Sommerregen

Gustave Caillebotte - The Yerres, Rain (Quelle: Wikiart)

Feiner, unaufhörlicher Regen geht auf die Stadt nieder. Die Straßen sind leer und auf die verlassenen Autos prasselt nur das Wasser herab, ein leichtes monotones Ticken auf dem Blech, dass in der Ferne ins allgemeine Rauschen übergeht. Die letzten Passanten haben die Bürgersteige verlassen, irgendwo sitzt noch ein resignierter Angestellter an der Kasse eines Freibads, dessen Schwimmbecken nur noch wie ein übergroße Regentonne wirkt.

Obwohl noch nicht einmal August, weht ein Hauch von Herbst über die Stadt. Es ist dunkel, lange vor dem Sonnenuntergang. Nur oben – dort wo scheinbar alles im Grau verschwindet – hört man die Rufe der weiterhin kreisenden Schwalben: “Der Sommer ist noch nicht vorüber! Der Sommer ist noch nicht vorüber!”

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Die einfache Erklärung

Francisco Goya - El Aquelarre (Quelle: Pickwick Art Blog)

Nachdem es in der letzten Zeit zu Entrüstungen über diverse politische Einstellungen und deren Äußerungen im öffentlichen Raum, sowie in der Presse gekommen ist, fordern öffentliche Stimmen nun parteiübergreifend nach Verboten. In Zukunft soll nur noch “Die einfache Erklärung” zulässig sein. Sie soll als Mittel gegen Propaganda, wie auch gegen Diskriminierungen eingesetzt werden und für Ordnung in einer verwirrenden politischen Großwetterlage sorgen.

“Die einfache Erklärung” ist dabei universell einsetzbar und ist sowohl für den Konflikt in der Ukraine, wie auch für die anhaltend gewaltsamen Auseinandersetzung zwischen Israelis und Palästinensern verfügbar. Aber auch andere politische Auseinandersetzungen, von der Energiewende bis zum Mindestlohn, lassen sich mit der “einfachen Erklärung” beseitigen.

Doch da es sicherlich noch einige Zeit dauernd wird, bis es zu einer gesetzlich vorgeschriebenen Einführung der “einfachen Erklärung” in Deutschland kommt, schreiten viele engagierte Kommentatoren, Politiker, Journalisten und Aktivisten voran und legen ihren Leser, Zuhörern und Zuschauern bereits “Die einfach Erklärung” nahe. Durch dieses Angebot ist es bereits heute möglich sich dank der “einfachen Erklärung” an vielen Stellen über ganz einfache und vollkommen klare Sachlagen zu informieren.

Hinweis der Redaktion: Wegen der hohen Nachfrage nach “Die einfache Erklärung” ist es der Redaktion derzeit nicht möglich diese anzubieten. Wir bitten dies zu entschuldigen.

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Putin und die Flugzeuge

Shibata Zeshin - Crows fly by (Quelle: Wikiart)

Zum Absturz des Flugzeugs der Malaysian Airlines, ein äh,… Debattenbeitrag von unserem Mitarbeiter Rhintosseros:

Es muß einfach mal die Frage gestellt werden: Warum wird Vladimir Putin für das Verschwinden den Absturz des Flugzeugs MH370 der Malaysian Airlines eigentlich verantwortlich gemacht? Der Politkrimi, der sich um diese Frage herum entwickelt hat, hält derzeit Europa im Bann. Doch die ganz offensichtliche Frage wird einfach nicht gestellt: Was hätte Vladimir Putin eigentlich davon?

Der Absturz eines Flugzeugs ist immer eine Tragödie, Menschen und Material gehen verloren. Wichtig ist danach die Aufklärung. Doch gerade in diesem Fall ist die Beweislage dünn. Welche Beweise für Vladimir Putins Täterschaft gibt es denn? Sehen wir uns die Fakten an!

MH370 flog weit entfernt vom russischen Luftraum. Selbst die Luftabwehrraketen, die Putin den ukrainischen Separatisten zur Verfügung gestellt haben soll, hätten das Flugzeug niemals erreichen können. Zudem waren zu dem Zeitpunkt des Fluges keinerlei kriegerische Auseinandersetzungen mit direkter oder indirekter russischer Beteiligung auch nur in der Nähe des Fluges zu beobachten.

Zudem wurde das Wrack immer noch nicht gefunden. Trotz intensiver Suche auf hoher See. Natürlich kann man dem russischen Präsidenten vorwerfen, dass er sich an der Aufklärung nicht beteiligt hätte, aber dieser Vorwurf trifft genauso die ganze “westliche” Welt, mit der Ausnahme Australiens.

Versuche Putin für den Absturz von MH370 verantwortlich zu machen, sind also zutiefst verlogen. Sie offenbaren die Voreingenommenheit des Westens den russischen Präsidenten für jede Katastrophe verantwortlich zu machen. Das muß ein Ende haben!

