Derweil im Vatikan…

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Papst Benedikt XVI., der nun bald wieder Joseph Ratzinger sein sollte, saß beim Frühstück. Vor ihm auf dem kleinen Tisch, den man in sein privates Gemach im Vatikan gebracht hatte, stand ein Cappuccino (eine läßliche deutsche Frühstücksangewohnheit, die er nicht hatte ablegen wollen) und ein Teller mit einem italienischen Hörnchengebäck. Mit ruhiger Hand blätterte der 85jährige durch die Zeitungen: Überall stand etwas zu seinem Rücktritt geschrieben, ja, sogar vom Untergang des Deutschtums war da die Rede. Der Papst lächelte milde und gönnte sich einen Schluck von seinem Cappuccino. Einen Moment verbrachte er mit dem Gedanken, dass dieses Getränk seinen Namen einer Mönchskutte verdankte und dass er auch bald eine tragen würde.

In diesem Moment flog die Türen zu seinem Gemach auf.

Zwei Mitglieder der Schweizer Garde versuchten verzweifelt einen Bischof zurückzuhalten, der mit der ganzen Wucht seines Gewichtes durch die Tür gebrochen war. Die Schweizer Gardisten murmelten Entschuldigungen und versuchten den Leib des Mannes zu fassen und den Bischof wieder aus dem Zimmer zu schaffen, doch er war bereits vor Papst Benedikt XVI. auf die Knie gefallen: „Heiliger Vater, vergib‘ mir, denn ich habe gesündigt!“ stieß er hervor. „Der Gedanke, dass Du, heiliger Vater, durch meine Geldwäscherei bei der Vatikanbank Dein Amt aufgeben mußt, ist unerträglich.“

Der Papst lächelte. „Aber natürlich, vergebe ich Dir mein Sohn. Ich bin aber leider nur noch bis heute abend im Amt.“

Der Bischof setzte an erneut um Vergebung zu bitten, als in diesem Moment ein weiterer Bischof durch die Tür fiel. Die Schweizer Gardisten waren viel zu verdattert um zu reagieren.
„Heiliger Vater, ich habe mich an Dir vergangen! Ich habe Dein Vertrauen mißbraucht. Ich bin ein armer Sünder, unwürdig für mein Amt! Aber all die kleinen Jungen, ich konnte ihnen nicht widerstehen. Ich bin schwach gewesen…“

Es entstand ein kurzes Gerangel als der zweite Bischof in seinem Versuch vor dem Papst niederzuknien, den ersten zu verdrängen suchte. Doch der Papst blieb davon ungerührt: „Ich vergebe Dir gerne. Aber leider bin ich nur noch…“ Er sah auf die Wanduhr, konnte sie allerdings nicht genau ausmachen. „…Nun so Gott will, bin ich nur noch ein paar Stunden Papst.“

„Bitte, Heiliger Vater, vergib mir…!“ rief der erste Bischof. „Nein, vergib mir!“ rief der zweite. „Vergib mir mehr!“ rief daraufhin wieder der erste.

Gerade als der zweite wieder ansetzen wollte, wurde er unterbrochen. Ein Kardinal stolperte in den Raum, fiel beinahe über die knieenden Bischöfe, rappelte sich auf, indem er sich auf deren Schulter abstützte und stammelte: „Heiliger Vater, die Kirche brennt! Der Petersdom steht in Flammen und ich habe ihn angezündet. Bitte vergib mir!“

„Das kommt überhaupt nicht in Frage,“ rief der erste Bischof. „Ich war als Erster hier, die Vergebung des Heiligen Vaters ist…“ „Heiliger Vater, hör‘ nicht auf den Betrüger und Geldwäscher, mein Seelenheil…“ „Mein Papst, mein Verbrechen, meine Strafe…“

In diesem Moment schlugen die Flammen in hohem Bogen durch die Tür. Verzweifelt versuchte die Schweizer Garde deren Vormarsch zu verhindern. Aus dem gesamten Vatikan klangen panische Schreie, Priester in brennenden Soutanen stürzten sich von den Balkonen, Nonnen versuchten unter ihrem Habit liturgische Schätze zu retten.

Langsam lehnte sich Papst Benedikt der XVI. in seinem Stuhl zurück. Auf seinem Gesicht breitet sich sein typisches sanftes Lächeln aus, während er sich einen weiteren Schluck von seinem Cappuccino gönnte und genüßlich zusah.

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2 Antworten zu Derweil im Vatikan…

  1. toutde5uite schreibt:

    Dieses typisch sanfte Lächeln? 😉

    • kaminkatze schreibt:

      Sehr geehrte Toutde5uite,

      Wir gehen davon aus, dass er immer dasselbe Lächeln trägt, wenn seine Gegner der dunkle Seite der Macht erliegen. Aber ganz sicher sein können wir uns da natürlich nicht.

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