Die Liebe zum Brot

Evaristo Baschenis - Boy with a basket of bread (Quelle: Wikimedia Commons)

Jens hatte immer ein harmonisches Verhältnis zu seinem Brot. Er hatte es zufällig in der Bäckerei kennengelernt und es war Liebe auf den ersten Blick. Jens bestand immer darauf, dass es nicht nur die feste Kruste und die weichen Rundungen seien, die ihn zu seinem Brot hingezogen hatten. Immer wieder bestand er darauf, dass er sich ausgezeichnet mit seinem Brot unterhalten konnte.

Deswegen beteuert er auf Nachfrage auch, dass es nicht die Äußerlichkeiten sind, die die Beziehung zu seinem Brot geprägt haben. Krümel und leichter Schimmelbefall sind Bestandteile eines natürlich Altersprozesses. Es gibt andere Gründe, die Jens nachdenklich gemacht haben: Er sprach davon, dass sein Brot hart und unachgiebig geworden sei. Jens vermisste die frühere Flexibilität. Vielleicht waren auch seine Erwartungen an eine feste Beziehung übertrieben. Nicht jeder Mensch ist dafür gemacht, dass er jeden Tag mit Brot verbringt.

Nach der Trennung sagte er immer wieder, wie schwer ihm diese gefallen sei. Dabei muß man darauf hinweisen, dass es eigentlich er war, der die Beziehung beendete, indem er sein Brot einfach rausgeschmissen hatte. Er hat sich sehr schnell mit einem frischen Croissant getröstet. Es wird sich zeigen müssen, ob das länger hält.

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Ist Ihr Neuwagen kastriert?

Julius LeBlanc Stewart - Les Dames Goldsmith au blois de Boulogne en 1897 sur une voiturette (Quelle: Wikimedia Commons)

Zur artgerechten Autohaltung gehört es auch sich über dessen sexuelle Bedürfnisse zu informieren. Ein schwieriges Thema mit dem sich nicht jeder Fahrzeughalter auseinandersetzen will. Doch gerade im Frühjahr muß darüber gesprochen werden. Sonst kann es zwischen teils gewaltsamen Zusammenstößen kommen, wenn ein Fahrzeughalter die Kontrolle über sein brünstiges Gefährt verliert.

Bei der gesellschaftlichen Relevanz des Autos ist dabei von besonderer Bedeutung, dass die artgerechte Autohaltung als ein gesamt-gesellschaftliches Problem verstanden wird. Die ungebremste Fortpflanzung von Fahrzeugen schränkt den heute vielerort bereits rar gewordenen Lebensraum der Autos weiter ein; so dass ungebremste Vermehrung auf Dauer den Autos schadet.

Die sicherlich artgerechteste und humanste Art und Weise an dieses Thema heranzugehen ist die Kastration. Hierbei gibt es immer wieder Vorbehalte, da Fahrzeughalter um die sexuelle Potenz ihres Fahrzeugs fürchten. Diese Angst ist unbegründet und beruht auf falschen Annahmen: Auch nach der Kastration bleibt ein Auto gleichermaßen potent, wenn es auch nicht mehr zeugungsfähig ist.

Der Einsatz von empfängnisverhütenden Mitteln ist eine andere Herangehensweise, benötigt aber die regelmäßige, korrekte Anwendung. Aus rein ästhetischen Gründen sind auch nur wenige Fahrzeughalter von einem Latexüberzug ihrer Autohaube zu überzeugen.

Sollte Ihnen auf der freien Wildbahn dennoch ein aufdringliches, sexuell hyperaktives Auto begegnen, so ist Vorsicht geboten. Dennoch sollte jeder Verkehrsteilnehmer wissen: Trotz möglicher schmerzhafte Konsequenzen steckt hinter dem Akt des Auf-die-Hörner-Nehmens von Fußgänger und Radfahrer durch ein Automobil nur die reinste Zuneigung eines liebenswerten Geschöpfes.

