Post-Berlin

Wijnand Nuijen - River Landscape with Ruin (Quelle: Wikimedia Commons)

Auf der Karte heißt der Ort “Berlin” und liegt irgendwo mitten in den Wäldern. An ruhigen Tagen kann man das Plätschern des Wassers hören, nachts haben Fledermäuse und Eulen den sternenverzierten Luftraum für sich.

An den Rändern, der Straßen, die kaum mehr als beiläufig asphaltierte Pisten sind, reihen sich windschiefe Holzhäuser und die Relikte der Vergangenheit. Autokarossen und alte Tanks rosten vor sich hin.

Dieser Ort, der irgendwo zwischen Nostalgie und realem Verfall liegt, zieht dennoch Menschen an. Eine verschrobene Gemeinschaft pilgert hierher, macht es sich für einige Zeit in einem der verfallenen Gebäude gemütlich und trifft sich mit den wenigen Einheimischen, die noch verblieben sind.

Diese sind bekannt für ihre bizarren Hobbies: Wo an einem anderen Ort vielleicht Gartenzwerge stehen würden, sind hier bizarre rostbraune Skulpturen zu finden. Manchmal sind sie kaum von dem Schrott um sie herum zu unterscheiden. Spontane Veranstaltungen der Einwohner wirken wie bizarre Rituale, Gärten wachsen aus alten Kisten und Fässern heraus und welches Bräu die Einheimischen genau trinken, möchte man gar nicht so genau wissen.

Doch abends und nachts treffen sich die Einwohner und die Durchreisenden im Licht einiger Baulampen, die von Insekten umschwärmt werden. Die Produkte der Kreativität dieses Volkes werfen auf alles bizarre Schatten.

An diesen Abenden geschieht ein kleines Wunder: Mit Hilfe von alten Autobatterien, Elektronikbauteilen die aus dem Zivilisationsabfall herausgerissen worden sind und amateurhafter Löttechnik entsteht Musik. Platinen wurden zusammengehackt, Chips miteinander verdrahtet und unter Strom gesetzt, während die nicht immer sehr musikalischen Männer und Frauen auf Knöpfen und Reglern herumdrücken, die sich vor ihnen aufreihen wie das Panel eines vor 50 Jahre abgestürzten, vergessenen Raumschiffs.

Jedes hörbare Zittern der Kondensatoren, jeder Gluckern der Resonatoren und jedes Blubbern in den selber aufgespannten Membrane wird mit Begeisterung von der Menge aufgenommen. Jubel bricht aus und man bewegt sich irgendwie dazu. Manche würden es Tanzen nennen, an diesem Ort ist diese Wort aber unangebracht. Denn es ist, was es ist.

Dazwischen brüllt man sich gegenseitig an, lacht dann wieder und umarmt sich und leert zusammen einen dubiosen Drink, der in dem zitternden Licht der Generator-betriebenen Lampen chemisch glüht.

Am Morgen dann sieht alles aus wie zuvor: Der Schrott, die windschiefen Häuser, die verfallenden Straßen und die merkwürdige Tierwelt irgendwo mitten in den Wäldern.

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Ein Friedensstifter

Frederic Edwin Church - Jerusalem from the Mount of Olives (Quelle: Wikiart)

Benjamin Netanjahu ist ein friedliebender Mensch. Bereits in der Vergangenheit hat er dies vielfach unter Beweis gestellt und es sollte ihm keinesfalls nachgesagt werden, dass er kriegerische Auseinandersetzungen provoziert hat, sobald eine Wahl anstand.

Deswegen hat er sich bei der aktuellen Krise um den Gazastreifen auch sehr zurückgehalten. Zurückgehalten hat er beispielsweise Informationen, dass die Hamas nicht für den Mord an drei entführten Jugendlichen verantwortlich war. Ebenso hat er zurückgehalten, dass die Sicherheitsbehörden bereits wußten, dass die 3 Jugendlichen bereits tot waren während sie 14 Tage lang nach ihnen suchen ließen.

Um sein Gewissen keinesfalls zu belasten versichert Benjamin Netanjahu jeden Tag in Gaza seine Bereitschaft zu Frieden und Deeskalation, beispielsweise indem er einseitige Waffenstillstände verkündet. Nur die kompromissbereite Haltung seiner – nicht informierten und nicht kontaktierten Gegner, der ausgesprochen sympathischen und rein pazifistisch orientierten Hamas – verhindert so eine Beendigung des blutigen Konfliktes.

