Friedhof der Plastikfrösche

Meine frühesten Erinnerungen an Schlecker reichen bis in meine früheste Kindheit zurück und sie sind unvermeidlich mit Aldi verknüpft. Neben dem Aldi unserer Wahl (es gab damals gerade mal zwei in meiner Heimatstadt), war auch ein Schlecker und wenn ich so zurückschaue ist doch erstaunlich wie sehr sich gleiches und gleiches damals anzog.

Allerdings blieb das eine nicht gleich (zumindet nicht im Süden), während das andere immer und immer dasselbe zu bleiben schien: Diesselben identitätslosen weißen Metallregale, dieselben lieblos darauf platzierten Produkte. Bereits damals war Aldi für mich ungleich interessanter (es gab Süßigkeiten!), obwohl es bei Schlecker ein paar kleine Plastikspielzeuge gab.

Keines davon interessiert mich wirklich, bis auf einen Plastikfrosch. Ich kann heute garnicht mehr sagen, was an diesem Plastikfrosch dran war. Konnte er von alleine laufen? Machte er irgendwelche Geräusche?
Egal! Dieser Plastikfrosch ging mir irgendwann verloren; vielleicht ging er auch kaputt, lief nicht mehr von alleine; oder machte keine Geräusche mehr. Auf jeden Fall war er eines Tages nicht mehr da und ich wollte einen neuen!

Am Willen meiner Eltern mir einen solchen zu beschaffen, lag es auch garnicht. Wahrscheinlich hatte der erste auch nur 99 Pfennig gekostet, dementsprechend hoch war die Bereitschaft im Interesse des Familienfriedens wieder dieselbe Summe zu investieren.
Doch leider führte Schlecker den Plastikfrosch nicht mehr.

Trotzdem jedes Mal, wenn ich mit meiner Mutter wieder bei Schlecker vorbeikam, hatte ich immer noch das Gefühl dass – jetzt, vielleicht, doch, hoffentlich – wieder ein Plastikfrosch dort zu bekommen sei.

Dieses niedliche Stück Kindheitsnostalgie wurde allerdings im Laufe der Jahre unheimlich. Längst erwachsen und mehr oder weniger im Berufsleben angekommen, überkam mich jedes Mal wieder dieses Gefühl, wenn ich einen Schlecker betrat: Vielleicht… dieses Mal… Plastikfrosch…

Schon längst verband ich damit nichts Positives mehr. Im Gegenteil! Das Gefühl war unheimlich geworden, so wie ein Clown, der irgendwann zu Pennywise aus Steven Kings „It“ mutiert ist, war auch der Plastikfrosch zu einer Fratze degeneriert, einem anachronistischen Überbleibsel aus einer vergangenen Epoche, dass sich in eine Gegenwart verirrt hatte, die nichts mehr mit ihm zu tun hat.

Nun ist Schlecker endgültig am Ende angekommen und mit ihm verliere ich ein Stück Kindheitserinnerung. Obwohl ich dass irgendwie bedauere, überkommt mich im selben Moment dennoch bei dem Gedanken ein leichtes Schaudern…

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