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Breaking News: Eskalation

Hokusai - Fuji at Torigoe (Quelle: Wikipaintings)

Aufgrund der sich überschlagenden Ereignisse, hat die Redaktion vorab einen Artikel verfaßt:

Jetzt im Live-Blog: Eskalation! Unruhe! Schlagzeilen: Aktuelle Ereignisse im Echtzeitticker. Aktivisten auf der Straße. Das Militär ist in Alarmbereitschaft.
Die wichtigsten Nachrichten im Überblick. Die Regierung ist zusammengetreten.

Erste Reaktionen aus dem Ausland. Pressekonferenz. Schwere Zusammenstöße. Aktuelle Berichterstattung vor Ort. Unser Reporter berichtet.

Jetzt: Regierung weist Anschuldigungen zurück. Demonstrationen. Das Ausland sieht tatenlos zu. Live-Stream.

Wird es Krieg geben? Die wichtigsten Fakten im Facktencheck. Überblick. Landkarte mit den wichtigsten Ereignisorten. Hier und hier gibt es Probleme. Es zeigte sich jemand besorgt über die Entwicklung. Bemühen um De-eskalation. Der Bürger auf der Strasse.

Aktuell: Vorwürfe! Propaganda! Einseitigkeit! Eine Zusammenfassung. Unerwartete Wendung: Hintergrundreportage. Experte. Kommentar.

Angst vor… Neuste Entwicklungen: Fotostrecke. Folgen für uns?

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Wir verteidigen uns

Peter Paul Rubens - The Battle of the Amazons (Quelle: Wikipaintings)

Zum Ernst der Lage ein Beitrag von Harmadillo

Die NATO muß die Ukraine verteidigen. Russland muß sich gegen die NATO verteidigen und Deutschland verteidigt seine Freiheit am Hindukusch. Wenn es irgendein Wort gibt, dass klötenlose Marketingpolitiker öfter mißbrauchen als “verteidigen”, dann ist das allerhöchstens “Arbeitsplätze”. Womit sie natürlich nicht ihre eigenen Arbeitsplätze meinen, sondern was der Pöbel auch immer treibt um an Geld zu gelangen.

Wer heute “verteidigen” in den Mund nimmt, könnte genauso gut auf einem schön braunen Kackehaufen herumkauen und behaupten es sei ein exzellentes Steak. Wir müssen bei diesem Wort garnicht mehr George Orwells Neusprech bemühen, George Orwell war im Vergleich zu den Marketingexperten unserer Zeit ein intellektuelles Krippenkind, dass man noch den Topf erklären mußte.

Wenn also ein Politiker “verteidigen” sagt, dann meint er damit den Abwurf von Bomben, den Einmarsch in anderen Ländern und das Abschlachten von – wahlweise – unbeteiligten Zivilisten, Andersdenkenden oder sonstigen Personen, die aus Versehen, den Panzern, Helikoptern und Drohnen im Weg stehen.

Früher hätte man so etwas “angreifen” genannt, hätte Paraden für die Berufsmörder abgehalten und die Schlachtplatte anschließend ethnisch gesäubert. Heute wird “verteidigt”, “PTSD behandelt” und anschließend “Sicherheits- und Stabilisierungsmaßnahmen ergriffen”. Die PR-Abteilungen der “Verteidigungs”-Ministerien haben in repräsentativen Umfragen herausgefunden, das solche Scheiße glatt runtergeht und alle politischen Gesellschafter fühlen sich nachher gut dabei.

Wenn also dieses Jahr der pazifistische Ringelreihen auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs stattfindet, dann wissen wir dass der heutige Mensch dem Menschen von 1914 ausschließlich in seiner politischen Naivität überlegen ist.

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Das Recht auf Applaus

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In diesen düsteren Tagen in denen der Frühling schwer über Deutschland hängt, die Sonne jeden Tag länger auf dem Land lastet und die milden Temperaturen das Leben schier unerträglich machen, wenden sich große Geister gerne der Literatur zu, um den Seiten ihre Sorgen und Ängste anzuvertrauen. Und fürwahr, es gibt viele Dinge um die man sich sorgen und vor denen man sich ängstigen muß. Wo man in Deutschland auch hingeht wird man von Andersdenkenden angegriffen und zu einer individuellen Lebensgestaltung genötigt. Doch am Allerschlimmsten ist die Aberkennung auf das Recht auf Applaus.