Es ist deswegen davon auszugehen, dass Benjamin Netanjahu seinem Land durch sein umsichtiges Handeln dauerhaften Frieden, Sicherheit und Stabilität bringen wird. Israel sollte ihm dankbar sein.

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Währenddessen im Urlaub

Albert Bierstadt -  Among the Bernese Alps (Quelle: Wikiart)

“Angela, warte mal! Renn nicht so schnell. Der Vladimir ist am Telefon…”

“Jetzt lass mal, Ulrich, wir sind gleich auf der Alm.”

“Auf der anderen Leitung ist der Netanjahu. Er sagt irgendwas von Antisemitismus…”

“Sag ihm, er soll mit dem Bomben aufhören, dann legt sich das von alleine. Guck mal, Alpenveilchen!”

“Und der Ströbele hat eine SMS geschickt wegen dem Snowden…”

“Haha! Der beneidet uns nur um die Bio-Buttermilch von der Alm die wir gleich trinken werden.”

“Außerdem hat die Ursula, wegen der Lage im Irak…”

“Ursula kann das alleine, die ist selber groß. Warte mal! Was ist das?”

“Das Schild da auf der Alm meinst Du? Was steht da? “Weg mit TTIP”?”

“Hmpf! Nicht einmal auf der Alm hat man noch seine Ruhe. Lass uns umdrehen!”

“Aber Angela, wir wollten doch Urlaub auf der Alm…”

“Ulrich, irgendwo finden wir sicher noch eine andere Alm.”

“Na hoffen wir’s!”

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Industrie kritisiert Sanktionspläne gegen Russland

Frederick Richard Lee - The Rock of Gibraltar (Quelle: Wikimedia Commons)

Die Regierungschefs der EU haben einen erneuten Versuch unternommen Wirtschaftssanktionen gegen Russland zu erlassen. Die Teilnehmer einer nächtlichen Sitzung in Brüssel waren sich einig hart gegen Russland vorzugehen. Wirtschaftssanktionen sollen erreichen, was die Diplomatie bisher nicht geschafft hat: Den Einfluß von Vladimir Putin auf die Separatisten in der Ost-Ukraine eindämmen und zu einem Ende des Konfliktes führen.

Der entsprechende Antrag der Regierungschefs wurde allerdings scharf von den Europäischen Wirtschaftsverbänden kritisiert. “Wir können nicht zulassen, dass die Länder der EU ihr Verhältnis zu Russland aufs Spiel setzen,” erklärte ein Sprecher der Industrielobby bei einer Pressekonferenz. “Russlandexperten bestätigen ja immer wieder, dass die russische Politik und besonders Vladimir Putin keinesfalls an der Eskalation in der Ukraine beteiligt ist. Allenfalls engagiert sie sich aus rein humanitären Gründen.”

Vorwürfe, dass die Industrie diese Experten bezahlen würde, um die Sanktionsbestrebungen der EU zu unterminieren, wurden in der Pressekonferenz scharf zurückgewiesen: “Freunde Russlands müssen nicht von uns bezahlt werden,” erklärte der Sprecher. “Wir unterstützen mit unseren Zuwendungen und Freiräumen in der von uns kontrollierten Teilen der Presse nur die Pluralität der Meinungen in der EU.”

Aus dem NATO-Hauptquartier hies es, man sei sehr ungehalten über die Position der Industrie. Es würden gäbe deswegen Überlegungen Steuerprüfungen vorzunehmen.

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Sommerregen

Gustave Caillebotte - The Yerres, Rain (Quelle: Wikiart)

Feiner, unaufhörlicher Regen geht auf die Stadt nieder. Die Straßen sind leer und auf die verlassenen Autos prasselt nur das Wasser herab, ein leichtes monotones Ticken auf dem Blech, dass in der Ferne ins allgemeine Rauschen übergeht. Die letzten Passanten haben die Bürgersteige verlassen, irgendwo sitzt noch ein resignierter Angestellter an der Kasse eines Freibads, dessen Schwimmbecken nur noch wie ein übergroße Regentonne wirkt.

