Ein Spiel der Schmerzen

Zur Diskussion über die anstehende Fußball-EM in der Ukraine ein Gastbeitrag von Jaulund:

Alle Fußballfans, wir alle, sind Verbrecher! Unser Geld wird dazu verwendet weltweite Beamte und Funktionsträger zu bestechen oder sich von Ihnen bestechen zu lassen. So schmerzhaft dies auch war, daran sind wir ja fast schon gewohnt gewesen. Aber nun sind wir auch noch Gegner der Demokratie, Folterer! Wegen uns sitzt Julia Timoschenko im Gefängnis (glaube ich) und wegen uns wird sie geschlagen und mißhandelt. Es ist nicht nur so, dass unserer Fußballnationalelf zu ihr reisen und mit jedem Tritt gegen den Ball einen Tritt gegen Julia Timoschenko führen wird. Nein, jeder Fußballfan wird quasi sich vor sie stellen und sie treten. Immer und immer wieder.

Welche Schmach müssen Fußballfans noch ertragen? Ja, auch das die Spielergebnisse vorher feststehen und Spieler für Millionen transferiert werden wie Kühe auf einem Viehmarkt und die Sicherheitskontrollen, wo sie uns regelmäßig zwischen die Beine greifen. All das haben wir ertragen.

Aber nun? Was bleibt uns noch? Unsere Selbstachtung? Stattdessen rinnt uns eine Träne über das Gesicht bei jedem Tor. Vor unseren Augen läuft im Stadion ständig das Bild gefolterter Menschen ab. Wir sehen den Fußball schon garnicht mehr. Er hat sich schon längst in einen blutigen Klumpen verwandelt und unsere Spieler suhlen sich nicht mehr im Grün von Geld, sondern im Rot des Blutes.

Die Frage ist also nicht, ob die EM in der Ukraine stattfinden soll oder nicht. Sondern ob wir die EM ertragen können!
Wir Fußballfans sind – im Gegensatz zu unserem Ruf – sensible Menschen. Mehr als andere Menschen sind wir dazu bereit mitzuleiden, einfach weil wir zusehen müssen wie unsere Vereine wirtschaften müssen und wie sie spielen. Gerade deswegen geht uns dieser Fall so nahe.

Wie sollen wir also diese EM durchstehen? Nur Hektoliter-weise Bier könnten uns noch genügend betäuben. Aber wer ukrainisches Bier kennt, der weiß wie schwer es für uns sein wird diesen Zustand dort zu erreichen.

Das einzige was uns noch retten wird ist unsere Solidarität. Wir müssen zusammenhalten in diesen Momenten der Schmerzen, wie wir bereits so oft zusammen gehalten haben. Wir haben niemand anderen außer uns.

Für den Fußball, Freunde, für den Fußball!

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Alltag, Politik abgelegt und mit , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s