Sarkosix, le gaulois

Wir schreiben das Jahr 2012. Ganz Gallien ist von Sozialisten besetzt.
Ganz Gallien? Nein, ein von unbeugsamen Gaullisten bewohntes kleines Dorf, widersetzt sich den Eindringlingen, obwohl es von sozialistischen Lagern umzingelt ist.

Der erste Mann des Dorfes, Häuptling Sarkosix, ist trübselig. Seine größten Unterstützer, der bekannte Menhirlieferant des Dorfes und dessen bester Freund, waren – nach diversen politischen Zwistigkeiten schon seit langem nicht mehr zugegen und selbst Sarkosix‘ Frau, die liebreizende Laetine, stellte ihn bei öffentlichen Auftritten immer wieder in den Schatten (davon abgesehen, dass sie deutlich größer war als er). Gerade erst hatte sich die liebreizende Laetine wieder mit seinem Schild und von seinen Trägern in die Stadt tragen lassen, was Sarkosix nur noch weiter betrübte.

Unruhig lief er in seinem Haus auf und ab und murmelte vor sich hin: „Niemals werden wir uns Hollandius beugen! Niemals…“
Die Unruhe war sein ständiger Begleiter. Nie war er in der Lage etwas zu beenden, was er begonnen hatte und nun da die Sozialisten vor den Toren des Dorfes standen, konnte er kaum ruhighalten. Selbst seine gotische Freundin Angelik konnte es kaum noch mit ihm aushalten.

Nach stundenlangem Im-Kreis-Laufen in seinem Häuptlingshaus hielt es Sarkosix nicht mehr aus. Er war sich seine Robe über und stürmte aus dem Gebäude. Vorbei an der Fischhandlung seines Vasallen Fillonix und an dem Schmied Juppix, der gerade dabei war den Barden Villepix zu verprügeln (eine liebgewonnene Tradition des Dorfes), hin zum Gebäude des Dorfdruiden.

Sarkosix stürmte in das Haus. „Miraculix, Miraculix?“ Er versuchte in der Dunkelheit der Druidenunterkunft etwas zu sehen. Über ihm hingen im Zwielicht unzählige merkwürdige Zutaten für den großen Kupferkessel herab, der auf einem schwachen Feuer stand. In seinem Inneren brodelte eine dunkle Brühe, die träge Blasen warf. „Miraculix?“ rief Sarkosix erneut. „Ich benötige Zaubertrank, um die Sozialisten zu besiegen…“ Doch er bekam keine Antwort.

Rastlos wie er war, trat Sarkosix an den Kupferkessel heran und sah in ihn hinein. Die brodelnde Brühe sah merkwürdig aus. Ein ölig-fauliger Geruch erhob sich daraus. Sarkosix rümpfte seine Nase, dennoch verspürte er den Drang etwas davon zu kosten, vielleicht war dies der Zaubertrank, den er benötigte… Er beugte sich etwas tiefer hinab.

Ein leises Lachen ließ ihn herumfahren und Sarkosix erschrak, als er hinter sich die Gestalt einer Frau erkannte. Wildblumen waren in ihr Haar gewoben, sie trug die Kleidung eines Druiden und doch schien sie merkwürdig schief an ihrem Körper zu hängen, während sie leise lachte.

„Wer bist Du?“ entfuhr es Sarkosix. „Wo ist Miraculix?“

Die Frau grinste breit und zeigte dabei ihre scharfen Zähne. „Miraculix kann Dir leider nicht helfen. Er ist nämlich nicht mehr hier… Und ich… Ich bin momentan noch Aushilfsdruidin. Noch…,“ sie ließ das Wort auf ihrer Zunge zergehen. „Mein Name ist LePenine.

„LePenine,“ sagte Sarkosix. Der Name erinnerte ihn an etwas, doch er konnte sich nicht erinnern. „LePenine,“ fügte er hastig an. „Unser Dorf ist von Sozialisten umzingelt. Ich benötige Zaubertrank.“

Etwas blitzte in LePenines Augen auf, während sie an den Kupferkessel herantrat. Aus ihrem Umhang zog sie etwas hervor und ließ es in den brodelnden Kessel fallen, griff dann nach dem großen Holzlöffel und begann umzurühren. „Aber natürlich, mein Häuptling,“ sagte sie leise. „Ich habe den Zaubertrank gleich hier.“

Für einen Moment sah Sarkosix geradezu hypnotisiert zu. Dann schüttelte er seinen Kopf. „Was hast Du denn da gerade hineingetan.“

„Ein Quäntchen Homophobie,“ antwortete sie beim Rühren.

„Keine Misteln?“

„Keine Misteln!“ antwortete die Druidin und sah Sarkosix mit einem Lächeln an.

„Es riecht aber merkwürdig. So ganz anders,“ warf der Häuptling ein.

„Oh, ich habe den Trank nach einem alten, ganz alten Rezept gebraut. Er ist nun besonders stark. Nur ein bißchen Islamophobie, eine Prise Xenophobie, etwas Rassismus…“

Sarkosix zögerte. Sein Wunsch die Sozialisten endgültig von den Toren des Dorfes zu vertreiben war so stark wie eh und je, aber diese Druidin gefiel ihm nicht. „Wie stark ist der Trank?“

„Wie sehr möchtest Du die Sozialisten besiegen?“ frage sie zurück.

Sarkosix verzog seinen Mund. Dann wandte er sich um und ging im Zwielicht auf und ab, während LePenine ihm dabei zusah und weiter in ihrem Trank rührte.

„Nun gut!“ sagte er schließlich und trat wieder an den Kessel heran.

„Sehr schön! Beug Dich einfach über den Kessel!“ sagte sie und sah ihm dabei zu, wie er zögerlich sich über den Rand des Kessels beugte. „So ist es gut.“ Sie begann wieder zu lächeln, während sie ihm zusah.

Sarkosix geriet etwas ins Wanken. Der teer-artige Trank war nur auf dem Grunde des großen Kupferkessels und um ihn zu erreichen, mußte er noch tiefer hinab.

„Noch ein kleines Stückchen,“ sagte sie, während sie sich hinter ihn stellte. „Noch ein bißchen weiter.“ Sie rieb sich ihre Hände, krempelte ihre Ärmel hoch, während vor ihr Sarkosix darum kämpfte nicht in den Trank zu fallen. Ihre Augen funkelten, während sie sich hinter ihn stellte.

„Noch ein kleines Stück…“

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