Turbogiraffe Episode 297 – Invasion der Parrotianer

Bereits im Rematerialisierungsprozess des Nottransportes bemerkte ich den Geruch von Mensch, der in der Luft lag. Für mich selber versuchte ich es zu vermeiden dafür ZEV die Schuld zu geben, kannte ich doch selber die Ungenauigkeit eines Nottransportes nur zu gut.

Dennoch bestätigte meine Ankunft in einer riesigen Veranstaltungshalle sofort meine schlimmsten Befürchtungen: Unter den versammelten Menschen würde es unmöglich sein sich effektiv vor der mich verfolgenden Parrotianischen Zeitpatrouille zu verstecken.

Wenigstens schien den Menschen weder mein Aussehen, noch meine plötzliche Materialisierung zwischen ihnen aufzufallen. Überall um mich herum gingen sie weiter ihren Gesprächen nach und sprachen dabei in Apfel-geschmückte Kommunikationsgeräte. Deswegen war ich zuversichtlich, dass meine Verwendung meines interdimensionalen Funkgerätes (IDF) auch keine weitere Aufmerksamkeit erregen würde.

„ZEV? ZEV?“ sprach ich vorsichtig in das IDF. Doch ich bekam als Antwort nur Interferenzen. Meine Umgebung war offensichtlich zu unruhig für eine effektive Schallortung.

Im hinteren Bereich, dort wo ein paar große Türen wohl zu einem Saal mündeten, konnte ich in diesem Moment das Blitzen des charakteristischen ultravioletten Dekomposiators erkennen. Die Parrotianer waren offensichtlich auch bereits hier.

In der Hoffnung, dass es ZEV 40-21 gelingen würde die Schallortung zu aktivieren und das meine Anwesenheit noch einen weiteren Moment unbemerkt bleiben würde, stellte ich mich zu einer ins Gespräch vertieften Menschengruppe.

Mir entging das Gesprächsthema etwas, da ich nicht weder die Technik, noch die Organisation von denen sie sprachen etwas sagten. Allerdings konnte ich dem Gespräch auch nicht ganz folgen, da ich bemerkte wie bei einem Stand Unruhe auszubrechen schien. Allerdings schien es sich dabei nicht um die Ankunft von Parrotianern, sondern um eine Marketingaktion mit kostenlosen Ladegeräten zu handeln. Dennoch war ich vollkommen unvorbereitet, als mich ein der Menschen um mich herum plötzlich anzusprach.

„Und an welcher Revolution sind sie beteiligt?“ fragte mich die Frau neben mir.

Ich sah sie etwas verwundert an. „Bitte?“

„Naja, kulturell, sozial, politisch, technologisch?“

„Also, Giraffen sind eigentlich eine friedliebende Spezies…“

„Darum geht es doch garnicht,“ widersprach mir sofort der Mann in dem karierten Hemd. „Hier geht es um die Zukunft!“

Alle umstehenden Menschen nickten heftig.

„Man muß sich einbringen. Kommunizieren. Interagieren. Engagieren,“ erklärte der Mensch. Allerdings war ich wieder abgelenkt. Ich konnte Parrotianer aus dem hinteren Versammlungssaal kommen sehen. Wieder einmal hatten sie sich mit zerknitterter Kleidung perfekt an ihre Umgebung angepaßt. Selbst ihre Waffen hatten sie mit einem Apfel geschmückt, damit diese nicht auffielen. Kein Wunder, das die Menschen sie nicht als Gefahr wahrnahmen. In ruhiger, effektiver Weise nutzen sie ihre Dekomposiatoren um einen in ein Kommunikationsgerät tippenden Menschen nach dem anderen zu atomisieren.Ich sah mit Schrecken zu, während der Mensch neben mir ruhig fortfuhr: „Darum geht es hier. Gestalter der sozio-technologisch-kulturellen Sphäre mit Mitteln der Kommunikation zu sein.“

Einerseits verspürte ich den Drang zu erörtern, ob die Tatsache die erste im Multiversum reisende Giraffe zu sein als Kriterium für sozio-technologische Gestaltung gelten durfte, andererseits spürte ich angesichts der näherkommenden Parrotianer meinen immer stärker werdenden Überlebensinstinkt und wollte gerade einen Warnung aussprechen, als ein bärtiger Mann neben mir etwas sagte: „Also ich bin beispielsweise gerade auf Tumblr umgestiegen.“

Es fällt mir schwer die Reaktion der anderen Menschen um mich herum zu beschreiben. Ihre Gesichter schienen sich innerhalb kürzester Zeit mehrfach zu verformen, zogen sich dann unnatürlich in die Länge, während ihre Pupillen sich erweiterten.

Die Parrotianer kamen immer näher. Der größte Teil des Saals war bereits atomisiert worden. „Entschuldigung, aber ich wollte erwähnen, dass da eine Gefahr…“

Niemand um mich herum schien meinen Worten auch nur die geringste Aufmerksamkeit zu schenken. Ich wünschte an dieser Stelle eines der praktischen Handbücher zur Menschenhaltung griffbereit zu haben. Doch alle um mich herum waren in diesem Moment (außer dem bärtigen Mann) ihre Apfel-geschmückten Kommunikationsterminals zu bedienen, dass sie meine Worte wahrnahmen.

„Aber Tumblr ist doch revolutionär,“ sagte der bärtige Mann. „Damit kann man super einfach…“ In diesem Moment wurde er von dem ultravioletten Strahl eines Dekomposiator getroffen und zerfiel vor meinen Augen in seine atomaren Bestandteile.

„Ist auch besser so,“ murrte eine der Umstehenden. „Ich hätte Dich eh de-friended…“

Ich sah die Frau kurz an, wollte widersprechen, sah dann die Parrotianer und wie einer von ihnen seinen Dekomposiator in meine Richtung hob.

Mit einem Satz brachte ich mich in Sicherheit. „ZEV!“ schrie ich in mein IDF in der Hoffnung Gehör zu finden. „ZEV! Nottransport! Nottransport!“

Hinter mir wurde die Gruppe der Menschen von den Dekomposiatoren zerlegt.

Während um mich herum die ultravioletten Strahlen der Dekomposiatoren vorbeizischten und versehentlich die letzten verbliebenen Menschen atomisierten, spürte ich wie die Schallortung meinen Körper erfaßte und der Dematerialisierungsprozess begann.

Auch wenn es mir ein Rätsel wie sich die kurzhalsige menschliche Spezies evolutionär hatte durchsetzen können, bedauerte ich doch das meine zufällige Ankunft deren Versammlung so tragisch hatte enden lassen. Während ich durch den Quantenstrom trieb, fragte ich mich, ob das Fehlen dieser Menschen jemandem auffallen würde.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Medien, Netz abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s