Agentur für Menschlichkeit

Mary Cassatt - Children playing on the beach (Quelle: Wikipaintings)

Es ist überraschend klein, das Büro, das die Agentur für Menschlichkeit ihren Hauptsitz nennt. Auf die Frage danach reagiert Geschäftsführerin Michaela Bussowa mit Lachen: “Sie haben doch nicht erwartet, dass wir hier auch das Callcenter für unsere Kunden haben?” Doch, irgendwie schon…

Aber Michaela Bussowa ist bereits einen Schritt weiter mit ihrer Erklärung. “Sehen Sie, was für sie überraschend erscheinen mag ist für uns Teil unseres Geschäftsprinzips. Wir stehen dazu, dass wir Outsourcing betreiben.” Sie lächelt einnehmend bei ihrer Ausführungen. “Wir delegieren. Das ist ein Prinzip unserer heutigen Zeit. Nicht jeder kann alles. Manche Menschen sind Experten in dem was sie tun, sei es eben Angestellter in einem Callcenter, Journalist oder eben Geschäftsführer.” Und eben auch Menschlichkeit? “Genau!” antwortet Bussowa. “Für Menschlichkeit gilt das genauso.”

2012 gegründet hat Bussowas Agentur ein ungewöhnliches Wachstum vorzuweisen. Waren es vor 2 Jahren nur eine Handvoll Angestellter, ist die Firma inzwischen deutschlandweit tätig. Die Zahl der Kunden verschweigt man aus Gründen der Diskretion, aber Bussowa ist stolz darauf, dass sie und ihre Mitgründer einen Trend entdeckt haben. Nicht zuletzt einen Trend, den auch die Gründer der Agentur nach jahrelanger Tätigkeit in einer Unternehmensberatung am eigenen Leib spürten. “Wir alle sehnen uns nach mehr Menschlichkeit in unserer Welt. Doch die meisten Menschen sind bereits mit ihrer Arbeit und ihrem Familien- oder Beziehungsleben vollkommen ausgelastet. Da bleibt nicht mehr viel Zeit für anderes,” faßt die Geschäftsführerin die Ausgangsidee der Agentur zusammen.

“Deswegen bieten wir unseren Service an: Das Outsourcing von Menschlichkeit. Wir sorgen dafür, dass an anderer Stelle auf der Welt die Menschen sich gegenseitig Gutes tun und an einer lebenswerter Welt arbeiten, während sie unbelastet von weiteren Anforderungen an ihre knappe Zeit einfach so wie bisher weitermachen können.” Besonders beliebt sind deshalb im Portfolio der Agentur ältere Frauen und Kinder. Mit wenigen Euro pro Monate kann man sich so an deren Einsatz für Menschlichkeit beteiligen.

“Gerade Großmütter sind Experten was Menschlichkeit betrifft,” führt Bussowa aus. “Und Kinder werden auch immer gerne unterstützt. Alleine schon sie draußen beim unbeschwerten Spielen zu sehen, erfreut die meisten Menschen. Durch die Unterstützung der Agentur sind die meisten von ihnen inzwischen zu wirklichen Profis geworden, die mit einem festen Zeitplan und einer ausgefeilten Spiel- und Lach-Choreographie für eine Maximierung der Menschlichkeit sorgen. Genau das ist es eben was die Leistungen der Agentur für Menschlichkeit zu etwas besonderem machen: Effizient und positive Maximierung. Unsere Experten produzieren mehr Menschlichkeit als jeder einzelne das für sich alleine tun könnte.”

Bereits jetzt planen Bussowa und Kollegen eine Ausweitung ihrer Tätigkeit. Vor allem der europäische Markt ist natürlich interessant, aber man wolle sich nicht so genau darauf festlegen. Auch die Ausweitungen des Marktes auf andere emotionale Werte sei eine Überlegung wert: “Auch die Liebe kommt in unserem hektischen Leben oft viel zu kurz.”