Obwohl noch nicht einmal August, weht ein Hauch von Herbst über die Stadt. Es ist dunkel, lange vor dem Sonnenuntergang. Nur oben – dort wo scheinbar alles im Grau verschwindet – hört man die Rufe der weiterhin kreisenden Schwalben: “Der Sommer ist noch nicht vorüber! Der Sommer ist noch nicht vorüber!”

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Die einfache Erklärung

Francisco Goya - El Aquelarre (Quelle: Pickwick Art Blog)

Nachdem es in der letzten Zeit zu Entrüstungen über diverse politische Einstellungen und deren Äußerungen im öffentlichen Raum, sowie in der Presse gekommen ist, fordern öffentliche Stimmen nun parteiübergreifend nach Verboten. In Zukunft soll nur noch “Die einfache Erklärung” zulässig sein. Sie soll als Mittel gegen Propaganda, wie auch gegen Diskriminierungen eingesetzt werden und für Ordnung in einer verwirrenden politischen Großwetterlage sorgen.

“Die einfache Erklärung” ist dabei universell einsetzbar und ist sowohl für den Konflikt in der Ukraine, wie auch für die anhaltend gewaltsamen Auseinandersetzung zwischen Israelis und Palästinensern verfügbar. Aber auch andere politische Auseinandersetzungen, von der Energiewende bis zum Mindestlohn, lassen sich mit der “einfachen Erklärung” beseitigen.

Doch da es sicherlich noch einige Zeit dauernd wird, bis es zu einer gesetzlich vorgeschriebenen Einführung der “einfachen Erklärung” in Deutschland kommt, schreiten viele engagierte Kommentatoren, Politiker, Journalisten und Aktivisten voran und legen ihren Leser, Zuhörern und Zuschauern bereits “Die einfach Erklärung” nahe. Durch dieses Angebot ist es bereits heute möglich sich dank der “einfachen Erklärung” an vielen Stellen über ganz einfache und vollkommen klare Sachlagen zu informieren.

Hinweis der Redaktion: Wegen der hohen Nachfrage nach “Die einfache Erklärung” ist es der Redaktion derzeit nicht möglich diese anzubieten. Wir bitten dies zu entschuldigen.

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Putin und die Flugzeuge

Shibata Zeshin - Crows fly by (Quelle: Wikiart)

Zum Absturz des Flugzeugs der Malaysian Airlines, ein äh,… Debattenbeitrag von unserem Mitarbeiter Rhintosseros:

Es muß einfach mal die Frage gestellt werden: Warum wird Vladimir Putin für das Verschwinden den Absturz des Flugzeugs MH370 der Malaysian Airlines eigentlich verantwortlich gemacht? Der Politkrimi, der sich um diese Frage herum entwickelt hat, hält derzeit Europa im Bann. Doch die ganz offensichtliche Frage wird einfach nicht gestellt: Was hätte Vladimir Putin eigentlich davon?

Der Absturz eines Flugzeugs ist immer eine Tragödie, Menschen und Material gehen verloren. Wichtig ist danach die Aufklärung. Doch gerade in diesem Fall ist die Beweislage dünn. Welche Beweise für Vladimir Putins Täterschaft gibt es denn? Sehen wir uns die Fakten an!

MH370 flog weit entfernt vom russischen Luftraum. Selbst die Luftabwehrraketen, die Putin den ukrainischen Separatisten zur Verfügung gestellt haben soll, hätten das Flugzeug niemals erreichen können. Zudem waren zu dem Zeitpunkt des Fluges keinerlei kriegerische Auseinandersetzungen mit direkter oder indirekter russischer Beteiligung auch nur in der Nähe des Fluges zu beobachten.

Zudem wurde das Wrack immer noch nicht gefunden. Trotz intensiver Suche auf hoher See. Natürlich kann man dem russischen Präsidenten vorwerfen, dass er sich an der Aufklärung nicht beteiligt hätte, aber dieser Vorwurf trifft genauso die ganze “westliche” Welt, mit der Ausnahme Australiens.

Versuche Putin für den Absturz von MH370 verantwortlich zu machen, sind also zutiefst verlogen. Sie offenbaren die Voreingenommenheit des Westens den russischen Präsidenten für jede Katastrophe verantwortlich zu machen. Das muß ein Ende haben!

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