Coming Soon to a theatre near you: „Moorhuhn – Der Film“

Der deutsche Film hat bereits vieles überstanden: Heimatfilme, Nazi-Klamotten, B-Promi-Komödien, Katja Rieman und sogar Til Schweiger. Auch wenn sein Zustand vielleicht etwas anämisch wirken kann, er hält sich wacker. Ich stelle ihn mir so vor wie ein chronischer Krebspatient, der leicht schwankend mit einem Drink in der Hand auf einer Party steht und sich nicht anmerken zu lassen versucht, wie schlecht es ihm geht, während alle anderen um ihn herum Spaß haben.

Selbst die Millionen aus der staatlichen Filmförderungen und Versuche von Berliner Kunststudenten die Nouvelle Vague neu zu erfinden konnten daran nichts ändern. Aber damit ist nun Schluß!
Das hat sich die Filmförderung des Bundes, die FFA gedacht. Family Entertainment! Synergien! Das sind die Schlagwörter der Zukunft und an deren Umsetzung arbeitet die FFA mit allen Mitteln.

Nichts ist ihr zu teuer dafür. Selbst renommierte, amtliche als Kultur-fördernd zertifizierte Regisseure wie Christian Petzold und Christoph Hochhäusler, deren Filme nur auf Vernissagen gezeigt werden, müssen da zurückstehen. Eine Anstalt des öffentlichen Rechts muß Prioritäten setzen!

Zeitgemäß und auf einer renommierten Franchise sollte das Wunschprojekt natürlich auch sein: Cross-/Trans-/Sozialmediales Crossmarketing mit New Media-Franchising und Family appeal durch Established IP monetization? Unerschrocken vor diesen hohen Anforderungen sagt die FFA zu all dem „Ja!“ und fördert deswegen „Moorhuhn – Der Film“, basierend dem „gleichnamigen Kult-Computerspiel“ (Zitat Pressemitteilung).

Und wie recht die FFA damit hat: Hinfort mit den Starvehikeln, den drögen Literaturverfilmungen und bemühten Komödien! Es muß etwas Neues geschaffen werden und von Computerspielen hat die FFA auch schon einmal etwas gehört. Nicht nur die Experten der FFA, sondern auch Flatrate-saufende Teenager können das Cross-Marketing-Potential zwischen Werbespielen von bekannten Alkoholika-Hersteller und Filmen für die ganze Familie klar erkennen.

„Moorhuhn – Der Film“ erfüllt damit nicht nur die von der FFA geförderte gesamtwirtschaftliche Bedeutung des Films, sondern leistet auch einen Beitrag zur deutschen Kultur, zur Verständigung zwischen den Generationen, von Menschen, die sich noch AOL-CDs und Windows98 erinnern und Kindern, die heute ohne Smartphone vereinsamen. „Moorhuhn – Der Film“, diese Hoffnung am deutschen Filmhimmel in Zeiten der Streaming-Revolution, schließt endlich jene Lücke zwischen diesen Generation, die ansonsten nur gemeinsames Saufen hatte füllen können.

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