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Die Kah

T.C. Steele - Tennessee Scene/Cows on the Meadows (Quelle: Wikiart)

Manfred Egger ist ein Visionär. In Momenten in denen er sich mit dem Scheitern seiner unternehmerischen Investitionen auseinander setzen muß, würde er selbstkritisch hinzufügen, dass er ein unverstandener Visionär sei. Selten zuvor fühlte er sich allerdings so unverstanden wie in den letzten Monaten. Die Frage, die ihn beschäftigt: “Warum will niemand die Kah?” Beim Interview hebt er in diesem Moment hoffnungslos die Arme. Es wirkt beinahe verzweifelt.

In Manfred Eggers Büro ist alles ordentlich aufgeräumt. Der Biologe und Agrarunternehmen liebt es, wenn Dinge ihren Platz haben. Dabei ist er sich allerdings nicht zu schade, sein Büro (wie auch seine Geschäfte) immer wieder umzustellen. “Das fördert die Kreativität,” schwört er. Eigentlich wäre dafür wieder einmal Zeit, doch Manfred Egger kommt nicht dazu. “Wir müssen irgendwie die Kah am Markt platzieren.”

Eggers neuste Unternehmung begann bereits vor mehr als 5 Jahren. Am Reißbrett hatten Eggers Analysten die Veränderungen der Konsumgewohnheiten in Deutschland skizziert und Egger hatte eine eindeutige Marktlücke erkannt: Guter Milchkaffee! Er sollte recht behalten: Der Kaffee ist des Deutschen liebstes Getränk und vor allem der Kaffee mit Milch ist beliebt wie nie zuvor.

Also setzten sich Egger und seine Leute an ihre Schreibtische und planten ihr bisher ambitioniertestes Produkt: Die Kah! Doch selbst heute, wo die Kah auf Eggers Versuchsfeldern steht, bleibt der wirtschaftliche Erfolg aus. Dabei hatten Eggers und seine Kollegen alles richtig gemacht: Nie zuvor wurde Milchkaffee so umweltschonend und qualitativ hochwertig produziert. Ja, selbst der Preis ist konkurrenzfähig. “Aber trotzdem will niemand unseren Milchkaffee,” seufzt Egger.

Nun sitzt Egger auf mehr als 100 Hektolitern bestem Milchkaffee, die seine Kahe tagtäglich produzieren. “Wir können sie ja nicht einfach abstellen. Wie jede Kuh auch muß die Kah tagtäglich gemolken werden.” Zwar entstehen dem Agrarunternehmer weniger Kosten, da die Kah viel weniger Nahrung benötigt als eine Kuh. Dafür sorgt die Photosynthese, die die Kah mit ihrem grünen Fell betreibt. So werden Weidekosten gespart. Dennoch tut es Egger in der Seele weh den größten Teil seines Milchkaffees zu entsorgen: “Wir selber verbrauchen davon was wir können. Wir verschenken ihn sogar. Aber das ist natürlich nur ein Bruchteil unserer Produktion.”

Dies sind die Momente in denen Manfred Egger kurz davor ist zu resignieren. Doch letztendlich will er sich nicht geschlagen geben. “Davor schützt mich mein unternehmerischer Ehrgeiz,” erklärt er. “Ich habe einen großen Teil meines eigenen Vermögens in die Kreuzung von Kuh und Kaffeebohne investiert. Aber nicht nur deshalb liegt mir die Kah am Herzen, sie ist ein Herzensprojekt. Wenn ich sehe wie eine unserer Kahe sich über die Weide rankt, und unter ihrem grünen Fell die mit besten Milchkaffee prall gefüllten Euterbohnen hervorgucken, dann erfüllt mich das mit Stolz.” Nur ein Bedauern hat er dann noch: “Nun, sie muht nicht. Aber vielleicht kriegen wir das bei der nächsten Kreuzung auch noch irgendwie hin.”

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Das Märchen von den Drogen

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Es waren einmal ein paar Menschen, die eines Tages feststellten, dass Drogen die gehirnlosen Massen von der kapitalistischen Erwerbsarbeit abhalten könnten. Weil ihnen das irgendwie nicht zusagte, erfanden sie ein paar einschlägige Gesetze und murmelten irgendetwas vom Schutz der Bevölkerung und vor allem der Kinder.

Nachdem einige Jahrzehnte zerstörter, kriminalisierter Existenzen und toter Kinder auf den Bahnhofstoiletten ins Land gegangen waren, fanden Wissenschaftler heraus, dass die eingangs erwähnten Menschen sich geirrt hatten. Doch die Menschen wollten davon nichts wissen, weil sie ja ihre Laster und ihr Leben im Griff hatten. Wirklich alle!

Daraufhin organisierten die Wissenschaftler einen grossen Kongress und beschlossen ein für alle Mal zu klären, dass Drogenabhängige keine Kriminellen sind. Doch die Menschen hörten nicht die Rufe, weil sie sich die Ohren zuhielten und irgendwie beschäftigt waren.

Deswegen wird es gegen alle wissenschaftliche Erkenntnis weiter einschlägige Gesetze geben und wenn die Drogenabhängigen nicht inzwischen sterben, dann wandern sie weiter in den Knast.

