Piraterie und die Essenz des Witzes

Die Arbeit eines Felshauers im satirischen Steinbruch ist nicht einfach und immer wieder von Rückschlägen bedroht. Ja, es kommt gelegentlich vor, dass Leser den Witz der ausgesprochen witzigen und geistreichen Paraphernalia nicht ausreichend zu schätzen wissen, obwohl diese unter großem, erschöpfenden Kraftaufwand und zugleich langwieriger und nervenaufreibender Feinstarbeit entstanden ist.

Diese Lektion mußte nun auch unser Praktikant lernen, dem wir es – nachdem wir selber den ganzen Tag mit Kickerspielen beschäftigt waren – zur Aufgabe gemacht haben, eine aktuelle Schlagzeile zu nehmen und diese satirisch zu bearbeiten. Er entschied sich dabei für ein aktuelles Thema im Grenzbereich zwischen Politik, persönlicher Lebensgestaltung und angewandtem Recht, dem er sich mit einiger Ehrfurcht annäherte.

Sein erste Entwurf sah folgendermaßen aus…

Wenn es nach Post-Privacy-Aktivistin und Piratenpartei-Promi Julia Schramm geht, dann wird nichts mehr geklickt. Vor allem nicht das von ihr geschriebene Buch „Klick mich!“. Wo andere dem freien Fluß der Informationen huldigen möchten, da sieht Frau Schramm doch lieber das Vorhängeschloß der kapitalistischen Rechtverwertung installieren. Deswegen läßt sie Abmahnanwält das tun, was sie am besten können! Denn man darf sich gerne gegen Bezahlung über Frau Schramms Pirateriepraktiken informieren, aber bitte nicht nachmachen.

In einer ersten Einschätzung unserer Chefredaktion kurz vor Redaktionsschluss war das Urteil über die ersten satirischen Gehversuche unseres Praktikanten durchaus wohlwollend. Allerdings wurde allgemein Verbesserungsbedarf angemahnt.

Humor war war bereits vorhanden, auch durchaus Witz in der Formulierung. Aber der Praktikant wurde gebeten den Artikel zu überarbeiten und vor allem zu kürzen.

Post-Privacy-Aktivistin und Piratenpartei-Promi Julia Schramm möchte nicht, dass das von ihre geschriebene Buch „Klick mich“ geklickt wird! Statt freiem Informationsfluß, die kapitalistischen Vorhängeschlösser der Abmahnanwälte! Denn Pirat, dass darf nur Julia Schramm.

Inzwischen war es abend geworden und die Chefredaktion beschloss in einer eiligst einberufenen Dringlichkeitssitzung das Kickerspiel zu verlegen. Auf dem Weg in eine benachbarte Kneipe, konnte uns noch der Praktikant abfangen, um ein Urteil über diese letzte Überarbeitung, die wir bisher nicht beachtet hatten, einzuholen: Besser! Wir nähern uns etwas, das ein richtig guter Witz werden kann. Also nicht schlecht, aber bitte kürzen.

Während der 3:2-Führung des Teams „Eichhorn“ erreichte uns aus der Redaktion die Überarbeitung unsere Praktikanten:

Post-Privacy- und Piraten-Promi Julia Schramm hat ein Buch geschrieben: „Klick mich!“ Das darf aber nicht geklickt werden, sonst gibt es Abmahnanwälte.

Wir debattierten länger bei 5-6 Bier über diesen Entwurf, den der einsam in der Redaktion sitzende Praktikant da fabriziert hatte. Wir waren uns alle sicher, dass da irgendwo ein richtig guter Witz drin war… Aber irgendwie…

Es war zwar spät und er wollte zu seiner Freundin, aber er sollte doch nochmal ran…

Julia Schramm hat ein Buch geschrieben.

Als uns diese Nachricht erreicht. Lachte einer aus dem Team „Turbogiraffe“ laut los, was vielleicht aber auch daran lag, dass er inzwischen zuviel getrunken hatte. Uns war allen klar: Unser Praktikant war auf dem richtigen Weg. Zwar waren wir alle angetrunken, aber wir spürten wie unsere satirischen Nerven zum Lachen gereizt wurden. Der Witz war fast da.

Er flehte zwar nach Hause gehen zu dürfen. Aber die Satire ist eine harte Arbeit und wir waren noch nicht am Ziel!

Spät am Abend, als die Bar sich allmählich lehrte und einer von sich verabschiedet hatte, weil er sich mal um die alleine gelassene Freundin des Praktikanten würde kümmern müssen, erreichte uns aus der Feder des Praktikanten mit dieser Überarbeitung die Quintessenz des gesuchten satirischen Witzes…

Julia Schramm.

Das war es!

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Eine Antwort zu Piraterie und die Essenz des Witzes

  1. silver account schreibt:

    Während die eine Meinung bei den Piraten dem in unserem Grundgesetz garantierten Minderheitenschutz entspricht und ihn ins Extrem weiterdenkt, also nach und nach jede denkbare Verletzung jeder denkbaren Minderheit verhindern oder bestrafen will, schert sich die andere nicht um Gesetze und baut auf eine Art gesunden Menschenverstand und das Recht des Witzigeren.

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