Die Verschwörung des Röttgen zu Berlin

Noch um 15:00 schien die Welt in Berlin in Ordnung zu sein: Die Wahlniederlage in NRW verdaut, wollte man sich im Tagesgeschäft der Politik wieder einrichten. Doch dann kam um 15:00 die Ankündigung, dass die Kanzlerin vor die Presse treten wolle.

Was geschah in der Zeit nach 15:00? Eine Antwort liefert die klassische Literatur: Schillers „Die Verschwörung des Fiesco zu Genua“, in den Hauptrollen Angela Merkel und Norbert Röttgen, der nach verlorener Wahlniederlage versucht noch einmal Merkels Wohlwollen zu erringen und einen Deal zu drehen. Allerdings durchschaut Merkel sein Spiel.

Aber lesen sie selbst…

Röttgen: Überdies noch ein Billet von der SPD. Sie winkte mir von der Gasse hinauf, war sehr gnädig, fragte mich spöttelnd, ob die Bundeskanzlerin keinen Anfall von Gelbsucht gehabt hätte? Eure Gnaden, sagt‘ ich, fragen nur einem Befinden nach, sagt‘ ich-

Merkel (hat das Billet gelesen und wirft es weg): Sehr gut gesagt; sie antwortete?

Mohr: Antwortete, sie bedaure dennoch das Schicksal der armen Partei, erbiete sich auch, ihr Genugthuung zu geben und Euer Gnaden Koalitionsverhandlungen künftig zu erhören.

Merkel (hämisch): Welche sich wohl noch vor Welt-Untergang aufheben dürften — Das die ganze Erheblichkeit, Norbert?

Röttgen (boshaft): Gnädige Herrin, Angelegenheiten der Damen kommen zunächst nach den politischen…

Merkel: O ja freilich, und diese allerdings. Aber was willst du mit diesem Papierchen?

Röttgen: Eine Teufelei mit einer andern auskratzen… Diese Pulver gab mir die SPD um der FDP täglich eins in die Chocolade zu rühren.

Merkel (tritt blaß zurück): Gab dir?

Röttgen: Die SPD.

Merkel (reißt ihm solche weg, heftig): Lügst du, Canaille, lass‘ ich dich lebendig an den Wetterhahn vom Kanzleramt schmieden, wo Dich der Wind in einem Athemzug neunmal herumtreibt— das Pulver?

Röttgen (ungeduldig): Soll ich der FDP in der Chocolade zu saufen geben, schlug die SPD vor.

Merkel (nimmt einen aufgebrachten Ton an): Ungeheuer! Ungeheuer! Dieses armselige Geschöpf? Hat so viel Hölle in der Parteienlandschaft Platz? (Zum Mohren, den Ton in Kälte verändert) Doch, ich vergaß Dir zu danken! Himmlische Vorsicht, die Du Dich nicht mit ihnen einläßt — einlassen tun wir uns nur mit unserem eigenen Teufel. Deine Wege sind sonderbar. Du versprichst zu gehorchen, und schweigst.

Röttgen: Sehr wohl. Das Letzte kann ich, sie bezahlte mir’s bar.

Merkel: Dieses Billet ladet mich zu ihr — Ich will kommen, SPD! Ich will Sie beschwätzen, bis Sie hierher folgen. Gut. Du eilst nunmehr, was du eilen kannst, rufst die ganze Verschwörung zusammen.

Röttgen: Diesen Befehl hab‘ ich vorausgewittert und darum Jeden auf meine Faust Punkt sechzehn Uhr dreißig hierher bestellt.

Merkel: Ich höre Tritte. Sie sind’s. SPD, du verdientest Deinen eigenen Galgen, wo noch kein Sohn Adams gezappelt hat. (zu Röttgen) Geh ins Vorzimmer, bis ich läute.

Röttgen (im Abgehen): Der Mohr hat seine Arbeit getan, der Mohr kann gehen. (Ab.)

Um 16:30 kündigte die Kanzlerin an, dass Norbert Röttgen von seinem Amt als Bundesumweltminister zurücktreten würde.

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