Aus dem Orkus der Geschichte: Zur Reform des Wahlrechts

Am heutigen Pfingstmontag ist ein historisches Dokument von unschätzbarem Wert aufgetaucht. In der Ausgabe einer Zeitung von 1912 tauchte ein bisher unbekannter Text eines der bedeutendsten Denker und Politiker des Kaiserreiches auf. Besagter Politiker, ein Bürgermeister in der damals noch beschaulichen kleinen württembergischen Universitätsstadt Tübingen, hat sich in dem Artikel auf wegweisende Art und Weise in einer der zentralen politischen Debatten seiner Zeit eingebracht: Der von anderen Parteien eingebrachten Abschaffung des Drei-Klassen-Wahlrechtes.

Zum historischen Kontext: Im Kaiserreich herrschte das Drei-Klassen-Wahlrecht, eine Variante des Zensuswahlrechtes, bei dem die Einkommenssteuer des einzelnen Mannes (Frauen waren noch nicht zur Wahl zugelassen) über das Gewicht der Stimme entschieden. So entschied beispielsweise Stahlbaron Alfred Krupp in Essen alleine über ein Drittel aller Stimmen.

In besagtem Artikel bringt der vehemente Verteidiger des Drei-Klassen-Wahlrechts (DKW) vier Argumente gegen ein allgemeines, freies und gleiches, d.h. nicht durch Steuern diskriminierendes Wahlrecht vor.

  1. Der Verlust der Verläßlichkeit: Durch eine Abschaffung des DKW befürchte der Autor den Verlust der Verläßlichkeit sobald von einer Vielzahl von Bürgern gewählte Abgeordnete sich um unterschiedlichste, unübersichtliche Belange und Interessen kümmern müssen, die die plötzlich so große Vielzahl an Stimmberechtigten an sie herantragen. Die Abgeordneten wären total überfordert und würden vor Schreck in Schockstarre verfallen.
  2. Verlust des Expertentums: Zudem ist mit einem Verlust des Expertentums zu rechnen, da die Bürger nicht in der Lage sind sich mit der Komplexität der politischen Arbeit auseinander setzen würden. Kein einzelner Büger sei in in der Lage alleine ein gesamtes politisches System aufzubauen.
  3. Verlust der Verantwortlichkeit: Natürlich wäre es für den Abgeordneten auch verwirrend und letztlich unmöglich alle Interessen und Belange seiner Wähler geistig zu verarbeiten. Deswegen muß natürlich die Zahl der Wähler möglichst gering bleiben (wie es im DKW der Fall war), damit der Abgeordnete nicht zu verwirrt würden, um ihrer Arbeit nachzugehen.
  4. Unmöglichkeit der Zusammenarbeit: Außerdem sei es unmöglich dass die Abgeordnete ständig all ihre vielen Wähler über ihr Tun informieren würden. Das würde dazu führen, dass sie gar keine Arbeit mehr könnten. Vor allem dringend notwendige geheime Absprachen untereinander seien total unmöglich.

Wie Dr. Eichhorn, ein bewundeter Experte auf dem Gebiet der Deutschen Geschichtsschreibung, erklärend anfügte, endete das Drei-Klassen-Wahlrecht mit dem Ersten Weltkrieg, nach dessen Beendigung das Allgemeine Wahlrecht für alle Deutschen jenseits der 20 eingeführt wurde.

Dennoch fügte Dr. Eichhorn an, sei das das Dokument von unschätzbarem historischen Wert in dem sich die heutige Generation über längst im Orkus der Geschichte verschwundene politische Positionen informieren kann.

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