Valium für alle!

apotheke_historisch

Ein Kommentar von Harmadillo zum Ernst der Lage:

Stuttgart 21 wird etwas teurer, dauert etwas länger. Nach all den hochfliegenden Plänen in Berlin und Philharmonien an der Elbe, wer hätte das erwartet?
Selbst die beinhartesten Befürworten konnten die Fantasiezahlen immer öfter nur noch zwischen zusammengebissenen, zu einem Dauerlächeln gefletschten Zähnen hervorzischen. Jeder, der etwas anderes behauptet hat, ist entweder inkompentent und zu schwachsinnig für einen Beruf der höheres Denken erfordert, oder ein Lügner. Letzteres ist im Zweifelsfalle bei wichtigen Wirtschaftslenker und Politikern die beruhigerende Lösung.

Aber genau darum geht es: Um die beruhigende Lösung.
Das Lügen, das Weichspülen, Schönreden und Verdaulichmachen der Fakten ist längst der opus moderandi der Politik. Wichtiger als die Inhalte ist längst das Valium, das mit den harten Fakten heruntergespült wird. Nicht zu vergessen die Analgetika, damit die eigene Dummheit nicht so wehtut. Die gehören auch dazu! Sollen aber an dieser Stelle nicht weiter von Bedeutung sein.

Denn die Verabreichung von Beruhigungsmitteln in Form von Bauplänen und Budgetgrenzen, gerne auch in Reförmchen dargereicht, hat die Öffentlichkeit längst zu einer gehirnbefreiten Masse an Junkies gemacht, deren Aufmerksamkeitsspanne gerade noch bis zum nächsten erratischen Zucken auf dem Smartphone oder der TV-Fernbedienung reicht. Die Gewöhnung an das rhetorische Propofol hat dazu geführt, dass die Nebenwirkungen längst zu einem Gewöhnungseffekt geführt haben.

Die abblätternde Haut, die nässenden Wunden, das Schwanken der Massen, das erratische, inhaltsbefreite Lallen in Talkshows, das Stottern auf Twitter wird nur von abrupten Gewaltausbrüchen noch unterbrochen, wenn einer unserer Mit-Junkies in seinem Wahn sich erdreistet die Ruhe des Sanatoriums Deutschland zu stören.

Was ist der für Stuttgart 21 so symptomatische Wutbürger denn anderes als ein alternder, zunehmend gewaltbereiter Süchtiger auf kaltem Entzug? Wie kommt man damit klar, wenn nach 40 oder 50 Jahren der Stoff ausgeht und der Dealer keinen mehr rausrücken will? Wenn plötzlich keine Lüge, keine Marketingmaßnahme mehr ausreicht um die Halluziationen einer schönen, neuen Welt aufrecht zu erhalten?

Kein Wunder, dass soviele gerne mal dem einen oder anderen ihrer dealenden Politiker gerne in einer dunklen Gasse begegnen würden. Nein, es geht längst nicht mehr darum die Sucht zu stillen. Es ist schon längst persönlich geworden. Nachdem der Markt jetzt da ist, können die Dealer ihn in seiner Größe nicht mehr bedienen.

Der eine oder andere wird jetzt nach Entzug schreien.
Ich meine: Warten wir noch etwas ab. Das Problem mit den Dealern könnte sich bald erledigt haben.

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