Das Gezwitscher der Vögel war ohrenbetäubend…

In Berlin hat das traditionelle Treffen der Singvögel und Arbeiter im Textsteinbruch begonnen. Herausgetreten aus den staubigen Wüsten der Steingewinnung sind die verschiedensten, von harter Arbeit gestählten Männer und Frauen, denen bereits beim ersten Blick anzuerkennen ist, dass sie physisch anspruchsvollen Aufgaben nachgehen. Ständig ihr Arbeitszeug mit sich herumschleppend und auch in den selten Momenten der Ruhe immer bereit sich ans Werk zu machen, haben die Teilnehmer des Treffens nicht mehr als „Action“ im Sinn. Ständig hört man von überall her wie mit fleißigen, vom vielen Arbeiten verhornten Händen gehackt wird, so daß man sich um die mit einem schlichten Apfel verzierten metallverkleideten Geräte sorgt.

Wo wenn nicht an einem Ort der Arbeit, einem ehemaligen Bahnhof, wo mit schwerem Gerät hantiert worden ist, sollten sich diese Menschen treffen? In den neu gestalteten Hallen hängt noch immer der Geruch von Öl, Maschinen hängt und zugleich das Versprechen der Ferne, dass die Singvögel entzückt und zu immer neuen Lobeshymnen inspiriert. Währenddessen sich Redner auf der Bühne mit einfachstem Gerät, simplen Tapezierböcken als Rednerpult behelfen, um spontan an die Masse zu appelieren.

Unter dem ständigen Gezwitscher der Singvögel treten die Redner auf, um – der Tradition der Arbeiterklasse verpflichtet – die Solidarität der Gruppe einfordern; jeden dazu auffordert über den großen Steinblock vor sich hinauszusehen und die Genossen des Prekariats zu erkennen. So ist es nicht verwunderlich, welch freudiges Hallo es auf den Gängen gibt, wenn sich Nachbarn trotz flatterhafter (ein Einfluß der Vogelfraktion) Unbeständigkeit der Kommunikationsmittel dennoch begegnen und sich endlich persönlich austauschen können, ohne das ihnen der Blick von den Staubwolken des Textsteinbruches vernebelt werden. So genießt man gemeinsam ein exotisches, selten gereichtes südamerikanisches Volksgetränk und behaut gemeinsam mit Hammer und Meißel einen der Themenblöcke, die das Programm füllen.

Nichts und niemand kann diese Gemeinsamkeit stören, weder die Vertreter des Kommerzes, die mit ihren Ständen die Aufmerksamkeit der versammelten Arbeitschaft auf sich ziehen und – wenn auch nicht gerade in diesem Moment – doch in Zukunft mit ihnen, Geschäfte machen wollen; noch die in der Ferne grollenden Gewitterwolken. Noch ist das Wetter strahlend schön in Berlin, doch in den Reden der Sprecher klingt bereits die Warnung vor dem Wetterumschwung an. Von den Bühnen zieht die Dunkelheit herab wie düstere Wolken am Horizont eines sonst blauen Himmels und aus der Ferne grollt es „Gema! Acta! LSR!“

Doch selbst den dunkelsten und düstersten Vorhersagen wird stürmischer Applaus entgegengesetzt, die Stimmen der Singvögel untermalen das Rumoren und dann zieht man sich zurück in den offenen Raum, wo ein Haufen farbiger Stühle die Arbeiter an den Textberg erinnert, der bearbeitet und behauen werden will.
Unermüdlich, ein Stuhl nach dem anderen wird abgetragen. Es ist nur eine Frage der Zeit.

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