Die Unterminierung des strukturellen Machtanspruches der sogenannten Volksparteien

Eine Analyse von Dr. Eichhorn zu den Wahlerfolgen kleinerer Parteien:

Die sogenannten Volksparteien Deutschlands definieren sich durch Zuordnung zu soziologischen Gruppen, die sich in der Eigenwahrnehmung in den in Vermögens- und Arbeitsverhältnissen grundierten Milieus widerspiegelt, vielmehr allerdings auf einer konsensual ausgerichteten politischen Realpolitik basieren, die unter Berücksichtigung von Partikularinteresse gesellschaftlicher Gruppen einen Mindeststandard politischer Repräsentation im Austausch für die Machtgewinnung anbieten. Deswegenist die korrekte Bezeichnung vielmehr Konsensparteien.

Doch vielmehr als in der politischen Auseinandersetzung beruht die Machtausübung der Konsensparteien auf einer institutionellen Ausrichtung des individuellen Karriereweges, deren Umsetzung den Einzelnen für eine große Diversität von möglichen politischer oder sonstig gesellschaft relevanter Ämtern vorbereitet und einen sich selbst verstärkenden psychologischen Narzissmus und damit verbunden eine Wahrnehmungsreduktion beinhaltet, die sich proportional zur Beschäftigung mit der individuellen Verwirklichung innerhalb des jeweiligen institutionellen Systems steigt und damit das Individuum auf eine Begegnung mit dem Pinguin vollkommen unzureichend vorbereitet.

Indem Maße indem die durch das individuelle Engagement eingebrachte politische Haltung der Konsensparteien auf die Institutionen wirkt und damit zu einem Bestandteil der politischen Bürokratie wird, steigt mit inhärent imperativen Unzulänglichkeiten von Erklärungs- oder Handlungsmodellen des staatlich-bürokratischen Systems die Attraktivität der Alternativen und damit die des politischen Randes als Handlungsoption. Dies ist eine sich selber intensivierende Bewegung, nicht unähnlich dem Netzwerkeffekt, vor allem aber auch eine Expression des Herdentriebes der Gattung Homo. Anders ausgedrückt: Sobald jemand sich als Pinguin identifiziert hat, wird es attraktiv sich ebenfalls als Pinguin preis zu geben, wodurch die relative Menge der Pinguine zu steigen beginnt, beziehungsweise in der Außenwahrnehmung zu steigen scheint, was durch mediale Expression zu einem Cirolo virtuoso (zumindest im Kreise der Pinguine) wird, bis Pinguine nicht nur politisch, sondern vor allem auch institutionell repräsentiert sehen wollen.

Diese Durchdringung des dem demokratischen Staat zugrunde liegenden bürokratischen Systems, also jener Stelle an dem der Staat mit den Bürgern interagiert, wird zum eigentlichen Konfliktzentrum der politischen Auseinandersetzung zwischen Menschen und Pinguinen. Die Auslieferung des Beamtens gegenüber den Pinguinen und dessen Infragestellung der bisher verwendeten Verfahrensmodelle und des darin verankerten anthropozentrischen Weltbildes, das nicht auf die Auseinandersetzung mit Pinguinen ausgerichtet ist, schürt Konflikte, die sich wiederum politisch niederschlagen und sich zum Kondensationspunkt der Identifikation einer politischen Aussenseiterposition addieren.

Dies kann soweit gehen, dass der eigentliche Identifikationsnucleus der Aussenseiterposition, dessen individuell-charakterliche Begründung und die psychologische Motivation des Einzelnen (beispielsweise Flugunfähigkeit), in der politischen Auseinandersetzung inhaltlich proportional von der institutionellen Auseinandersetzung in den Hintergrund dominiert wird. Dies ist der Moment, wo eine Mainstreamposition für Konsensparteien zur Gefahr wird, da eine inhärente Diskriminierung als politisch gewünscht gerechtfertigt werden muß, was die inhaltliche Position schwächt: Der Mensch sieht sich gegenüber dem Pinguin unter Rechtfertigungszwang.

Diese anthropozentrische Kränkung der Spezies Homo beschreibt im Kern den derzeitigen strukturellen Machtverlust der Konsensparteien und zugleich der Unfähigkeit mit dieser umzugehen ohne dabei die eigenen Identifikationsgrundlagen neu zu definieren.

Der Aufstieg des Pinguins ist deswegen unvermeidlich.

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