Der „Nord-Süd-Dialog“ im literaturhistorischen Vergleich

Zum Ernst der Lage eine Literaturanalyse von Dr. Eichhorn:

Eine rein literarische Kollation zwischen dem „West-östlichen Divan“ von Johann Wolfgang von Goethe und dem „Nord-Süd-Dialog“ von Christian Wulff ist alleine schon wegen Herkunft und Werdegang der Verfasser angebracht. Ihre Berufung zu hohen und höchsten Ämtern des Staates begründet ihre Relevanz für den sozio-politischen Diskurs. Dennoch soll hier ein eingehende Analyse vorgenommen werden, um die Werthaltigkeit der Debattenbeiträge zur ästhetischen Entwicklung unserer Gesellschaft zu eruieren.

Schon in den ersten Zeilen Goethes…

Zwanzig Jahre ließ ich gehn
Und genoß, was mir beschieden;
Eine Reihe völlig schön
Wie die Zeit der Barmekiden.

zeigt sich deutlich das Spannungsverhältnis, nicht nur auf der sprachlichen Ebene, sondern auch auf der inhaltlichen. So faßt die „Neue Presse“, die „kompetente City-Zeitung“ aus Hannover, die ersten Zeilen von Christian Wulffs Werk mit folgenden Worten zusammen:

VIP-Treffen der Superlative am Hannover-Airport: 1000 Prominente sind am Freitagabend beim „Nord-Süd-Dialog“ sicher am Flughafen in Langenhagen gelandet und feiern eine furiose Party.

Hierbei trifft das die Referenz auf die persische Adelsfamilie der Barmakiden (8. Jahrhundert) auf ausgesprochen ungenau definierte „Prominente“. So zeigt sich Goethes Auge für historische Detailgenauigkeit, während Wulff es an Abgrenzung und sprachlicher Akkuratesse vermissen läßt.

Auch im weiteren Verlauf des „Nord-Süd-Dialogs“ werden die literarischen Defizite offensichtlich. So tritt darin der Chef des Airport Hannover in einer Pressemitteilung mit den Worten auf:

„Wir haben uns in den vergangenen Jahren zu einem Top-Ausflugsziel in der Region entwickelt.  Die Welt der Luftfahrt, gastronomische Vielfalt, Shoppingmöglichkeiten und das Flair der großen weiten Welt machen uns für Veranstaltungen so attraktiv. Dieses Geschäftsfeld möchten wir auch in Zukunft ausbauen. Der Nord-Süd-Dialog ist jetzt das Highlight dieser positiven Entwicklung.“

Derweil liest sich Goethes Gedicht „Höheres und Höchstes“ wie ein ironischer Kommentar auf diese sprachlich unsaubere, zwischen dem Deutschen und Englischen changierenden Diktion:

Doch man horcht nun Dialekten,
Wie sich Mensch und Engel kosen,
Der Grammatik, der versteckten,
Deklinierend Mohn und Rosen.

Die Kritik Goethes an Wulff ist hierin überdeutlich zu spüren. Die Verärgerung Goethes über Wulffs Imitationsversuche ist natürlich rein menschlich nachvollziehbar, liegt das Publikationsdatum des „West-östlichen Divans“ doch bereits rund 200 Jahre in der Vergangenheit. Dementsprechend müssen die Worte des unsterblichen Goethe zum Abschluss seines wegweisenden Oeuvres den Nachwuchsautoren Christian Wulff besonders hart treffen:

Ja, das Hündlein gar, das treue,
Darf die Herren hinbegleiten.

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