Rom, Herrscher Europas, im Jahre 12

Ein Sommertag im Jahr 12, die Sonne brennt gnadenlos auf Rom, die stolze Stadt am Tiber, Herrscher über ganz Europa, herab.

In der Kühle ihres Palastes sitzt Konsul Angela Germanica an ihrem Schreibtisch und versucht Ordnung in die Pergamente zu bringen, die ihr erst am Morgen von einem Boten überbracht wurden. Bereits seit Monaten rauben ihr die fast stündich an ihrer Türschwelle auftauchenden Boten jede Ruhe: Überall im Reich verlangen Aufstände und Probleme die Aufmerksamkeit Roms. Kaum gelingt es Angela Germanica den ruhelosen Senat aufzusuchen, der sich gegen die immer neuen Interventionen im Reich aufzulehnen beginnt.

Die teils widersprüchlichen Nachrichten zu sortieren ist nur ein Versuche der Konsul sich davon abzulenken, dass der Senat in diesem Moment eine weitere Abstimmung durchläuft. Namhafte Senatoren hatten bereits Widerstand gegen jede Entscheidung des Konsulats angekündigt.

Mit einem Seufzen versucht Angela Germanica diesen Gedanken zu vertreiben und nimmt ein Papyrus aus dem fernen Ägypten in die Hand. Daruf verkündet ein Orakelspruch der Seher von Anubis und Seth weiteres Unheil. Angela Germanica schnauft ungehalten.

In diesem Moment klopft es an der Tür und noch bevor sie antworten kann, öffnet sich diese.

Ihr Leibdiener Lupus Ambulantum tritt auf einen schweren Gehstock gestützt ein, der Einzige in ihrem Gefolge, der sich dies ohne Aufforderung erlaubt. Seitdem sie ihn mit ihren Truppen in der Schlacht von Donatio Scandalum persönlich geschlagen hatte, war er – trotz seiner Behinderung – ihr treuer Diener.

„Schlechte Nachrichten, Konsul“, sagt er, während er zu ihren Tisch geht, in der Hand eine Pergamentrolle.

Die Konsul stöhnt. „Noch mehr?“

„Wir haben ernste Probleme am Sklavenmarkt.“

Die Konsul hob überrascht ihre Augenbrauen. Bisher schien dies einer der wenigen Dinge unter Roms Herrschaft zu sein, die noch keine Probleme bereiteten, im Gegenteil… „Wo liegt das Problem?“

Lupus Ambulantum atmet tief durch. „Der Präfekt von Hispania plant sein gesamtes Volk auf dem Sklavenmarkt anzubieten.“

Angela Germanicas Augen öffnen sich weit. Sie springt von ihrem Stuhl auf geht zum Fenster, um hinab auf das Atrium ihres Palastes hinabzusehen. Als sie sich umdreht, hat sie ihre Hände gefaltet.

Lupus Ambulantum kennt die Geste. Er weiß, dass sie am Nachdenken ist.

„Das ist Irrsinn! Nachdem bereits der Präfekt von Graecia sein gesamtes Volk auf dem Sklavenmarkt zum Verkauf angeboten hat. Wollen Sie denn die Preise für Sklaven vollkommen ruinieren?“

Lupus Ambulantum reagiert nur mit einem Augenrollen auf die rhetorische Frage seiner Konsul. „Der Präfekt von Hispania ist davon überzeugt seine Gläubiger nicht anders bedienen zu können.“

„Der Sklavenmarkt wird zusammenbrechen!“

Ihr Diener nickte. „Das ist zu befürchten…“

„Wir dürfen das keinesfalls zulassen. Der Wohlstand Roms steht auf dem Spiel. Bringt mir die Befehlshaber der Prätorianergarde, wir müssen schnell handeln.“ Wie es ihre Art war bleibt sie beim Aussprechen dieser dramatischen Worte sachlich und kühl.

Lupus Ambulantum verbeugt sich leicht. „Ich habe das vorausgesehen und sie bereits hierher bestellt. Sie sitzen im Vorzimmer.“

Angela Germanica hebt eine Augenbraue. Sie wußte warum sie ihn trotz ihrer alten Feindschaft in ihrem Dienst behielt, aber dennoch war ihr die Geistesgegenwart ihres Dieners immer wieder unheimlich.

Nur einen Moment später betreten die Kommandanten Josephus Manus Barus und Janus Claudius Patricius den Raum, gekleidet in den schimmernden Rüstungen der Prätorianergarde.

„Heil Dir…“ rufen sie aus.

