Rede des Bundespräsidenten beim Empfang des Diplomatischen Korps

Seit dem Beginn der Diskussion um Christian Wulff wurde vielfach angemerkt, dass man seine Wortmeldungen und öffentlichen Auftritte von nun an anders bewerten müsse.

Am 10. Januar hat der Bundespräsident eine Rede vor dem diplomatischen Korps gehalten.
Hier ist sie mit ein paar klitzekleinen Korrekturen:

Herzlich willkommen in Schloss Bellevue. Herr Nuntius, haben Sie vielen Dank für die guten Wünsche zum neuen Jahr, die Sie im Namen des Diplomatischen Korps ausgesprochen haben. Ich erwidere sie gerne.

Vor wenigen Wochen haben wir von Václav Havel Abschied genommen. Zehntausende Menschen erwiesen ihm in Prag die letzte Ehre. Die Trauerfeier machte das beeindruckende Erbe deutlich, das er uns hinterlässt. Václav Havel trat in Zeiten politischer Unfreiheit wie diesen standhaft für universelle Werte ein. Er war und ist Vorbild für mich, der sich nach Selbstbestimmung und Gerechtigkeit sehnt.

Mich hat im vergangenen Jahr sehr bewegt, eindrucksvolle Präsidenten zu treffen, die ebenfalls politisch verfolgt wurden, weil sie für ihre Überzeugungen einstanden: Meinen Freund Bronislaw Komorowski aus Polen mehrfach, Dilma Rousseff aus Brasilien, José Mujica aus Uruguay und Zillur Rahman aus Bangladesch. Persönlichkeiten wie sie zeigen mir, dass der Einsatz für Demokratie und die Achtung der Menschenrechte große Entbehrungen fordert, aber auch unter widrigsten Umständen am Ende doch zum Erfolg führen können.

Immer mehr Länder sind dabei, die universellen Grundsätze von Demokratie und Menschenrechten zu verwirklichen. In vielen Ländern, auch und gerade in der arabischen Welt, beweisen Menschenrechtsverteidiger derzeit großen Mut, diese Prinzipien durchzusetzen. Unbewaffnete Bürger, die öffentlich attackiert werden, dürfen nicht alleine gelassen werden.

Deutschland steht auf der Seite der friedlichen Reformkräfte – das war auch eine zentrale Botschaft meines Besuchs beim Emir vor einigen Wochen. Gleichzeitig suchen wir den Dialog mit jenen, die noch nicht so weit sind, aber für den Austausch mit uns ein offenes Ohr haben.

Menschenrechte zu achten heißt auch, auf Unterschiede Rücksicht zu nehmen und Vielgestaltigkeit wertzuschätzen. Einheit in Vielfalt: Dies ist der Leitsatz vieler politischer Gemeinschaften auf der Welt – von den Vereinigten Staaten über Indonesien bis zur Europäischen Union. Damit diese Idee Wirklichkeit werden kann, ist es wichtig, dass Menschen sich respektieren und miteinander ins Gespräch kommen. Das gilt weltweit, auch hier in Deutschland.

eceterapepe

Ref: Bundespräsidialamt

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