Turbogiraffe Episode 256 – Überwachung in der Subspatialen Falte

Nachdem ich der Nottransport mich gerade rechtzeitig aus dem beginnenden Wahlmassaker auf Zeta Z3 translokiert hatte (alle politischen Entscheidungen auf Zeta Z3 werden durch Massaker entschieden), fand ich mich in der Subspatialen Falte 34-882 wieder, die ich leider schon früher kennengelernt hatte. Trotz meines Flehens war ZEV 40-14 nicht bereit mich sofort wieder hinauszuholen. Sie bestanden auf der Einhaltung der lokal verordneten Mindestaufenthaltsdauer von 45 Plex.

Natürlich war dies nur der berüchtigten Bürokratie der Subspatialen Falte zuzuschreiben, die selbst ZEV 40-14 Angst und Schrecken einzujagen schien.

Also kämpfte ich mich zur Zentralregistratur durch, die allerdings zu meiner Überraschung geschlossen war. Ein erstaunlich auskunftsfreudiger Raumrochen wies mich darauf hin, dass die Subspatiale Falte inzwischen von Sicherheitsbeamten regiert wurde.

Schließlich fand ich die beeindruckende Raumstation der Sicherheitsbehörden, wo ich endlich meine Aufenthalts- und Durchreisegenehmigung einholen konnte. Sie kreiste mit unzähligen Parabolantennen ausgestattet um einen rot-braunen Gasplaneten. Zu meiner Überraschung war sie allerdings mit Einschusslöchern und Anzeichen von Explosionen übersät. Im Amflug schwebten einige Raumminen an mir vorbei, die hoffentlich entschärft worden waren.

Es schien wohl einiges los zu sein. Viele Raumschiffe parkten vor der Station, auch diese zeigten deutlichen Kampfspuren in Form von Kryo-Raketen-Einschlägen.

Aufgrund des wohl doch sehr umkämpften Gebietes überraschte es mich nicht, dass im Inneren der Stations ein hektisches Treiben herrschte. Unzählige Beamte schienen mit Notfällen beschäftigt zu sein. Überall wurde nach „Aufsicht“, „Monitoring“, „Kontrolle“ und „Überwachung“ gerufen.

Leise nahm ich mir an einem Ständer das Formular für Transitreisende und begann es auszufüllen, während ich in einer langen Schlange stand.

Es dauerte einige Zeit bis ich schließlich an den Tisch eines Oberkommissariatsleitersubinspektorassistenten trat.

Er sah mich ohne Begrüßung mißtrauisch an, dann warf er einen Blick auf mein Formular und dann sah er mich wieder scharf an. „Wer hat ihnen gesagt, wo wir zu finden sind?“

„Ähm, ich hatte bei der alten Zentralregistratur einen freundlichen Raumrochen getroffen, der…“

„Sofort überwachen!“ schrie der Oberkommissariatsleitersubinspektorassistent laut zu einem Kollegen, der unverzüglich aufsprang und hektisch aus dem Raum herausrannte.

Allmählich war ich vollkommen verwirrt. „Aber warum denn? Der hat doch garnichts gemacht…“

In diesem Moment krachte eine Kryo-Rakete in den Flugparkplatz vor der Luftschleuse. Die hellblaue, aber vollkommen lautlose Explosion im Vakuum vor den Bullaugen, die ich im Augenwinkel wahrnahm, lenkte mich kurz ab, weswegen ich nicht die gesamte Antwort des Oberkommissariatsleitersubinspektorassistenten mitbekam.

„…außerdem liegt bei einem begründeten Nicht-Verdacht eine viel höhere Wahrscheinlichkeit für bisherige Verschleierung vor,“ führte er gerade zu Ende.

Währenddessen stürmte ein tentakelbewehrter Olleyaner zum Fenster und begann im Infraschallbereich zu schreien, während ihm Gelatinetränen aus seinen 24 Augen rannen: Vor dem Fenster trudelten die von der Explosion übriggebliebenen Trümmer seines Raumschiffes vorbei.

„Und… Und das da?“ Ich wies zum Fenster und dem Olleyaner, der sich kaum auf seinen Tentakeln halten konnte.

Der Oberkommissariatsleitersubinspektorassistent sah kurz an mir vorbei, dann wieder auf das Formular. „Das ist doch offensichtlich ein Verbrechen. Das kann doch jeder sehen. Das brauch man doch nicht zu überwachen.“

Ich blinzelte ihn unruhig an und versuchte mich an die 54. Regel des Dimensionalreisenden zu erinnern: „Erwarte niemals, dass Dein Gegenüber dieselben Gehirnwindungen hat wie Du. Falls es denn überhaupt Gehirnwindungen hat.“ Dennoch konnte ich es mir nicht verkneifen, laut: „Dann können sie ja genauso gut mich überwachen,“ zu rufen.

Der Oberkommissariatsleitersubinspektorassistent sah wieder nur kurz auf, schüttelte leicht den Knopf, seufzte leise und senkte wieder seinen Blick.

Ich schluckte nur.

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