Lehranstalt

Ein Gastbeitrag von Dr. Eichhorn:

Die Idee junge Menschen 12 Jahre lang an einem Ort gefangen zu halten, damit sie etwas über die Welt lernen, ist an sich absurd. Genauso absurd ist allerdings auch die Vorstellung, dass die Wächter der Gefangenen, mit ihrer Aufgabe glücklich werden. Jahrelang zwischen den langen Reihen der Insassen zu patroullieren, sie zu beobachten und zu prüfen… Welche Genugtuung kann man daraus ziehen, wenn es doch verboten ist, mit den Gefangenen zu sympathisieren, unbestechlich zu sein und keinen von ihnen zu bevorzugen?

Selbst wenn es kein Ort ist, so wird doch zumindest versucht die Gedanken einzuhegen, doch auch das scheint ebenso wenig effektiv zu sein. Der Glaube mit Vorschriften die Freiheit eingrenzen zu können, ist bürokratisch.
Vielleicht ist das der Grund warum an diesen Orten auch soviel Papier produziert wird. Papier, dass in Bergen über die Gänge quillt, über Wohl und Wehe entscheidet, wie sonst vielleicht nur in Finanz- und Sozialämtern. Doch in Wahrheit haben diese bereits auf digitale Datenverarbeitung umgestellt.

So bleibt das Papier das Identifikationsmerkmale der Machtlosen und Unterprivelegiert, das Einreichformular und das Gesuch auf Anerkennung und Erfolg, ohne jede Garantie, dass die Ergebnisse jemals irgendeinen Effekt haben werden. Nein, die Hürden werden anders überwunden werden müssen, mit Fähigkeiten, die von woanders her kommen.

Also was ist der Sinn?
Angeblich soll es um die Grundlagenvermittlung gehen, aber dies wird nur in Schemata erlaubt. Die Massenabfertigung erzwingt die Ent-Individualisierung und stärkt die Bürokratie.

Geht es also um die bloße Verwaltung junger Menschen in einer zur bürokratischen Pflichtübung verkommenen Institution? Die Einfallslosigkeit, das Beharren auf festgefahrenen Strukturen offenbart den Unwillen sich mit dieser Frage auseinanderzusetzen oder die Unmöglichkeit diese zu überwinden. Zu tief ist sie in der eigenen Kindheit im Gehirn verankert worden, eine unüberwindliche Hürde der eigenen Biografie. Eine Gefängnisstrafe in der man eingebläut bekommen hat, dass man sie aufgrund Schuld der Unwissenheit absolvieren muß und diese Erkenntnis nun bis zum Ende seines Lebens mit sich trägt.

Kinder verlieren ihre Unschuld nicht. Wir nehmen sie ihnen, um sie besser verwalten zu können.

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