Jahrhundertelang haben die Menschen für Meinungsfreiheit gekämpft. Ganze Generationen sind auf den Schafott oder am Galgen der Obrigkeit verendet, mußten zusehen wie ihre Bücher verbrannt und ihre Familien verbannt wurden. Doch wenn man in die Geschichte zurückschaut, dann kann man erkennen, dass diese Menschen rehabilitiert wurden, durch das in unseren Breiten inzwischen allgemein anerkannte Recht auf freie Meinungsäußerung.

Doch gerade in dieser für Deutschland schweren Zeit reicht dieses Recht nicht mehr aus. Um die Leiden der modernen Gesellschaft zu bekämpfen, ja um sie überhaupt benennen zu können, benötigt man nicht nur das Recht auf Meinungsfreiheit, sondern das Recht auf Applaus. Wenn der Aufklärer mit seinen Thesen an die Öffentlichkeit tritt, dann muß ihm applaudiert werden. Für dieses Recht streiten deutsche Pioniere in vollständiger Selbstaufgabe und unter größten finanziellen Opfern. Namen wie Thilo SarrazinSibylle Lewitscharoff und Akif Pirinçci stechen dabei heldenhaft hervor.

Diese Vorkämpfer für das Recht auf Applaus treten tagtäglich den Kampf aufs Neue an, indem sie immer wieder aufs Neue den ihn zustehenden Applaus einfordern. Denn Applaus steht jedem zu, doch er wird viel zu oft mit geradezu krimineller Energie von einer korrupten Gesellschaft vorenthalten. Noch fehlt der Welt die Erkenntnis und vor allem der politische Wille sich mit dem Thema der Applausverweigerung auseinander zu setzen. Doch wie einst die Vorkämpfer der Meinungsfreiheit werden auch diese Pioniere eines Tages als das erkannt werden, was sie sind: Politische Märtyrer im Kampf für ein Menschenrecht.

Doch durch die Leistung dieser Menschen wird der Tag kommen, an dem jeder Mensch an die Öffentlichkeit treten kann und – ganz egal was er äußert – ihm wird schallender, erhebender Applaus entgegen kommen. Die Menschen werden ihn oder sie feiern, wie es sich geziemt. Und sei die Äußerung nur ein kleiner, feucht knatternder Pups.

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Das Ende der Vorratsdaten

Max Schüler - Junge Frau am Telefon (Quelle: Wikimedia Commons)

Schon in dem Moment, wo sich die Nachricht verbreitet, dass der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg die Vorratsdatenspeicherung verwerfen würde, machte sich Unruhe im IT-Zentrum eines großen Deutschen Internetproviders breit. Die dort versammelten Systemadministratoren waren bereits seit Tagen nervös, hatte sich doch bereits seit einem kritischen Antrag des Europäischen Generalanwalts abgezeichnet, dass es nicht gut um die Vorratsdatenspeicherung aussieht. Doch die Systemadministratoren hatten noch gehofft. Für ein paar Wochen hatten sie den Normalbetrieb weiter aufrecht erhalten. Aber nun gilt: Nichts mehr wird normal bleiben.

Der Techniker Michael K. bringt es auf den Punkt: “Wir wissen nicht wie lange die Daten noch reichen werden.”

Bisher hatten die Deutschen Internet- und Serviceprovider große Datenmengen vorhalten können. Damit ist es mit dem Urteil nun vorbei. Es werden nur noch Daten an die Internetnutzer weitergereicht werden können, die auch zuvor generiert wurden. Und genau hier liegt das Problem. Die Menge neuer Daten ist begrenzt und die alten Daten dürfen nicht mehr auf Vorrat gespeichert werden. Ein Ausbleiben der Daten ist vorprogrammiert.

