Turbogiraffe Episode 311 – Nebulöses

Der Grinoss-Nebel ist eine ogranische Gaswolke zwischen Aazha’al IV und dem Zhuabi-System in Dimension 45/Z (auch bekannt unter dem Namen „Toilettenrollen“-Dimension, wegen ihr Faltung). Seitdem ich zum ersten Mal von dem Grinoss-Nebel gehört hatte, war es mein Ziel ihn aufzusuchen. Eine gravitonische Verwerfung gab mir dann zufällig die Möglichkeit einer kostengünstigen Translokation dorthin.

Ich war sofort eingenommen von dem Nebel. Die schimmernden Farben um mich herum, während ich durch ihn hindurch schwebte, die einfache Versorgung durch die nahegelegenen Raumstationen… Es war scheinbar perfekt. Gelegentlich sah man in der Ferne einen anderen Genießer vorüberschweben, aber ansonsten wurde man durch nichts und niemanden bei diesen visuellen Genuß gestört.

Nun war ich schon seit mehreren Tagen hier und konnte mich an dem ständigen Wechsel der Farben, an den immer neuen Perspektiven auf Sternensystem, Galaxienschleifen und Musterkorridore garnicht satt sehen. Ich war in so einer entspannten Stimmung wie seit meinem Aufenthalt am hypodermalen Strand von Ilatus nicht mehr und genoß es endlich mal wieder eine trans-dimensional reisende Giraffe zu sein.

Während um mich herum ein naher Sonnensturm die Partikel der Wolke kurzfristig dazu stimulierte sich abzudunkeln, schaltete ich aus einer Laune heraus mein Interdimensionales Funkgerät (IDF) auf den lokalen Kommunikationskanal, einen fortschrittlichen transmissiven Hyperkanal.

Ich wurde sofort überwältigt von dem Strom an Information und für einen Moment versuchte ich mich zu orientieren. Zwar war dem Hyperkanal eine AI-gesteuerte Filterfunktion zu eigen, die sich automatisch auf den Empfänger einstellte, aber dennoch fiel es mir schwer mich überhaupt erst einmal zu orientieren.

Nach einigen Momenten der Verwirrung, gelang es der AI-Steuerung sich auf mein Gehirn einzupegeln und Informationen in für mich geistig verarbeitbaren Portionen zu liefern. Dennoch nervte mich die AI mit dauernden Anfragen, ob ich nicht vielleicht noch diese oder jene Informationsstrom haben wolle oder nicht. Ich ignorierte sie erst einmal und machte mich an die Sichtung.

Es dauerte einen Moment bis ich feststellte, dass nichts von dem Hyperkanal mir irgendwie auch nur ansatzweise nützlich erschien: Bilder von llu’uliyanischen Tufftuffeln, die gemeinsam im blauen Grass spielten, wechselten sich ab mit Pärchenbildern von Touristen mit benotischen Knuddelclustern und Sinnsprüche des pazifistischen Oberkommandanten (und bei dem Versuch die Galaxien mit friedlichen Mitteln zu erobern spektakulär gescheiterten) Hurtu Hurtu.

Ich schob diesen nutzlosen Schwall an Informationen auf die Ungenauigkeit der AI, die wahrscheinlich Probleme hatte sich auf die Gehirnströme einer Giraffe einzustellen und versuchte sie etwas feiner zu justieren.

Das Ergebnis waren Monk’ische Schluchzgesänge, telophorische Rätselsprüche (die daran litten, dass die Teloforen als die dümmste Rasse der Galaxie Vonx-9 galten) und Diskussionen über die nicht sehr geschmackvollen Endausscheidungen im interplanetaren Bardenwettbewerb. Wonach ich auch suchte, überall schienen nur dieselben nutzlosen Informationen zu finden zu sein. Keinerlei nützlichen Hinweise auf mögliche neue interdimensionale Reiseziele, keine Erklärung der für mich so wertvollen Informationen über lokale Gepflogenheiten, ja nicht einmal Bewertungen über den Küchenservice der nahegelegenen Raumstation waren zu finden. Es war so merkwürdig, wenn man diese Vorgänge mit dem Geschnatter und Gebrülle verglich, die ich ansonsten in den Kommunikationskanälen zwischen merkantilem Austausch und militärischen Notfällen im interspatialen Raum erlebte.

Meine Anfragen an die AI blieben weitgehend unbeantwortet und die Angelegenheit hatte mich inzwischen so verwirrt, dass ich nicht einmal mehr einen Blick für die orange-grüne Farbexplosion des Grinoss-Nebels direkt vor meinen Augen hatte.

Ich setzte dennoch eine Nachricht in den Hyperkanal ab und hoffte, dass mir jemand vielleicht eine Antwort geben konnte.

Es dauerte eine ganze Weile und ich trieb derweil mit verschränkten Armen durch den Raum und beobachtete mich selber langsam drehend wie die Farbexplosion sich inzwischen zu einer Spirale geformt hatte und dann den Blick auf einen regenbogenfarbigen Tunnel freigab. Doch ich konnte mich daran nicht mehr richtig erfreuen.

Schließlich informierte mich die AI, dass ich eine Antwort erhalten hätte. Sie konnte nicht schlimmer ausfallen: Zusammen mit dem Bild eines Tufftuffel, dass mich mit seinen 21 großen Augen treuherzig ansah, erhielt ich die Frage „Aber was hast Du denn? Es ist doch so schön hier!“

Ein kaltes Schaudern lief meinen langen Giraffenrücken hinunter.

Ich schaltete mein interdimensionales Funkgerät (IDF) um. „ZEV 40-23? Ich muß hier raus! Dringend!“

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