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Praktizierter Pazifismus

George Stubbs - Soldiers of the 10th Dragoon Regiment (Quelle: Wikiart)

Nach immer neuen Forderungen nach weiterem militärischen Engagement Deutschlands in der Welt hat sich nun eine schlagkräftige, pazifistische Bewegung gegen die Ideen der Bundesregierung gestellt: Die Bundeswehr. Durch systematische Selbstsabotage und Inkompetenz hat die Bundeswehr ein deutliches Zeichen gegen imperialistische Tendenzen der derzeit Regierenden gesetzt. Mittels subversive Methoden der anarchistischen Aktion hat sie sich über Jahre hinweg von der Obrigkeit unbemerkt unersetzlich gemacht, um dann in einem Moment der internationalen Solidarität den Befehl zu verweigern.

Die derzeit in Berlin um Bellizismus bemühte Regierungskoalition ist durch diese anti-autoritäre Aktion in Verlegenheit geraten. Es werden derzeit geprüft, ob die subversiven Elemente innerhalb der Bundeswehr beseitigt werden können oder ob die Bundeswehr als ganze entsorgt werden muß. Eine Lösung des Problems wird nicht vor dem nächsten Krieg erwartet.

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CETA und TTIP in der demokratischen Debatte

William Turner - The Burning of the Houses of Lords and Commons (Quelle: Wikimedia Commons)

In der heutigen Bundestagsdebatte ging es um die Freihandelsabkommen CETA (zwischen der EU und Kanada) und TTIP (zwischen der EU und den USA). Beide Abkommen waren heftig in die Kritik geraten. Vor allem die Opposition, zwischen außerparlamentarische Organisation wie etwa die Gewerkschaften hatten das Zustandekommen der Vertragstexte heftig kritisiert.

CETA wurde im Geheimen zwischen Vertretern der EU und Kanadas verhandelt, ohne auf Kritik von außen einzugehen. Nun soll der Abschluß des Vertragstextes feierlich begangen werden, wobei Änderungen an den Verträgen nicht mehr möglich sei, weil dies – nach Begründung der EU-Kommission – den Vertrag gefährden würde.

In der heutigen Debatte wurde dieses Zustandekommen als undemokratisch bezeichnet, dennoch wurde kein Bundestagsbeschluss zu einer Änderung der Verträge und des Verfahrens angenommen. Diese Entscheidung hatten die Koalitionspartner CDU und SPD, in einer geheimen Sitzung, ohne auf Kritik von außen einzugehen, entschieden. Eine Änderung durch eine Debatte im Bundestag war nicht mehr möglich, weil eine solche Entscheidung des Parlamentes die Koalitionsvereinbarung gefährden würde.

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CareBot

Forbes - Planing and Matching Machine/Cover for Scientific American Aug. 1855 (Quelle: Wikimedia Commons)

Deutschland ist mit weltweit führend im Bereich der Robotik. Einer der jungen innovativen Firmen in diesem Bereich ist die GeTeTron aus Sigmaringen. Gerade erst haben deren Ingenieure eine Weltneuheit angekündigt. Ein Grund für unsere Reporter einmal bei der GeTeTron vorbeizuschauen.

“Ja, also hier ist er,” sagt Geschäftsführer Michael Rummang, während er vorsichtig einen kleinen Roboter aus seiner Verpackung befreit. “Das ist der CareBot 2.0, weltweit einzigartig. Viele haben es versucht, wir haben es geschafft als erster mit einem CareBot auf den Markt zu kommen.” Rummang lacht.

Der CareBot sieht unauffällig aus: Ein kleiner Roboter, kaum größer als eine Hand. Seine Formen sind rund und kindlich, außen besteht er ganz aus silbernem Plastik, bis auf eine schwarze Fläche, wo sein Gesicht sein soll.

“Das ist jetzt die internationale Version,” sagt Rummang während er den Roboter einschaltet. “Der hört auf Englisch. Aber wir haben natürlich auch ein Deutsche Version im Angebot. Andere Sprachen kommen auch noch.”

Mit einem leichten Flackern erwacht CareBot zum Leben und auf dem kleinen Gesichtsmonitor erscheinen zwei neugierige Augen. “Der CareBot ist eigentlich für alle Lebensbereiche geeignet. Aber wir denken natürlich nicht zuletzt auch an die Vereinsamung der Menschen und die Überalterung der Gesellschaft. Das sind Zukunftsmärkte. Aber… Lassen Sie mich mal Ihnen zeigen, was er alles kann.”

