Gonna party like it’s 1999!

Am Rande der Feierlichkeiten der Bürgerinitiativen zu dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes, dass dem Land Hessen und dem Flughafenbetreiber Fraport ein Nachtflugprogramm verbietet, fand sich auch Konrad Eichstätt. Der langjährige Umweltschützer, ein Veteran der Startbahn West-Auseinandersetzungen, konnte sich nicht so recht über das Urteil freuen. „Der Flugverkehr wächst jedes Jahr um 5%. Wissen Sie wieviel CO2 das ist?“ fragte er grimmig. „Und die da freuen sich über 17 Flüge…,“ fügte er grimmig hinzu und biss in einen selbstangebauten Bio-Apfel.

„Das Schlimme ist ja, dass die, also die Flieger, jetzt nicht einfach weg sind. Die gehen jetzt nach Berlin, da dürfen über 100 starten und landen.“

„Aber geht es nicht um den Fluglärm?“

„Ja, natürlich geht es denen um den Fluglärm!“ Er wies aus die feiernden Demonstranten. „Denen ja. Wenn Du ein nicht-isoliertes Häuschen baust und in Ruhe Dein Flugobst essen möchtest, klar, störst Du Dich dann am Fluglärm.“ Eichstätt kratzte sich etwas an seinem langen Bart, während im Hintergrund die Feiernden begeistert „Gonna party like it’s 1999“ zu Prince mitsangen.

„Weißt Du…“ Eichstätt drückte mir seinen schwieligen Finger auf die Brust. „Weißt Du, das Schlimme ist ja garnicht, dass die da…“ Er wies wieder zu den Feiernden. „Das diese Wutbürger da, die plötzlich während der Wirtschaftskrise ihren Mumm entdeckt haben, mit uns in einem Topf geschmissen werden.“

„Ist schon schlimm, wenn Du plötzlich feststellst, dass Du nicht mehr zu der Gruppe gehören willst, zu der Du jahrelang gehört hast, weil da plötzlich so Leute reinkommen…“ Er schüttelte den Kopf. „Haben jahrelang es sich gemütlich gemacht und jetzt auf einmal, wo sie ihren Besitzstand in Gefahr sehen, schreien sie, dass sie empört sind. Oder was weiß ich.“

Er zog ein großes kariertes Stofftaschentuch aus der Hosentasche und schneuzte sich heftig. Es war kühl und windig an diesem Tag in Frankfurt. Langsam faltete Eichstätt wieder sein Taschentuch zusammen und packte es wieder weg, dann strich er seinen langen Bart glatt.

„Ne, ne, die sollen mal schön bleiben, wo sie sind,“ sagte er etwas leiser. „Wir brauchen die nicht.“ Dann verstummte er.

Plötzlich drehte er sich um, ließ seine große, schwere Hand auf meiner Schulter fallen, sah mich an und ging dann wortlos davon. Währenddessen sangen die feiernden Demonstranten begeistert zu Abbas „Waterloo“ mit und schwenkten ihre Schilder mit Aufschriften wie „Heimatzerstörer“ und „Der Himmel gehört uns“.

 

Ref: Die FAZ zu dem gerichtlich verordneten Nachtflugverbot

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