Die grüne Tetrarchie

Ein erklärender Gastbeitrag von Dr. Eichhorn:

Die römische Tetrarchie war ein von Kaiser Diokletian im Jahr 293 eingeführtes Herrschaftssystem, um das kollabierende römische Reich zu re-organisieren, zu integrieren und durch Delokalisation eine vielköpfige Zentralmacht zu etablieren. Die Expansion des Reiches machte die persönliche Anwesenheit des Kaiser an den verschiedensten Fronten gleichzeitig obligat. Nicht nur um externe Feinde zu befrieden, sondern auch um ambitionierte Feldherren zurückzuhalten, die in den vorhergehenden Dekaden die unangenehme Angewohnheit hatten sich zu sogenannten Soldatenkaisern zu ernennen.

Nach der Inthronisation seines Mit-Kaisers Maximian und der Nebenkaiser Galerius und Constantius konnten sich so die Kaiser den verschiedenen Fronten im Imperium romanum widmen.

Diese Strategie re-initialisiert nun die Partei Bündnis 90/Die Grünen. Kaiser und Mitkaiser sind Claudia Roth, Jürgen Trittin, Renate Künast und Cem Özdemir. Jeder von ihnen soll sich einer Front, einer Stimmungslage und einem Themenfeld der, da leider mit keiner Repetition Fukushimas in Sicht ist, degenerierenden Zustimmung innerhalb der Vox populi widmen, um anschließend gemeinsam die Bundestagswahlen 2013 zu gewinnen.

„Getrennt marschieren, vereint siegen“ mag dem Aussenstehenden als das Motto der Beteiligten erscheinen, weswegen sie in der Öffentlichkeit anscheinend konfligieren. Dies ist allerdings ein rein taktisches Manöver, um so alle Argumente und ihre relevanten Gegenargumente gleichzeitig besetzen können, so etwa in Bezug zu einer gleichzeitigen Koalitionsfestlegung auf Rot-Grün und Schwarz-Grün.

Die römische Tetrarchie war übrigens so erfolgreich, dass sie direkt nach dem Tod von Diokletian wieder zusammenbrach und in die Herrschaft von Kaiser Constantin mündete, der im Römischen Reich das Christentum einführte.

Es bleibt abzusehen, wie Bündnis 90/Die Grünen zu einer zukünftigen Akquisition der Partei durch die CDU stehen wird.

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