Homotherapie

brouillet_salpetriere

„Frau CDU, Sie können dem Herrn Homo jetzt die Hand reichen.“ Der Therapeut sah die mittelalterliche Frau mit einem Lächeln an.

Frau CDU zögerte. Langsam streckte sie die Hand in Richtung der Männerhand aus, die sich ihr anbot. Sie schenkte dem Mann ihr gegenüber ein flüchtiges Lächeln; ein Moment, der ihr Zeit lies, die Bewegung zu stoppen. Dem Therapeuten fiel dies auf.

„Bitte entschuldigen Sie, dass ist mein erstes Mal,“ sagte Frau CDU schüchtern.

„Bitte nicht mit der Bewegung aufhören, Frau CDU!“ ermahnte sie ihr Therapeut. „Einfach flüssig weitermachen… Ja, das ist schon sehr gut, Frau CDU. Sehen Sie wie der Abstand sich verringert.“

„Normalerweise sind meine Phobien…“

„Nicht ablenken, Frau CDU. Sie sind auf dem besten Weg. Einfach die Hand weiter ausstrecken. Ganz entspannt…“ Der Therapeut sprach ihr leise Mut zu.

„Wissen Sie, es gab da dieses Gerichtsurteil…

„Frau CDU, konzentrieren sie sich. Atmen Sie tief und gleichmäßig. Denken Sie an etwas Angenehmes. Sie haben es gleich…“

Tatsächlich war ihre Hand bereits nur noch wenige Zentimeter von der des Herrn Homo entfernt. Herr Homo lächelte ihr immer noch freundlich zu. Er wartete nur darauf, dass Frau CDU ihm ihre schlanke Frauenhand reichte.

Doch plötzlich durchzuckte es die Frau. Der Therapeut sah sofort wie sich ihre Muskeln verkrampften, wie sich ihr Körper unnatürlich zu verbiegen schien. „Frau CDU, bitte…,“ konnte er gerade noch sagen. Da war es schon passiert.

Mit einem Satz, der ihren ganzen Körper schütteln ließ, zog die Frau ihre Hand zurück, klammert sie an ihren Körper, zog sich zu foetaler Stellung auf ihrem Stuhl zusammen. Sie zittert am ganzen Körper. „Nein, ich kann das nicht. Ich kann das nicht…“ stieß sie hervor.

Der Therapeut versucht ein Seufzen zu unterdrücken. „Das war schon sehr, sehr gut, Frau CDU. Fangen sie einfach noch einmal an,“ schlug er ihr vor.

Nein! Nein!“ wimmerte es aus dem Bündel heraus, dass sich vor ihm auf dem Stuhl zusammengekrümmt hatte.

Der Therapeut und Herr Homo tauschten einen Blick aus, wobei der Therapeut entschuldigend mit den Achseln zuckte.

„Frau CDU, der Herr Homo ist nur wegen ihnen hier. Wollen Sie ihn jetzt enttäuschen?“

„Nein, ich kann das nicht…“

Der Therapeut seufzte nun wirklich. „Haben Sie denn ihre Tabletten genommen, Frau CDU?“

„Ich… ich habe soviele Tabletten geschluckt. Die Atomtablette, die Bundeswehrtablette, ich… ich nehme alle Tabletten. Alle!“

„Haben Sie auch die rosa Tablette genommen?“

Frau CDU lugte unter ihrer Topffrisur hervor. „Ich habe alle Tabletten genommen.“

„Auch die rosa Tablette, Frau CDU?“ Der Therapeut sah sie streng an.

„Alle!“

Der Therapeut hob kurz die Augenbrauen und verzog den Mund. „Nun gut, ich sehe schon, dass wir heute knicht weiterkommen werden. Aber wir müssen mit ihrer Therapie unbedingt fortfahren. Wann haben Sie denn das nächste Mal Zeit, Frau CDU?“

„Nicht vor September!“ hauchte sie hastig. „Ich habe da einen wichtigen Termin. Ganz wichtig. Ich muß mich vorbereiten. Und Wahlkampf machen.“

„Frau CDU, der September ist ein halbes Jahr hin…“

„Nein, vor September geht garnicht.“

„Nun gut…“ Der Therapeut schlug den Terminkalender zu, den er bereits vor sich offen liegen hatte. „Aber ich kann nichts dafür, wenn Sie in der Zwischenzeit wieder einen Gerichtstermin haben. Dessen müssen Sie sich bewußt sein. Rufen Sie dann bei meiner Sprechstundenhilfe an und machen Sie einen Termin für den Herbst aus.“

Frau CDU nickte hastig. Sie griff sich ihre Tasche, stand auf, schob nervös ihren Stuhl zurecht. Sie wußte nicht so recht wo sie hinschauen sollte, nickte dem Therapeuten zu, nickte verdruckst in Richtung von Herrn Homo, vermied es allerdings Blickkontakt aufzunehmen und schlich dann zur Tür. Die Klinke in der Hand zögerte sie erneut für einen Moment. „Herr Homo, wenn Sie im Herbst nichts vor haben. Dann wäre es nett, wenn Sie bei der Wahl…“

„Vielen Dank, Frau CDU!“ unterbrach sie der Therapeut. „Sie finden sicher hinaus.“

Frau CDU nickte und ging endlich aus dem Behandlungszimmer. Leise schloß sich hinter ihr die Tür.

„Es tut mir wirklich leid, dass ich sie herbestellt habe,“ sagte der Therapeut zu Herrn Homo. „Ich dachte sie wäre zumindest zu einer Geste fähig. Sie hat in der letzten Zeit gute Anzeichen gehabt und ich dachte nachdem sie vor Gericht so gebeutelt worden ist, wäre sie etwas offener…“

„Das ist schon in Ordnung,“ antwortete der Mann ihm gegenüber. „Wissen Sie, ich warte schon so lange, da kommt es jetzt auch nicht mehr darauf an.“

Der Therapeut nickte ihm zu. Sie verabschiedeten sich und Herr Homo ging auch hinaus.

Wieder alleine, lehnte sich der Therapeut für einen Moment in seinem Stuhl zurück. Doch er konnte sich keine allzu lange Pause leisten, der nächste Patient wartete. Er griff nach seinem Terminkalender und sah dort nach. Ein tiefer und langer Seufzer entfuhr ihm. Noch so ein Fall…

Er lehnte sich vor, zur Gegensprechanlage: „Sie können den Herrn FDP und den Arbeitslosen jetzt hereinschicken….“

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