Whale on Wall Street

Während über ganz Manhattan eine dichte Dunstglocke aus Gestank verrottenden Fischs hängt, hat sich Jamie Dimon, Chef der US-amerikanischen Bank JP Morgan, heute in einer Stellungnahme zerknirscht über den sogenannten Wal-Zwischenfall gezeigt, der derzeit nicht nur die Tätigkeiten an der Wall Street, sondern auch auf dem angrenzenden Broadway mit dem Geruch von Verwesung lähmt.

Die Ereignisse um den sogenannten „Wal-Zwischenfall“ begannen vor einigen Monaten. Dimons Koch in dessen Londoner Domizil, der mehrfach preisgekrönte Franzose Bruno Iksil, war von seinem Chef herausgefordert worden etwas ganz besonderes und einzigartiges für Anteilseigner und Kunden der Bank zu kreiieren. Iksil, der für seine kreativen Erfindungen bekannt war, schlug nach einiger Überlegung etwas spektakuläres vor: Er wolle einen Wal zubereiten. Nein, nicht einen Teil von einem Wal, sondern den gesamten Wal.

Dimon war begeistert von dieser Ansicht und schob Befürchtungen, dass es wegen des im Westen verpönten Walfangs zu Kritik kommen würde, beiseite. Die Aussicht einen wahrlichen „dicken Fang“ („a big catch“) zu machen, überzeugte ihn, weswegen er Iksil freie Hand in der Ausführung ließ.

Bereits die Beschaffung des Wals stieß auf Schwierigkeiten, denn natürlich ließ sich der Walfang nicht lange verheimlichen. Kritiker der Bank, sowie Umweltschutzorganisationen kritisierten Iksils Plan heftig, vor allem da sie in diesem besonderen Ereignis ein weiteres Zeichen für die Dekadenz und allgemeine Entfremdung der Banken von der Gesellschaft sahen. Allerdings schien der als zurückgezogen geltenden Iksil sich davon wohl nicht beeindrucken. Selbst die Kritik des Sterne-Koches Paul Volcker, die sich auf die praktischen Probleme der Zubereitungen von Walen bezog, erreichten Iksil wohl nicht.

Es kam schließlich wie es kommen mußte: Bereits der Fang des Wals blieb nicht unbemerkt und sorgte vor allem unter Konkurrenten von Iksil und Dimon für Unruhe, die sich schworen ihnen das Essen zu verderben. Auch auf den heftigen Proteste von Umwelt- und Walschützern wurden Konsequenzen für die Bank gefordert.

Ob es nun daran lag oder ob Iksil sich überschätzt hatte, kann heute noch nicht gesagt werden. Als Dimon allerdings in den letzten Tagen zum Essen laden wollte, mußte er und die Manager von JP Morgan feststellen, dass der Wal doch etwas größer war als angenommen. Bereits der erste Versuch den – vor allem für ihre Fettpolster bekannten Meeressäuger – zu verspeisen, endete für mehrere Manager mit einer sanitären Katastrophe. Ein zweiter Anlauf am folgenden Tag mußte – trotz inzwischen herbeigerufener Abteilungsleiter – nach der Einlieferung mehrerer beteiligter Esser in Krankenhäuser abgebrochen werden.

Aufgrund des sich bereits am dritten Tag bemerkbar machenenden Geruchs von Verwesung, sahen die JP Morgan-Manager von einem weiteren Versuch den Wal zu verspeisen ab.
Seitdem verrottete der nur ansatzweise verspeiste Wal mitten vor dem JP Morgan-Hauptquartier in Manhattan vor sich hin.

Von Iksil ist derzeit nichts zu hören. Gerüchten zufolge soll er sich auf einem französischen Landgut verstecken, während Dimon in New York derzeit verzweifelt versucht eine Entsorgungsmöglichkeit für den Wal zu finden.

Vor allem aber findet nun Sterne-Koch Paul Volcker wieder Gehör, der erneut einen Verbot der Zubereitung von Walen fordert. Selbst der wirtschaftsfreundliche New Yorker Bürgermeister und Multi-Milliardär Michael Bloomberg zeigte sich offen für derartige Pläne. In einer Stellungnahme (die er aufgrund des Gestanks mit einem Mundschutz absolvierte) sagte er: „Wall Street should know that this stench will not wash out with yet another spin cycle.“

 

Ref: Die New York Times zum Verlust von JP Morgan durch das „London Whale“-Geschäft. Der ursprüngliche Artikel im Wall Street Journal zum „London Whale“-Geschäft.

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