Die Sache mit Winter…

farinos_invierno

Da bin ich wieder!

Petrus stand vor Überraschung von seinem Bürostuhl auf. „Winter, was machst Du denn hier?“ Er sah den ganz in Blau und Weiß gekleideten Winter an, der sich mächtig schüttelte, so daß überall Eis und Schnee herabprasselten.

„Ach, ich dachte mir, ich mache dieses Jahr etwas länger.“

Petrus sah ihn an und schüttelte leicht den Kopf. „Frühling ist längst dran,“ sagte er bloß, während er sich wieder auf seinen Tisch fallen ließ. Er hielt immer noch seinen Federkiel in der Hand, schob allerdings das Totenbuch, das aufgeschlagen vor ihm gelegen hatte, etwas beiseite.

Währenddessen trat Winter an den Tisch heran. Er lächelte breit über das ganze Gesicht, so dass man das blaue Funkel seiner Augen unter den buschigen Eiskristallen seiner Augen sehen konnte. „Weißt Du nicht mehr wie es früher war… Als ich einfach mal ein halbes Jahr geblieben bin.“ Er zuckte mit den Achseln. „Ich dachte mir: Hey, wär‘ doch mal schön wieder etwas länger rumzuhängen.“

Petrus runzelte die Stirn. „Hör mal, Winter, ich finde das echt super von Dir, dass Du Dich mehr engagieren möchtest. Aber Du verstehst doch… Wir haben Klimawandel. Der Chef hatte doch festgelegt, dass wir bei den CO2-Zahlen es uns einfach nicht mehr leisten können, wenn Du…“

Winter ließ seine beiden riesigen Pranken von Händen zusammenklatschen. Schnee rieselte überall um ihn herum nieder. „Aber Frühling ist doch nicht da. Wir haben gar keine Doppelbesetzung. Alles gut!“

„Ja, aber sie kann jeden Moment auftauchen…“

Winter schüttelte den Kopf, so dass die Eiszapfen klimperten. „Nein, nein, bestimmt nicht…“

Petrus‘ Stirn legte sich in Tiefe falten. Er legte seinen heiligen Federkiel beseite und sah Winter scharf an. „Winter, was ist mit Frühling?“ fragte er ernst.

Winter sah weg von ihm. Er schnitt eine Grimasse und hob die Schulter, als ob er nichts wissen würde.

„Winter!“ sagte Petrus streng.

„Ich habe Frühlings…“ Der Rest des Satzes ging in seinem langen weißen Bart unter.

„Wie bitte?“

„Ich habe ihren Wecker verstellt,“ rief Winter.

„Du hast was?“ Petrus atmete tief durch und plusterte seine Backen auf.

„Ach, jetzt kommt schon. Frühling kann etwas länger schlafen. Und… Ist doch nicht so, als ob das irgendwas Neues wäre. Früher haben wir das doch auch immer locker gehandhabt. Außerdem…“ Er sah sich etwas in Petrus‘ Büro um, als ob er zwischen den Fotos von Petrus, Jesus und der Judäa-Mannschaft ein Foto von sich erwartet hätte. „Wir könnten doch mal wieder eine Eiszeit machen.“

Petrus seufzte. „Jetzt hör mal, Winter. Ich verstehe Dich ja gut. Ich verstehe Dich sehr gut,“ sagte Petrus versöhnlich. „Aber Ende März beginnt dort unten die Grillsaison. Die Metzger arbeiten schon auf Hochtouren an den Pferdewürsten.“

„Grillsaison, Grillsaison. Früher ging das auch ohne Grillsaison.“

„Ja, und wir sind immer noch dabei die Hungersnöte von damals abzuarbeiten,“ sagte Petrus nun deutlich genervt. „Nicht zuletzt weil es heute ja gar keine mehr gibt, um die man sich kümmern müßte,“ fügte er mit deutlichem Sarkasmus hinzu, wobei sein Blick auf das Totenbuch vor ihm fiel. Er erschauerte etwas und schlug es instinktiv zu. „Hör mal, Winter! Es ist einfach nicht mehr wie früher. Wir haben jetzt einen ganz anderen Betrieb hier und… Ehrlich gesagt, Du hast immer sehr gut gearbeitet. Ausgezeichnete Arbeit. Aber wir brauchen einfach…“

„Entschuldigung, Entschuldigung!“ rief Frühling als sie durch die Tür platzte. Hastig versuchte sie ihren Schal zu lösen. „Ich habe total verpennt. Mein Wecker hat…“ Sie stand in der Tür und erstarrte, als sie Winter vor Petrus stehen sah. „Winter, was machst Du denn hier?“

Petrus ersparte sich eine Erklärung und rollte nur vielsagend mit den Augen.

„Du kannst jetzt nicht hier sein. In 14 Tagen beginnt die Grillsaison,“ rief Frühling zu Winter und begann ihre Gummistiefel auszuziehen.

„Was glaubst Du worüber ich gerade mit ihm geredet habe.“

„Jetzt habt Euch nicht so,“ knurrte Winter und knirschte mit seinen Zähnen aus Eis. „Von mir aus können die Idioten dort unten grillen wann sie wollen. Habe ich garnichts dagegen.“

„Jetzt tu‘ nicht so!“ Frühling hing Mantel und Schal an die Garderobe. Frühlingsregen fiel von ihr herab. „Ich habe mich auch nicht ums Grillen gerissen, aber Sommer ist das einfach zuviel geworden. Was glaubst Du, was ich davon halte mich jetzt auch noch um die Veranden, Sommercocktails, das Baden und all das Zeug zu kümmern. Das habe ich bisher auch nur in Ausnahmefällen gemacht.“

„Ja, siehste!“ rief Winter aus. „Bleib‘ ich einfach etwas länger und Du mußt Dich mit dem Kram nicht herumschlagen.“

Petrus klatschte in die Hände und sah hinauf, dort wo hier im Himmel nur das Licht Gottes zu sehen war. „Heilige Maria und Josef, jetzt könnte ich einen von Euren Magenbitter gebrauchen! Ich habe nicht die Zeit für sowas.“ Für einen Moment vergrub er sein Gesicht in seinen Handflächen.

Frühling und Winter waren ganz still.

„Ich muß gleich ins Konklave und zusehen, dass der Heilige Geist bei der Besetzung meines Stellvertreters alles richtig macht.“ Petrus ließ seine Hände auf den Tisch fallen, so dass die Schlüssel an seinem Gürtel klirrten. Dann sah er Winter scharf an. „Also. Winter, Du kannst bleiben. Aber du kriegst nur das halbe Land. Und nur ausnahmsweise!“

Winter begann breit zu grinsen und ließ seine Fingergelenke krachen, was wie das Knirschen einer Gletscherspalte klang. Frühling war ihm einen bösen Blick zu, was er allerdings nicht bemerkte.

„Frühling, Du kümmerst Dich um die südliche Landeshälfte. Guck, dass Du da alles schon mal in Ordnung bringst.“ Er machte eine kurze Pause. „Aber, Winter…“

Winter drehte sich um. Er hatte sich bereits einige Säcke voller Eis und Schnee gepackt und war drauf und dran diese zu verteilen. „Bis Ostern bringen wir das in Ordnung, verstanden?“

„Klar doch!“ rief Väterchen Frost auf. „Aber Du weißt, die Eisheiligen…“

„Nein!“ rief Petrus scharf und Winter verschwand schnell aus der Tür.

Frühling schüttelte ihren Kopf. „Können wir das mit der Klimaerwärmung nicht etwas schneller machen?“ fragte sie. „Dann sind wir den Idioten endlich los.“

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