Systemadministrator Ulli M. ist pessimistisch: “Momentan können wir nicht genau sagen, wann es losgeht. Aber kleinen Internetprovidern werden wahrscheinlich schon Mitte des Jahres die Vorratsdaten ausgehen. Deren Nutzer werden dann als erste in die Röhre gucken und auf neue Daten warten müssen.” Zu den eigenen Vorräten will der Systemadministrator sich derzeit nicht äußern, aber für jeden der Angestellten ist klar, dass die Vorratsdaten nicht ewig vorhalten werden.

Die Kommunikationswissenschaftlerin Dr. Martina Lokau von der Universität Neureuth hatte bereits vor Jahren auf die bevorstehende Krise in der Datenversorgung hingewiesen. “Heute hat jeder ein Smartphone oder ein Tablet. Wie bei anderen Rohstoffen auch, hat sich jahrelang keiner Gedanken gemacht, woher all die Daten kommen sollen, die jeder einzelne tagtäglich im Internet verbraucht. Mit dem Argument des Datenschutzes wird hier ein Problem dramatisch verschärft.”

Datenschützer sehen dies natürlich anders. Sie verweisen immer wieder auf den Mißbrauch der wehrlosen Daten, die in den großen Rechenzentren in qualvoller Käfighaltung teils jahrelang eingesperrt wurden, nur damit sie irgendwann verbraucht werden. “Wir erachten das heutige Urteil als ein Symbol der Menschlichkeit,” teilt dazu Conny Lang von der Nichtregierungsorganisation “Ordentlicher Computerklub” mit. “Daten werden immer noch eingesperrt und mißbraucht, aber zumindest werden sie nicht mehr in diesen unmenschlichen Betrieben dem uneingeschränkten Zugriff ausgesetzt.”

In den IT-Zentren Europas sieht man das Problem natürlich anders. Die großen Anbieter von Datendiensten sehen sich in ihrer Existenz bedroht. Vorerst wird man mit den bisher gespeicherten Daten weiterarbeiten. Wie und wann der Verbraucher etwas vom Ende der Vorratsdatenspeicherung merkt wird sich erst im Laufe des Jahres zeigen.

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Politik und Drogen

Gerard Terborch - Drink (Quelle: Wikipaintings)

122 Strafrechtler, fast die Hälfte der in Deutschland beschäftigten Professoren, habe eine Aufforderung zur Liberalisierung des Drogenrechts veröffentlicht. Sie bezeichnen das derzeit geltende Betäubungsmittelrecht als “sozialschädlich und unökonomisch”. Zwar gab es dazu Beifall von den Oppositionsparteien Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke, aber Mitglieder der Regierungskoalition hielten sich bedeckt.

Der drogenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Frank Kallkowski, wollte sich im direkten Gespräch nicht auf eine Linie seiner Partei festlegen. “Solche Vorstöße ergeben sicherlich Sinn für die Unterzeichner,” sagte Kallkowski und zog mehrfach die Nase hoch. “Aber die Politik wird immer noch im Bundestag gemacht. Wir beschäftigen uns Tag und Nacht mit diesem Thema. Wir können selber die richtigen Entscheidungen treffen.” Kallkowski rechtes Augenlid zuckte nervös.

Die Position von CDU/CSU sind hierbei noch eindeutiger als die der SPD. Nachdem er eine Flasche Febreze weggestellt hat, bringt es der drogenpolitische Sprecher der Unionsparteien Walter Baumgartner auf den Punkt: “Drogen sind schädlich. Sie sind Schadstoffe für den Körper. Drogenpolitik ist also politische Schadstoffentsorgung,” erklärte Baumgartner. Er blinzelte aus seinen geröteten Augen und führte weiter aus: “Das steckt bereits im Wort: “Entsorgung”. Die Sorgen verschwinden, dadurch auch der Schaden. Schadstoffentsorgung ist also doppelt gut. Für alle.” Er dachte einen Moment nach und fügte dann hinzu: “Und jeden.”

Bei der derzeitigen Ablehnung des Drogenkonsums jeder Art durch die Koalitionsparteien geben Kennern der politischen Szene in Berlin dem Vorstoß der 122 Strafrechtler deswegen wenig Aussicht auf Erfolg.

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