Günter Grass‘ neues Werk im wissenschaftlichen Diskurs

Frage: Ein Gedicht des deutschen Literaturnobelpreisträgers Günter Grass sorgt zur Zeit für einige Aufregung, da er in diesem einen ausgesprochen kontroversen Standpunkt im Themenfeld Israel und dem Atomkonflikt mit dem Iran einnimmt. Um etwas Licht in die Debatte zu bringen, möchten wir ein kurzes Gespräch mit dem Literaturhistoriker, Soziologen, Philologen, Mathematiker, Physiker, Wirtschaftswissenschafter, Kybernetiker und Ergonomen Dr. Eichhorn führen. Dr. Eichhorn, vielen Dank, dass wir Sie bei ihrer Forschung über die Quantelung des Gravitationsfeldes unterbrechen durften. Vielleicht zu Beginn die Frage, ob sie von den Reaktionen auf Günter Grass‘ Gedicht in der Süddeutschen Zeitung überrascht worden sind?

Dr. Eichhorn: Nur die Natur der renormierbaren Theorien, dass man ihre Unendlichkeiten in eine endliche Zahl von experimentell zu bestimmenden Parametern subsummieren kann, ermöglicht uns experimentelle Eruierungen.

Frage: Ah ja, das ist… interessant. Aber was meinen Sie dann, dass wir Günter Grass, also sein Werk kritisch betrachten sollten?

Dr. Eichhorn: Die Dekohärenz, basierend auf dem Superpositionsprinzip der Quantentheorie, ist auch im lyrischen Werk eines Autoren vorhanden. Als ob Schrödingers Katze zu einem untoten Leben erwacht, den Sinn und die Dualität, beziehungsweise die möglichen Zustände in sich vereint. Kritik und Aussagen sind deswegen zwangsläufig inhärent mehrgestaltig.

Frage: Öhm… Kann man denn dann zu einer Aussage…

Dr. Eichhorn: Nein.

Frage: Aber wenn wir…?

Dr. Eichhorn: Nein.

Frage: (verwirrt) Aber unter diesen Bedingungen, also wenn man… Also Grass hat…

Dr. Eichhorn: Genau.

Frage: Aber… Also… Aber jetzt rein zeitbezogen…

Dr. Eichhorn: Ein gutes Stichwort! Gemäß der Einstein’schen Relativitätstheorie, um genau zu sein der allgemeinen Relativitätstheorie, also der von Einstein 1916, das heißt mitten im Ersten Weltkrieg – das ist wichtig! – fertiggestellten, erfordert die Gravitations die Raumzeit als ein dynamisches Objekt, die Verknüpfung ihrer Elemente, Raum und Zeit. Eine Grundlage, die sich wiederum im Widerspruch mit der Quantentheorie befindet, die von einer absoluten Zeit ausgeht. Sie sehen also wo das Problem liegt.

Frage: Äh, nein…

Dr. Eichhorn: Ich bin erstaunt darüber, dass sie qualifiziert sein sollen diese Interview mit mir zu führen.

Frage: Äh, ja, ich bin selber erstaunt, dass wir… Aber um auf Grass zurückzukehren.

Dr. Eichhorn: Welchen?

(Schweigen)

Frage: Also ich dachte, wegen seinem Gedicht…

Dr. Eichhorn: Lyrik ist grundsätzlich – zumindest im westlichen Kulturkreis, deren Annahme ich hier zugrundlegen muß – singulär. Im physikalischen Sinne.

Frage: Und das bedeutet?

Dr. Eichhorn: (stöhnt) Ich dachte wir wollten über Grass diskutieren.

Frage: Das dachte ich auch.

Dr. Eichhorn: Wieso tun wir es dann nicht?

Frage: Vielleicht abschließend ihre… äh, Einschätzung der, der… also, der ganzen Sache da?

Dr. Eichhorn: Israel, in seinem sozio-politischen Bestreben, vor dem Hintergrund der im späten 19. Jahrhundert ausgebildeten zionistischen Idee und der Shoah, inklusive der gegebenen und potentieller äußerer Gefahren einerseits und Günter Grass andererseits, als polare Einheiten innerhalb eines geschlossenen Systems zu betrachten, dessen Eigenschaften physikalisch definiert werden könnten, unter der Annahme, dass sich im Raum des Diskurses zwischen Lyrik und prosaischer Aussage, beide unter der Vorraussetzung politischer Relevanz, eine Vergleichbarkeit existiert – die wir in diesem Moment nur hypothetisch annehmen können – sind geradezu ein Musterbeispiel für die Zwangsläufigkeit der Dialektik, deren entropische Qualität eine Erosion der Argumente nahelegen, halte ich im Angesicht des menschlichen Geworfenseins in eine Welt quantenmechanischer Unsicherheit, für die Erkenntnis der Defizitivität, sowohl von Literaturanalyse, wie auch politischer Debatte.

Frage: Dr. Eichhorn, ich… wir… Danke!

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