“Who fucking cares about CareBot!?” ruft Rummang laut aus und schlagartig wirft der kleine Roboter seine Hand in die Höhe und antwortet: “I do! I do!”

Rummang lacht voller Stolz über die eifrige Antwort seiner Schöpfung. “Und das funktioniert mit jeder beliebigen Formulierung: Who cares about this damn interview? What about these journalists, who cares? Who cares about any news at all?” Jedes Mal schnellt der Arm des Roboters in die Höhe und er antwortet mit einem gezirpten: “I do! I do!”

“Wie gesagt,” erklärt der stolze Firmenmanager. “Das geht auch in Deutsch. Wobei das garnicht einfach war. Weil in der Semantik wird das Deutsche kümmern ganz anders verwendet als das Englisch to care. Die internationale Sprachunterstützung ist aber nur eines unserer Features. CareBot hat auch eine Social Media-Integration. Wenn sie auf Facebook posten, dass sich niemand um etwas kümmert, dann liked CareBot das ganz von alleine.”

Für einen Moment sehen wir Rummang an, dann CareBot, dann wieder Rummang. Zögerlich fragen wir: “Und was kann er noch?” Rummang sieht uns etwas irritiert an, dann lacht er und tätschelt seinen Roboter. “Kommen Sie, man kann von einem Roboter auch mehr erwarten als von den meisten Menschen.”

CareBot 2.0 ist demnächst für 599.- im ausgesuchten Fachhandel erhältlich.

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Die graue Eminenz in der grünen Partei

Joseph Wright - A cottage on fire (Quelle: Wikiart)

Zur partei-internen Diskussion über die Zustimmung des Baden-Württembergischen Ministerpräsidenten zur Änderung des Asylrechts, ein Kommentar von Harmadillo

Winfried Kretschmann, die in jeder Hinsicht graue Eminenz in der grünen Partei, hat sich also damit angefreudet, dass bestimmte Staaten des Balkans sichere Herkunftsländer sind. Vor dieser Erkenntnis schützt erst einmal nichts, wenn man sich noch einmal ins Gedächtnis ruft, dass Deutschlands Asylkriterien nun mal keine Mitleidsgesetze sind. Da mag der herzensgute Mensch und/oder der ideologisch vernunftsresistente Radikalaktivist noch so oft den Weltfrieden, die Völkerverständigung oder den Geist eines drohenden Faschismus heraufbeschwören.

Kretschmann hat das erkannt und die logische Konsequenz daraus gezogen und damit seine Partei in eine Identitätskrise gestürzt, weil man selber keine unangenehmen Entscheidungen fällen will. Doch diese vermenintliche Identitätskrise ist nichts anderes als ritualisiertes Getöse. Der ständige Prozess der Entideologisierung und des gelernten Pragmatismus ist inzwischen Teil der grünen Geschichte. Aber trotzdem bleibt (nun) natürlich das Staatsschauspiel nicht aus, wo sich irgendwelche Hinterbänkler, die man aus Proporzregeln auf irgendwelche Posten befördert hat, händeringend der Nostalgie nach einer Zeit hingeben, wo aktives Regierungshandeln noch bloßes Wunschdenken war.

Nein, Kretschman hat klar gemacht, dass die Partei des ökologischen Umdenkens es sich anders überlegt hat: Ab jetzt reicht es mit der Veränderung! Man ist ja regierungsfähig und kann sogar einen Ministerpräsidenten stellen. Da kann man es sich leisten, genauso konservativ zu sein wie die herablassend kritisierte Konkurrenz. Aber weil man im selben Schrebergarten wildert, biedert man sich an dessen Mentalität an und ergeht sich dabei in bigoter, um nicht zu sagen verlogener Kritik.

Das Lamento der Idealismushüter und die verlogene Kritik sind das Programmm der Kretschmann’schen Partei geworden, dessen Ziel letztendlich das ist was alle anderen konservativen Parteien auch wollen: Das bitte doch alles so bleibt, wie es ist. Vor allem für einen Mann in einer Position wie Winfried Kretschmann.

