Fußballpaläontolgie

Mit der Gründung des Dachverbandes für Fußballpaläontologie im Jahre 2371 macht die professionelle Fußballforschung einen entscheidenden Schritt oder ein „Tohor“, wie es die Fußballpaläontologen selber ausdrückten. Vor allem der bis dahin andauernde Streit um die korrekte Interpretation der als „Pfalzfossilien“ bekannten Überreste vom Rande des ehemaligen Pfälzer Waldes (dort wo sich heute die Überreste des Spatiodroms aus dem 22. Jahrhundert befinden) waren bis zu diesem Zeitpunkt ein Hindernis gewesen.

So kam es auch auf dem Gründungstreffen der Fußballpaläontologen wieder zum Streit zwischen den Anhängern der Sodomie-Theorie, die sich auf ihre Funde im Bereich der Kölner Bucht stützten und den Anhängern der „Pfalzfossilien“, die auf eher zu einer satanistischen Interpretation des Fußballs tendierten. Einig hingegen war man sich allerdings über die grundsätzlichen Rituale des Fußballs und der Bedeutung dieses Sonnenkultes für Europa. So herrschte etwa auch Konsens über den merkwürdigen Namen des Fußballs, der auf eine Zusammenfassung von „von Füßen [der Priester] getragener Ball“ zurückging.

Der Hochverehrte Scholar An-Ti Kamander fasste die damaligen Erkenntnisse in seiner Rede folgendermaßen zusammen: „Die von den Wintermonaten ausgezehrten Ur-Europäer feierten den Abschied vom Winter mit einer im 7-Tage-Rhythmus stattfindenden Zeremonie. In dieser trugen 22 Hohepriester aus zwei Stammesverbänder ein heiliges Sonnensymbol, den sogenannten Fußball, durch eine Arena und huldigten ihm gemeinsam mit dem Gläubigen, indem sie ihn auf einen von zwei parallel zueinander aufgestellten, von dem japanischen Torii-inspirierten Altären transportierten. Währenddessen stimmten die Gläubigen Hymnen an und steigerten sich mittels Rauschmittel in einen Zustand der Ekstase. Am darauffolgenden 7. Tag reisten die Priester an einen anderen Ort, um die Zeremonie mit einem anderen Stammesverband zu wiederholen. Der Höhepunkt der Feiern wurde schließlich zum Zeitpunkt der Sonnenwende erreicht, an dem eine goldene Trophäe gen Himmel gehoben wurde. Darauf folgte eine heilige Fastenzeit.“

„Dies diente nicht nur dem Kult an sich, sondern auch der Verhinderung von Feindseligkeiten zwischen den Stammesverbänden. Es gibt allerdings Hinweise, dass diese dennoch immer wieder aufflammten.“ Mit der klassischen Grußformel der Fußballpaläonotologen „Wir sind Champolé!“ beendete er seine Rede.

Diese Zusammenfassung sollte viele Jahre lang schließlich als Grundlage für die Interpretation der Funde der Fußballpaläontologie dienen. Hiervon wichen allerdings die Neo-Fußballer ab, die den Fußball-Kult als künstlerisch-ästhetische und vor allem synästhetische Veranstaltung interpretierten. So entwickelten die Neo-Fußballer ihren eigenes Reenactments des Fußballs, die gemeinsames Singen und Ausdruckstanz, sowie Ringen beinhaltete.

Dies führte schließlich zu einem Streit innerhalb der Fußballpaläontologen und der anschließenden Spaltung des Verbandes, weswegen sich die Spuren dieser ehemals einflußreichen Wissenschaft im frühen 25-Jahrhundert verlieren.

Dennoch sind auch heute, zu Beginn des 26. Jahrhunderts, immer noch einige Details der Fußballpaläontologie und ihrer Forschung im alltäglichen Leben zu finden: So geht etwa das Verbot einen Ball mit den Füßen zu treten auf die Verehrung dieses Sonnensymbols zurück; die Aufstellung von Tor-artigen Altären in allen europäischen Kulten; ebenso wie die alltägliche Grußformeln „Champolé“ zum Abschied und das freudige Sich-auf-den-Boden-Werfen mit der anschließenden Umarmung des Knies bei besonderen Anlässen.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Alltag abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s