Strompreiserhöhung verschärft Krieg in der schwäbischen Provinz

Die zu erwartende Erhöhung der Strompreise ist eine Belastung für den Waffenstillstand zwischen den schwäbischen Ortschaften Bad Dennau und Meuningen. Beide Ortschaften befinden sich seit Ende 2010 im Kriegszustand. Nur die Vermittlung eines zur EM geschlossenen Waffenstillstands durch die lokalen Pfarrer hat vorerst weiteres Blutvergießen gestoppt. Allerdings wird befürchtet, dass dies bald vorüber sein könnte.

Grund für die kriegerische Auseinandersetzung, der bisher unzählige Nasenbeine, sowie Arm- und Beinknochen zum Opfer gefallen sind, ist ein im Jahr 2009 von Bad Dennau begonnene „Solar-Initiative 2020“. Mit Mitteln der Strukturförderung und zur Bekämpfung der Finanzkrise von 2008 hat Bad Dennau auf fast 70% seiner Dächer Solaranlagen installiert. Der davon produzierte Strom wird maßgeblich von einem Gewerbegebiet in Meuningen abgenommen.

Bereits zu Beginn des Plans gab es allerdings Streitigkeiten zur Finanzierung des Projektes und seitdem die ersten Anlagen in Betrieb sind, vor allem auch um die Preise für die Abnahme des Stroms. Direkter Auslöser der Streitigkeiten war dann allerdings ein Vorfall auf dem Meuninger Erntedankfest 2009, die zu Handgreiflichkeiten und schließlich zur mit Mistgabeln bewaffneten Auseinandersetzung führte. Nachdem Bad Dennau sich weigerte die angeblich dabei beteiligten eigenen Gemeindemitglieder an Meuningen auszuliefern, gilt der Kriegszustand. Trotz umfangreicher Manöver und der zeitweisen Einnahme des Meuninger Gewerbegebietes durch einen Unternehmer aus Bad Dennau hat sich dabei bisher die Frontlinie zwischen den beiden Gemeinden kaum verschoben. Immer noch beäugen sich beide Parteien mißtrauisch von den Ufern des lokal als „Zie’bächle“ bekannten Wasserlaufes.

Die Abhängigkeit der Gemeinden von Stromproduktion der einen und der -Abnahme durch die andere hat dabei – nicht wie zu erwarten – zu einer Lösung, sondern zu einer Verschärfung des Konfliktes beigetragen. Stromabschaltungen, zurückgehaltene Zahlungen, der Kampf um ein strategisch wichtiges Stromhäuschen, sowie Terroranschläge auf Hochspannungsleitungen lassen die Auseinandersetzung inzwischen geradezu unlösbar erscheinen.

Nun wird mit Spannung erwartet, ob die baden-württembergische Landesregierung einen weiteren Vermittlungsversuch unternimmt, um den Konflikt vor der möglichen Strompreiserhöhungen friedlich beizulegen. Meuningen hat bereits angekündigt, gegebenenfalls mit dem Bau eines eigenen Atomkraftwerkes die „Ausbeutung durch die Solarfaschisten aus Bad Dennau“ zu umgehen.

Aus dem zur Zeit schwer mit der Ökostromverordnung beschäftigten Bundesumweltministerium gab es bisher keine Stellungnahme, ob der Bau eines Atomkraftwerkes durch eine schwäbische Gemeinde eine Gefährdung für den Zeitplan des geplanten Atomausstiegs darstellt.

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