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Expertengespräch zur Schottischen Unabhängigkeit

David Farquharson - The End of the Day's Fishing (Scottish Highlands) (Quelle: Wikimedia Commons)

Das derzeit laufende Referendum über die Unabhängigkeit Schottlands motivierte das kaminkatze.de-Reporterteam sich nach einem Experten für das Thema umzusehen. Nachdem sich das Team in den Schottischen Highlands verirrt hatte und nach tagelangem Genuß von Fish’n Chips bereits Mangelerscheinungen zeigte, fand es endlich ein geschichtsbewandertes Monster am Strand von Loch Ness.

Das überaus schrecklich aussehende Monster lud das Team zu einem abendlichen Whiskey ein und reflektierte dann über die Geomorphologie und die Formation von Gneis im Kambrium als Ursprung Schottlands. Leider kannte das Monster diese nur vom Hörensagen. Beim zweiten Glas begann es dann aber überaus erkenntnisreich aus der eigenen Erinnerung über die Kaledonische Gebirgsbildung zu plaudern. Gerade dies war von großem Interesse für uns, da Schottland damals noch Teil des Paleokontinents Gondwana war. Wie war damals das Verhältnis zu Gondwana? Wie kam es zur Abspaltung? Welche Schlüsse lassen sich daraus für die Gegenwart ziehen?

Dies brachte uns bei einem weiteren Glas auf die Highland Boundary Fault zu sprechen, deren Bedeutung als Grenzlinie zwischen High- und Lowlands viel zu selten zur Sprache gebracht wird. Gerade die Tatsache, dass es trotz der extremen auseinandertreibenden Kräfte in jener Zeit nicht zu einer Trennung des Landes kam, war ausgesprochen spannend und wirft gerade jetzt die Frage auf, ob die Trennungsbestrebungen im Zeitalter des Devon als politisches Modell für eine gemeinsame Zukunft des Vereinigten Königreiches dienen könnte.

Beim vierten und fünften Glas versuchten wir das Gespräch mehr auf die Gegenwart zu lenken. Allerdings wollte das Monster das Tertiär nicht unbeachtet lassen, in dem sich Schottland in einer äußerst gewalttätigen Abspaltungsbewegung von Nordamerika trennte. Vor allem der nachfolgende Vulkanismus auf den Hebriden, die sich nicht mit ihrem neuen Status als Inseln abfinden wollten, zeigt, wie gefährlich das heutige Referendum sein kann.

Irgendwann nach dem sechsten Glas fiel dann unser Aufzeichnungsgerät aus, während wir gerade die nachfolgende Erosion der schottischen Landschaft erörterten. Die Diskussionsbeiträge zwischen dem siebten und dem zwölften Glas lassen sich leider nicht mehr rekonstruieren, so dass wir schließlich in der Morgendämmerung das Gespräch abbrechen mußten. Abschließend konnte unser Team allerdings feststellen, dass die Frage der schottischen Unabhängigkeit langanhaltende Kopfschmerzen verursacht.

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Hoffnung für Westafrika

Jean Louis Théodore Géricault - The raft of the Medusa (Quelle: Wikimedia Commons)

Heute haben die NATO-Staaten und Russland gemeinsam verkündet, dass man dem Leiden in Westafrika nicht länger untätig zusehen könnte. Anstatt Geld in Stellvertreterkriege in der Ukraine und Syrien zu stecken, würden alle Gelder mit sofortiger Wirkung in die Bekämpfung der Ebola-Epidemie investiert. “Ebola ist nicht nur für ganz Afrika, sondern für die Welt eine große Gefahr,” hieß es in der gemeinsamen Erklärung.

Damit wollten beide Seiten auch ihre gemeinsame Zusammenarbeit unter Beweis stellen. “Wir verstehen dies als ein Beitrag für die Stabilität der Region,” sagte dazu der russische Außenminister Lawrow. “Wie sie wissen liegt Russland sehr viel an der Stabilität demokratischer Staaten.” Dem konnte NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen nur zustimmen und ergänzte: “Die NATO wird umgehend ihre bisher für militärische Zwecke vorbehaltenen Mittel in humanitäre Hilfe umwandeln.”

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