Vier alte Tiere

rohre

Vier große alte Tiere herrschen über das Land. Ihr Schritt ist ein Dröhnen, das den Boden erzittern läßt. Alles flieht sobald sie sich nähern. Die vier Tiere haben keine Feinde mehr. Kein Raubtier traut sich an sie heran, kein noch so wagemutiger Jäger traut sich in ihre Nähe. Alles was ihnen hätte gefährlich werden können, haben sie schon lange verschlungen.

Doch sie sind alt geworden. Sie können es in ihren Knochen spüren, der Tod liegt auf ihrer Zunge wenn sie eine Beute herunterschlingen. Nichts kann mehr ihren Hunger stillen, der sie von innen heraus verbrennt. Ihr Blick ist rastlos geworden, trotz ihrer Urgewalt wittern sie überall Feinde. Sie beißen, sie schlagen, sie trampeln. Alles was ihnen zu nahe wird erbarmungslos zermalmt.

Nun gibt es erste Bestätigungen: Ja, die vier Tiere sind so gewaltig wie eh und je, doch sie können nicht mehr jagen. Ihr eigenes Gewicht zwingt sie hinab, sie müssen immer tiefer graben, immer weiter streifen, um noch ihren erbarmungslosen Hunger stillen zu können. Doch sie finden immer weniger. Ihre Jagdgründe sind tot, andere werden mit allen Mitteln von jüngerenschnelleren Rivalen verteidigt.

Nur wenn die vier Tiere sich des Sieges sicher sind, dann lassen sie sich auf einen Kampf ein. Ihre Größe wird nur von ihrer Feigheit übertroffen.

Das Exxon-Tier hatte damit angefangen: Es ist so alt, dass es sich selber kaum noch an seine Geburt erinnern kann. Düster, wie ein Schatten thront es über seinem Reich. Angst ist seine mächtigste Waffe und des Nachts begibt es sich auf die Jagd, um jene zu erlegen, von denen es glaubt, dass es seine Macht gefährdet. Am Morgen bleiben nur blutige Spuren zurück…

Weit davon entfernt, im Norden, am Rande eines Pfuhls aus schmierigem Wasser herrscht das Shell-Tier. Es ist von amphibischer Natur, lebt halb am Land, halb im Wasser. Und auf seine alten Jahre quält Wahnsinn seinen Geist, schizophren versucht es zugleich an beiden Orten zu sein, alles zu tun, alles zu beobachten. Es ist besonders ruhelos, es glaubt ständig frische Beute riechen zu können und wagt sich weiter als alle anderen, nur um ständig zurückgeworfen zu werden. Auch das Shell-Tier ist nicht mächtiger als die Natur. Doch diese Erkenntnis dringt zu seinem kranken Geist nicht mehr durch.

Ganz anders das BP-Tier: Es fürchtet sich vor Wasser, seitdem es vor nicht allzu langer Zeit fast ertrunken wäre. Und obwohl keine Narbe, keine dauerhafte Verletzung von dem Vorfall übrig geblieben ist, die Stärke des Tieres jede Konsequenz mit seinen gewaltigen, gierigen Pranken beiseite gewischt hat, hat sein Geist Schaden genommen. Es ist weinerlich geworden, bedauert sich ständig selbst. Sein eigener Narzissmus ist nicht mehr Freude, sondern Qual. Selbst es wenn Blut und Knochen in sein Maul stopft, findet es keine Befriedigung mehr.

Und dann ist da noch Total. Es hält sich gut, doch sein Husten übertönt häufig das Stampfen seiner tausend Hufe. Es vergräbt sich am liebsten im warmen Sand, um seine knirschenden Gelenke zu schonen. Denn auch das Total-Tier spürt die Kälte der Nacht intensiver als früher, die Kälte dringt tief in seine Knochen und es schüttelt sich reflexhaft. Sein unruhiger Schlaf hält seine Umwelt wach.

Deswegen ist dies eine gute Zeit. Sie werden schwächer, man kann hören und sehen, wie das Blut in ihren Adern dünner wird. Ihre Agressivität ist das deutlichste Zeichen ihrer Angst. Nichts, selbst harmlose Wetterfrösche sind nicht mehr vor ihnen sicher.

Und damit ist die Zeit hier, auf die wir so lange gewartet haben. So lange konnten wir nur zusehen, wie sie jagen, nun wird sich das bald ändern. Also überholt Eure Jagdgewehre, schärft Eure Messer!

Einige Geier fliegen schon und diesmal sind sie nicht auf die Überreste aus, die ihnen die großen vier Tiere übriglassen. Sie haben Größeres im Sinn.

Es ist bald Zeit für die Jagd.

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