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Hotel Excelsior

Claude Monet - L' Hotel des Roches Noires à Trouville (Quelle: Wikiart)

Erstmals hat in Deutschland ein 6-Sterne-Hotel eröffnet. Die gefeierte Neueröffnung ist ein besonderer Verdienst von Hotelmanager Hans-Jürgen Stiel: “Wir haben jahrelang recherchiert, um die besonderen Charakteristika eines Luxushotels herauszufiltern,” erklärt er mit Stolz. Seine Antwort auf die Frage, worin diese Charakteristika denn bestehen ist ebenso einfach, wie überraschend: “Nichts!”

Genauso dadurch zeichnet sich heute Stiels lange geplantes Luxushotel auch aus. Bereits wenn man die imposante Eingangshalle betritt und von dem äußerst zuvorkommenden Personal in Empfang genommen wird, bemerkt man nichts. “Unsere Architekten haben sich sehr darum bemüht, dass bereits die Eingangshalle dem Gast vermittelt, dass er sich in einem Luxushotel befindet,” erklärt Stiel bei der Besichtigung. “Davon soll nichts ablenken.” So setzt die Architektur genau auf jene Materialien und Stilformen, die man auch in allen anderen Luxushotels der Welt findet.

Doch es ist nicht nur die Architektur, die das Hotel auszeichnet. Bis ins kleinste Detail haben sich auch die Innenarchitekten und Gestalter darum bemüht, dem Design jedes möglicherweise störende Detail auszutreiben. Die Einrichtungen der Zimmer besteht genau aus denselben Betten und Möbeln, die Badezimmer aus denselben Armaturen, die man weltweit finden kann. “Wir haben genau untersucht, wie groß ein Whirlpool sein muß, damit Gäste ihn als angenehm und luxuriös wahrnehmen,” erklärt die Concierge Stefanie Neuhäuser. Natürlich dürfen auch ein Schwimmbad, Sauna, Sportstudio und andere Wellness-Einrichtungen nicht fehlen. “Sie sind genauso, wie sie sie überall auf der Welt vorfinden,” merkt Neuhäuser an. Auch die Außenanlagen wie der Golfplatz besitzen keinerlei Charakteristika. Man bemerkt nicht einmal mehr die umliegende Landschaft.

Besonders stolz sind Stiel und seine Kollegen allerdings auf die Küche: “Wir haben haben sehr genau studiert, was der Gast von einer weltläufigen Küche erwartet,” erklärt Küchenchefin Maggie Smith. “Unsere Gerichte erinnern unsere Gäste an ihren Urlaub, ohne sich durch lokale Spielereien aufzudrängen.” Deswegen verwendet die Küche nur die besten Zutaten aus aller Welt, die auf den Tellern mit beeindruckender Kunstfertigkeit kombiniert werden. Spanische Muscheln, thailändische Gewürze und afrikanische Gemüse verbinden sich so zu einem globalen Gesamteindruck, den kein Gast als störend empfinden könnte.

Sommelier Jean Marchais garantiert, dass dazu nur nichtssagende Weine aus aller Welt gereicht werden. Auf die Frage was er denn serviert, wenn der Gast nach einem lokalen Wein verlangt, lacht der erfahrene Weinexperte nur: “Wir servieren, was wir immer servieren. Bisher ist das noch niemandem aufgefallen.”

Der Preis für eine Nacht im Einzelzimmer: Ab 329.- Euro p.P.

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Nachtrag zur Bombenlegeraffäre

Unknown - Lufti Gelil explosion (Quelle: Wikimedia Commons)

Nachdem die Bombenserie im Luxemburg der 80er-Jahre bisher sowohl als unaufgeklärt, aber auch als als beendet galt, kam es heute im benachbarten Brüssel erneut zu einer Explosion: Dabei ging Jean-Claude Juncker hoch, der an die Spitze der EU-Kommission katapultiert wurde. Die Lunte an Juncker hatte bereits seit letztem Jahr geglüht, nachdem Luxemburgs eigener Geheimdienst ihren Regierungschef abgehört hatte.

Die mutmaßliche Juncker-Bombe wurde daraufhin nicht mehr wiedergewählt, sondern stattdessen von Freunden in einer Nacht-und-Nebel-Aktion ins benachbarte Brüssel gebracht, wo sie heute hochgegangen ist. Der genaue Schaden der Juncker-Bombe ist derzeit noch nicht genau feststellbar. Die Zerstörung ist jedoch beträchlich und hat die Grundfesten des EU-Gebäudes erschüttert. Viele Europäer haben jetzt erst recht Zweifel an der Stabilität der Konstruktion, die durch Juncker erschüttert wurde.

Wiederaufbaumaßnahmen gelten inzwischen als ausgeschlossen, da noch nicht sicher ist, ob von der Juncker-Bombe nicht noch weitere Explosionen zu erwarten sind: In den Kellern ruhen noch Kracher wie diverse Handelsabkommen deren Detonation kurz bevorstehen könnte.

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