Mangel an schlechten Nachrichten aus Griechenland sorgt für Verunsicherung in Berlin

Es zeichnete sich bereits in den frühen Morgenstunden ab. Das politische Berlin war nervös wie selten und es war gerade für die Journalisten schwierig einen Abgeordneten oder einen Mitarbeiter der Ministerien zu fassen zu bekommen. Niemand wollte sich äußern. Erst gegen 9:32 äußerte sich ein anonym bleibender Mitarbeiter des Finanzministeriums erstmals. Zu diesem Zeitpunkt war die Aufregung bereits mit Händen zu greifen. „Es ist jetzt halb zehn,“ stellte der Mitarbeiter fest. „Und wir haben immer noch keine schlechten Nachrichten aus Griechenland erhalten. Das beunruhigt uns sehr.“

Während in Berlin hinter den Kulissen erste Krisensitzungen stattfanden, zeigten sich direkte Auswirkungen auf dem Frankfurter Börsenparkett: Der DAX reagierte mit ausgesprochener Stagnation. Fast sah es so aus, als ob die Börsianer ihren Handel komplett eingestellt hatten.

Auch unter den Journalisten wurde man nervös. Erste Onlinejournalisten zeigten sich besorgt darüber keine Themen für den heutigen Tag zu haben. Gegen 11:52 kam die Hoffnung aus, dass sich jemand aus der CSU in Bayern äußern könnte. Gegen 13:41 dann die Gewißheit: Nicht einmal die Euro-skeptischen Freien Wähler waren zu einer Stellungnahme bereit. Nun war der Ernst der Lage offensichtlich.

Während in Berlin die Telefon heiß liefen und Konferenzschaltungen mit Brüssel vorgenommen wurden, blieb die Koalition weiter sprachlos. Gegen 15:09 kam schließlich eine Anfrage aus der SPD, ob die Regierung zu der Angelegenheit nichts zu sagen hätte. Gegen 15:38 reagierte der stellvertretende Generalsekretär der CSU, dass die SPD den Ernst der Lage zu oppositioneller Krawallpolitik mißbrauchen würde. Gegen 15:42 dann das Statement aus dem Büro von Philip Rösler: Es sei jetzt endlich an der Zeit zu handeln!

Die Bundeskanzlerin – offiziell mit dem Staatsbesuch von Italiens Ministerpräsident Monti beschäftigt – wollte sich nicht zu der ruhigen Lage in Griechenland äußern.

Gegen Abend bleibt die Lage weiterhin unübersichtlich: Selbst im Laufe des Nachmittages gab es immer noch nichts Negatives über Griechenland zu berichten. Einige angefragte Wirtschaftswissenschaftler waren bereits vor einigen Tagen (nicht zuletzt wegen des Ernst der Lage) aus ihrem Urlaub zurückgekehrt und gingen ihren normalen Lehrtätigkeiten nach, weswegen sich niemand von ihnen – trotz des Bemühens seitens der Presse – zu Griechenland äußern konnte.

Wir werden sie weiterhin auf dem Laufenden halten.

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