Zustand der Überwachung

Als heutiger Gastbeitrag ein Essay von Dr. Eichhorn:

Derzeitige Debatten, geführt sowohl in-, als auch außerhalb der neuen Medien, aber besonders darauf fokussiert, weil sie als technische Plattform, wie auch als mutmaßliche Täterfläche, also als Transportmedium, wie auch als Aktionsmedium dienen, lassen immer wieder eine Ausdehnung von Überwachungsmaßnahmen als Argument zu, die mit unterschiedlichen Begründungen erhoben wird, weil man derzeit noch unausgeschöpftes technisches Potential sieht.

Die Glaube an die Effektivität der Überwachung ist eine positivistische Projektion auf die Fähigkeiten primo des Überwacher, der seiner sensorischen Aufnahmefähigkeit und seiner Deduktionsfähigkeiten; secundo des Ingenieurs, eine deistische Machbarkeitsfantasie der Technologie, die sich in Algorithmen niederschlägt. Zugegeben sind die Errungenschaften des digitalen Zeitalters, die sich aus der ständigen Erweiterung unserer Theoreme und Maxime im Angesicht des Moore’schen Gesetzes und seiner programmatischen Umsetzung in Software, deren Komplexität inzwischen eigene logistische Strukturen verlangt und dennoch im Angesicht eines Buffer Overflow ihre eigene Defektivität erkennen müßte, ein Bruch mit der linearen Evolution des Analogen.

Dennoch mag man, in der intensiven Diskussion mit der ausführenden Seite der Stake-Holder in der Überwachungsdebatte, deren Einsicht in die Fehlerhaftigkeit, beziehungsweise Fehleranfälligkeit, beziehungsweise defizitären Evaluation, beziehungsweise defizitäre Analyse der der Überwachung dienenden zugrundeliegenden Technologie und ihrer Konzepte erhalten, die allerdings implizieren, dass es ein humanes Korrektiv gibt, ergo die Automatisierung relativiert werden muß. Der Mensch wird damit zum Widerstand oder vielmehr zum Kondensator in einem elektronischen System.

Die somit dem Design zugrundeliegende Philosophie geht also von einem Spannungsverhältnis zwischen Mensch und Maschine aus, das sich auch in der juristischen Dimension, in der konkreten Auseinandersetzung des singulären Falles eines durch Überwachung gestellten mutmaßlichen Täters, niederschlägt. Potentielle, inhärente Fehleranfälligkeit ist ein obligatorisches Element der juristischen Auseinandersetzung, ein Argument sowohl für Strafverfolgung, wie auch für Strafverteidigung, womit die juristische Debatte keinesfalls einfacher wird, sondern sich nur von der in der Zeugenaussage inhärenten psychologischen Komponente auf die elektronische Komponenten verschiebt.

Nur wen Überwachung und Strafverfolgung also als ein komplexes Ganzes, als ein Konstrukt elektronischer, psychologischer und analytischer Methoden verstanden wird, die in einem Moment der Prävention, beziehungsweise der juristischen Debatte kulminieren, wird deutlich, dass der Mensch nicht Bestandteil des Systems, sondern vielmehr das System Bestandteil des Menschen sein muß, um zu verhindern, dass die Fehlerhaftigkeit auf technischer Seite ausgeschlossen wird und wiederum auf der humanen Seite platziert wird, wo sie der Mensch – geschult durch den psycho-sozialen Lernprozess der Heranwachsens in der Gesellschaft – intuitiv verortet.

Aus diesem Dilemma gibt es zwei mögliche Auswege: Einerseits den Menschen – und damit ist in diesem Falle das Individuum an sich gmeint – entsprechend elektronisch auszustatten und somit zu überwachen; oder aber der Technik das Analogon eines psycho-sozialen Lernprozesses angedeihen zu lassen. Ergo: Das Produkt der Überwachung ist zwangsläufig der Androide, entweder in der hybriden Mensch-Maschine- oder aber in der AI-Variante, und unsere Gesellschaft sollte sich darauf einstellen diesen zu integrieren, um eine Diskriminierung zu vermeiden.

Summa summarum: Die derzeit optimale Strategie der Überwachung, unter Einbezug der derzeitigen juristischen Debatte und der sich andeuteden technischen Entwicklung, ist die offensive Auseinandersetzung mit den Wurzeln der Diskrimierung, um ein gleichberechtigtes Zusammenleben von Mensch und Maschine zu ermöglichen. In diesem Sinne steht immer noch eine längst überfällige rechtliche Anerkennung der Maschine aus.

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