The Great Divide

Alle vier Jahre beginnt in Las Americanas wieder der Versuch The Great Divide zu überbrücken. Es ist eine alte Tradition, auf die die Bürger eigentlich stolz sind. The Great Divide sollte die Menschen niemals trennen, so sagen es zumindest viele Ältere. Allerdings ist es eine Tradition, die mit jedem Jahr schwieriger zu werden scheint.

„Ich habe Verwandte auf der anderen Seite mit denen ich schon jahrelang nicht mehr gesprochen habe,“ erklärt Dr. Bergnine, einer der verantwortlichen Ingenieur der Logistikgruppe, die Situation. „Im Moment gibt es wirklich wenige Kontakte zur anderen Seite.“

Es scheint als ob die Naturkräfte gegen die Wissenschaftler arbeiten würde. Schätzungen zufolge wird The Great Divide jedes Jahr nicht nur breiter, sondern auch tiefer. Versuche The Great Divide auf klassischem Wege zu überbrücken gelten inzwischen als aussichtslos.

„Früher war das mal ein Wettbewerb. Da wurden Wetten abgeschlossen wer schneller auf der anderen Seite ankommt und Gruppen von beiden Seiten haben sich getroffen und über die Ergebnisse diskutiert. Das konnte sehr leidenschaftlich werden, aber am Ende ging es vor allem darum zusammen zu feiern. Aber heute…“ Dr. Bergnine zuckt die Achseln.

Inzwischen hat die Logistikgruppe sich wieder daran gemacht und versucht wieder eine metallene Brückenkonstruktion in Angriff zu nehmen. Sie wirkt fragil und schwankt gefährlich im Wind…

„Ich kapier echt nicht, warum die sich die Mühe machen,“ sagt im Gespräch ein jugendlicher Arbeiter. Wie so viele ist er durch die Aussicht auf einen Job dabei, weniger aus Begeisterung. Die allgemeine Wirtschaftslage ist nicht gut und trotz eines Lohns auf dem gesetzlich festgelegten Minimum, sind er und andere Jugendliche dabei. Zusätzlich zu den Wissenschaftler und zahlreichen Volontären. „Ist doch nutzlos,“ fügt er an. „Also ich kenne da drüben niemand mehr und weiß auch garnicht, ob ich mit denen was zu tun haben will…“

Gegen frühem Nachmittag kommt es dann zur Katastrophe: Stahlseile die die Brückenkonstruktion halten sollen, reissen und alles stürzt mit einem ohrenbetäubenden Getöse in The Great Divide hinab. Durch ein Wunder wird niemand verletzt.

Wenig ppäter sitzt die ganze Mannschaft gemeinsam im Versorgungszelt und bespricht die weitere Vorgehensweise. Einige befürworten den Einsatz von Raketen, aber es gibt Gegenstimmen, wegen der möglich Verletzungsgefahr auf der anderen Seite. Ein Luftfahrtexpertin erklärt mir nebenbei, dass der Flugzeugeinsatz leider gescheitert gilt: „Keines ist angekommen,“ flüstert sie mir zu, während im Hintergrund die Diskussion an Lautstärke zunimmt. „Es gibt Stimmen, die sagen, dass es dort irgendwo Flakgeschütze gibt. Aber warum sollte sie jemand abschießen? Es geht ja nur um die Kontaktaufnahme.“ Eine gute Frage…

Es dauert noch mehrere Stunden bis man sich schließlich darauf einigt, es wieder mit der Strategie von vor 4 Jahren zu versuchen: Botschaften, die an Luftballons gehängt werden. Während die logistischen Vorbereitungen ablaufen, machen sich die Volontäre bereit und trainieren das möglichst effiziente Brief-an-Luftballon-hängen.

Schließlich werden die ersten Luftballons testweise steigen gelassen. „Vielleicht kommt die eine oder andere Nachricht an,“ meint Dr. Bergnine zu mir. „Wenn der Wind günstig ist…“
Langsam sehen wir zu, wie die bunten Luftballons über The Great Divide aufsteigen.

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