Turbogiraffe Episode 317 – Auf dem Mars

Ich klopfte mir den Staub von meinem Raumanzug. Besuche auf dem Mars waren immer eine staubige Angelegenheit, zumindest solange man sich an die üblichen Zeitfenster und Standarddimensionen hielt. Natürlich gab es da beispielsweise Dimension Sigma-B12, in der der Mars als koorbitales Objekt der Erde folgte und eine merkwürdige Rasse intelligenter, Segel-begeisterter Hohltiere produziert hatte.

Zumindest das ich mich in einer Standarddimension und im üblichen Zeitfenster befand war eine Gewissheit, die den letzten Transportunfall durch ZEV 40-24 immerhin etwas abmilderte.

Ich sah mich um: Wie üblich war der Mars leer und rötlich-staubig. In der Ferne konnte ich eine Struktur erkennen, die mir merkwürdig vorkam. Ich entschloß mich diese zu untersuchen. Zeit hatte ich genug, bis ZEV 40-24 mich hier orten würde.

Bereits beim Näherkommen stellte ich fest, dass es sich um einen primitiven Roboter handeln mußte. Seine Solarpanele hingen allerdings schwach von ihm herab und er stand merkwürdig schräg auf einer Felsklippe.

Als ich in Kommunikationsreichweite war, grüßte ich höflich.

Ein paar mechanische Augen flackerten auf und begannen mich zu scannen. Ihre Bewegungen waren langsam und stotternd, deutlich konnte ich das Knirschen des Staubes in ihrem Getriebe hören.

Ich meinte so etwas wie Erkennen zu sehen, als sein Blick mein Gesicht fand und darauf ruhen blieb.

Nun da ich ihm so nahe war, konnte ich erkennen, wie sehr er mitgenommen war: Seine Panele waren vielfach gebrochen, überall zeigten sich Schleifspuren an seiner einst polierten, metallenen Oberfläche. Offensichtlich hatte sich beim Hinauffahren auf dem Felsvorsprung an dem er hing eine seiner Raupenketten gelöst. Sie hing zerbrochen von einem Rad hinab. Die Spur seiner Ketten war immer noch deutlich zu erkennen, sie führten in weite Ferne, jenseits des Horizonts.

„Du bist schon länger hier?“ bemerkte ich und meine Stimme klang merkwürdig blechern durch mein Intergalaktisches Funkgerät (IDF).

Offensichtlich besaß er kein Modul zur verbalen Kommunikation, doch er senkte ruckartig ein paarmal den Kopf. Jede Bewegung schien an sein Energiereserven zu zehren, während sie doch zugleich auf den Widerstand seiner abgenutzten Getriebe traf.

Mit einem beängstigenden Quietschen fuhr er plötzlich einen Greifarm in meine Richtung aus. Dabei konnte ich sehen, wie Lämpchen an seinen Energiezellen aufblinkten, die das baldige Erlöschen der Notversorgung signalisierten.

Ich nahm sie vorsichtig und setzte mich neben ihn auf den Felsen.

„Weißt Du, ich bin auch ein Forschungsreisender…,“ begann ich langsam und erzählte ihm von meinen Reisen bis spät in die dunkle, 230 Millionen Kilometer von der Sonne entfernten, marsianische Nacht hinein, bis seine Batterien versagten.

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