Angela Germanica unterbricht sie rasch. „Jaja, bitte unterlaßt das. Das weckt ungünstige Assoziationen. Seid ihr über die Pläne des Präfekts von Hispania informiert?“

„Das will man wohl meinen“ sagt Josephus Manus Barus, der selber aus dem westlichsten Teil der Provinz Hispania stammt. „Es läßt sich kaum verheimlichen ein ganzes Volk durch die Straßen Roms bis zum Sklavenmarkt zu treiben.“

„Zudem es bereits Probleme mit den Hispaniern gibt,“ wirft Janus Claudius Patricius ein. „Einige rebellieren bereits offen.“

„Es gilt diesen Plan mit allen Mitteln zu verhindern.“ Angela Germanica war es ernst, dass könnten die Kommandanten sehen. „Notfalls müssen wir auf Mittel des Senats zurückgreifen…“

Josephus Manus Barus sieht sie erstaunt an. „Ihr wollt die Gläubiger direkt ausbezahlen?“

„Das erscheint mir etwas drastisch,“ wirft auch Janus Claudius Patricius ein. „Ein großes Angebot auf dem Sklavenmarkt hat auch seine Vorteile. Alleine auf phönizischen Galeeren und in thrakischen Lupanaren…“ Er hört auf zu sprechen, als er die Blicke der Umstehenden bemerkt. „Rein theoretisch,“ wirft er hastig ein.

„Nein,“ widerspricht Angela Germanica deutlich. „Die Preise auf dem Sklavenmarkt müssen stabil bleiben, damit wir nicht…“

Im Hintergrund räuspert sich Lupus Ambulantum. Während sich die Blicke auf ihn richten, tritt her voran, in der Hand eine neue Pergamentrolle. „Der Senat hat…,“ beginnt er.

Ein Stöhnen der Konsul unterbricht ihn. „Was hat der Senat?“

„Der Senat möchte das Tribunal anrufen, um zu entscheiden, ob die Prätorianergarde sich in die Angelegenheit einmischen darf.“

Josephus Manus Barus und Janus Claudius Pratricius wurden bleich, Angela Germanica hingegen rot.

„Woher weiß der Senat, dass…“ stieß sie hervor. Als er den Mund öffnet, hebt sie die Hand: „Nein! Sag es mir besser nicht!“

Es dauert einen Moment bis sich alle wieder erholt haben.

Josephus Manus Barus spricht als erstes. „Wir könnten natürlich mit der Prätorianergarde einschreiten… Rein theoretisch.“

„Um Jupiters Willen, bitte nicht!“ ruft Angela Germanica aus. „Wenn wir einen Imperator ernennen, werden die Gläubiger Hispanias und Graecias direkt zu ihm kommen. Oder ihr,“ fügt sie an.

Die Kommandanten verstehen den Wink.

Für einen Moment kehrt Stille in der römischen Villa ein, nur von draußen hört man das gedämpfte Lärmen des geschäftige Treibens der Hauptstadt des römischen Reiches hereinkommen.

„Wenn es nur einen Weg gäbe, die Zahl der Sklaven zu reduzieren.“ Angela Germanica spricht ihren Gedankengang laut aus.

Sofort beginnen die Augen von Janus Claudius Patricius zu funkeln. „Wir könnten ein großes Gladiatorenspektakel veranstalten.“

Josephus Manus Barus hebt seine Hand und fuchtelt hektisch mit ihr herum. „Unterhaltung für die Massen.“

„Brot und Spiele!“ wirft Janus Claudius Patricius ein. „Und wenn wir das nur lange genug machen…“

„…gibt es bald ein paar Legionen graezischer und hispanischer Sklaven weniger!“ vollendet Josephus Manus Barus den Satz.

Angela Germanica lächelt. „Das hört sich doch vielversprechend an.“ Sie tritt auf die Männer zu. „Also… die Kommandanten der Prätorianergarde wissen was zu tun ist,“ sagt sie.

Die beiden Soldaten schlagen ihre Fäuste auf ihre Brust. „Jawohl, Konsul!“ Mit von Begeisterung angespornten Schritten verließen sie den herrschaftlichen Raum.

„Lupus Ambulantum…“ Sie wendet sich an ihren Diener. „Lass das übliche vorbereiten. Festspiele zur Feier von diesem oder jenem Gott, blablabla… Lass Dir was einfallen, damit das Gemetzel etwas würdevolles bekommt. Falls der hispanische Präfekt etwas dagegen hat, das wir den Wert seines Volkes etwas reduzieren, sag ihm, dass wir im Circus Maximus auch noch ein Platz für ihn frei hätten. Damit sollte das elendige Problem mit dem Sklavenmarkt hoffentlich erledigt sein.“

Lupus Ambulantum verbeugt sich leicht. „Eure Weisheit ist unermeßlich, Konsul.“ Und mit dem Lächeln einer Sphinx auf den Lippen verläßt er den Raum.

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