neben der Bundesstraße hat Tim Koch seinen neuen Apfel vorgestellt. Der Apfel ist noch größer als der vorherige Apfel, und soll auch wesentlich farbenfroher sein. Zugleich soll der Apfel allerdings genauso gut schmecken, wie der Vorgängenapfel. “Wir haben uns richtig Mühe mit dem Apfel gegeben,” erklärte Tim Koch, der den Garten vor zwei Jahren von einem verstorbenen, ortsbekannten Gärtner übernommen hatte. Tim Kochs Ehefrau nickt nur dabei.

Der neue Apfel ist der Nachfolger des im vorherigen Jahr gewachsenen Apfels, der sich vielfach verkauft hatte. “Wir können unsere Freunde beruhigen, wir haben genügend Äpfel für alle,” meint Tim Koch. Noch am heutigen Tag soll es den Apfel im lokalen Bauernladen zu kaufen geben. “Wir freuen uns sehr über Tim Kochs neuen Apfel,” teilte die Betreiberin des Ladens mit. “Wir wüßten garnicht, was wir ohne Tim Kochs Apfel tun würden. Die alljährliche Apfelvorstellung ist für uns jeden von uns wie vorgezogene Feiertage.”

Bereits vor der Vorstellung hatten sich begeisterte Apfel-Freunde vor dem Bioladen versammelt, und konnten die Eröffnung des Geschäftes kaum erwarten. “Ich habe all mein Geld zusammengesucht, damit ich mir heute einen Apfel kaufen kann,” ruft Marius, ein bekennender Apfelfan. “Jedes Jahr komme ich hierher, um mir einen Apfel zu kaufen,” bestätigt auch Lizzie, die in der Schlange hinter Marius steht.

Auch dieses Jahr kamen zu der Apfelvorstellungen zahlreiche Journalisten aus dem Landkreis und sorgten für die notwendige Publicity dieses alljährlichen Events in der Provinz. Wie auch in den Jahren zuvor wird damit gerechnet, dass die Lokalblätter mehrere Wochen lang über den neuen Apfel und seinen stolzen Züchter berichten werden.

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