Deutschland, Deine Lieder

duerer_reiter

Aus aktuellem Anlaß ein Gastkommentar von Jaulund:

Unser Papst ist zurückgetreten und schon geht alles vor die Hunde: Pferde begehen in unserem Gulasch Selbstmord, wenn sie nicht gerade unser Geld rauben, Meteoriten verwüsten Russland, das Krümelmonster will keine Kekse mehr und das Vertrauen in unser Geld ist so gering, dass Erpresser sich lieber flüssig auszahlen lassen. Bisher haben wir alle Zeichen des nahenden Unterganges noch beiseite schieben können, aber nun müssen wir der Wahrheit ins Auge sehen: Cascada vertritt Deutschland beim Eurovision Song Contest.

Das ist eigentlich nicht Cascadas Schuld. Obwohl man der Band natürlich ihre Existenz vorwerfen kann. Tatsächlich haben sich die Verantwortlichen ein so tolles Auswahlsystem ausgedacht, dass sie es am Ende selber nicht mehr verstanden haben.

Das ist geradezu symptomatisch für Deutschland: Wer versteht dieses Land eigentlich noch? Das allgemeine Unverständnis geht so weit, dass nicht einmal Bauderzernenten mehr wissen, was sie eigentlich tun! Bauderzernenten! Die bürokratische Inkarnation des Deutschen Michels! Das muß man sich einmal vorstellen! Früher waren das studierte Herren. Heute ist man froh, wenn man einen plagiierenden Ex-Minister für den Job bekommt!

Aber zurück zur Musik: Dort wurde das Prinzip des Plagiats ja bereits vor Jahren als „Homage“ oder auch „Tribute“ geadelt. Inzwischen hat man die Basis dafür allerdings erweitert. Nicht mehr einzelne Songs, sondern ganze Dekaden werden plagiiert mit dem Effekt, dass wir plötzlich wieder mitten in den Neunzigern sind.

Ja, haben wir sie denn noch alle? Die Neunziger? Als weiland Kohl blühende Landschaften versprach und Arbeitslosigkeit, Rechtsradikalismus und Hathaway sich durch das Land fraßen wie eine regionale begrenzte Zombieapokalypse? Dem konnte man selbst mit allen AOL-CDs der damaligen Zeit nicht entkommen!

Mehr Selbstaufgabe des Landes der Dichter und Denker, als sich durch eine fleischgewordene Ü30-Party (Original-Song-Zitat der 31jährigen Cascada-Frontfrau: „Tonight we are young and free!“) musikalisch vertreten zu lassen, geht doch nicht mehr. Wenn Bildungsministerin und deutscher Papst nicht schon zurückgetreten wären, dann müßten sie es spätestens jetzt tun!

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Alltag, Kunst, Medien abgelegt und mit , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s