Die Unerträgliche Leichtigkeit des Weins

Es gab da diesen besonderen südafrikanischen Wein. Ich hatte ihn im Urlaub getrunken. Dieser fand paradoxerweise nicht in Südafrika, sondern in Thailand statt, aber das ist hier eigentlich nicht der Punkt…

Ich hatte wegen des Weins mich auf jeden Fall bei einem Deutschen Weinversand im Internet angemeldet, der als einziger eben jenen Cabernet Sauvignon aus Südafrika zu importieren schien, den ich haben wollte.

Nach meiner Anmeldung dort bekam ich nun regelmäßig deren Newsletter zugeschickt. Pünklich zweimal die Woche. Und was für Angebote da waren… Ein Bordeaux, Spitzenlage, aber von einem eher unbekannten Chateau; großartige kalifornische Rosés und ein Portugiese, den mir kürzlich erst ein Bekannter empfohlen hatte…

Ich konnte den Angeboten nicht widerstehen, zumal die Preise einfach unschlagbar waren. Da nahm ich es auch gerne in Kauf, dass ich immer Kisten-weise bestellen mußte, weil es bei dem Versandhändler leider nicht anders ging. Aber ich dachte mir, dass es finanziell an sich sowieso keinen Unterschied machen würde und griff deswegen bedenkenlos zu.

Meine Freundin sah mich zuerst noch relativ schief an, wenn ich ihr von meinen neusten Errungenschaften berichtete. Im Scherz bezeichnete sie mich schon als angehenden Alkoholiker, doch meistens ließ sie sich mit einem Glas eines leicht gekühlten Grauburgunders davon überzeugen, dass mein Kauf nicht der allerschlechteste hatte gewesen sein können.

Das änderte sich, als sie – wegen der andauernden Gewitter und Regenfälle bei uns – ihr Fahrrad bei mir im Keller unterstellen wollte. Das ging leider nicht. Dort waren die Weinkisten.

Vorher war sie davon ausgegangen, dass meine Einkäufe sich nur auf die Flaschensammlung in meiner Wohnung beschränken würden, die ich aus bloßer Faulheit nicht in den Keller geräumt hatte. Der Grund war natürlich eher der gewesen, dass im Keller kein Platz mehr war.

Ihrer Ansicht nach sollte ich mich schleunigst daran machen, die Weine zu verschenken (wir haben ja mehr als genug Freunde!), was irgendwie meinem Ziel den perfekten Weinkeller aufzubauen entgegenlief. Ihr Argument, dass man zu einem Weinkeller auch Zugang haben müßte, der durch die vielen Kisten derzeit nicht gegeben war, weswegen ich auch nicht an diesen interessanten Malbed aus dem November-Newsletter herankam, sah ich irgendwie ein.

Meine Strategie bestand darin, ihren Einspruch zu übergehen, was normalerweise ausgezeichnet funktionierte (wir haben schon seit fast zwei Jahren nicht mehr über Kinder gesprochen!). Nur diesmal schien sie nicht gewillt zu sein, mir das durchgehen zu lassen.

Weswegen ich zu drastischen Mitteln greifen mußte: Zuerst zu den Rieslingen, dann zu den Gewürztraminern. Seitdem hat sie sich nicht mehr verbal verständlich zu meinem Weinkeller geäußert.

Ihren Vater, der zwischenzeitlich einmal vorbeikam, weil er von seiner Tochter nichts mehr gehört hatte, konnte ich mit einer Kiste eines hervorragenden griechischen Schwarzen Muskatellers wieder abwimmeln.

Grundsätzlich gehe ich davon aus diesen Zustand noch einige Wochen durchhalten zu können. Gerade erst habe ich den Newsletter zu einem neuen Superdiscount eines interessanten spanischen Cardinal erhalten.

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