Jetzt im Kino – Kardinal Rosmertas fährt nach Rom

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Langsam erhebt sich die Sonne über der kleinen Kapelle, irgendwo im Grenzland zwischen Spanien und Frankreich. Es ist früh am Morgen, die Strahlen fallen auf das Stein-gedeckte Dach und durch die bunten Fenster. Innen kniet ein Mann in verschlissener Kleidung am Altar. Durch seine Hand rinnt der Rosenkranz.

Doch plötzlich sind aus der Ferne Stimmen zu hören, hastig steht er auf, nimmt den Koffer und rennt aus der Kapelle hinaus. Gerade noch rechtzeitig kann er sich in einen Vorgarten retten (nicht ohne dabei seine rote Soutane noch weiter zu zerreissen), bevor eine Gruppe von Bürgern vorbeikommt, gleichermaßen lachend wie fluchend und es ist schnell klar, sie sind auf der Suche nach dem Kardinal.

Denn Kardinal Rosmertas, denn um ihn handelt es sich bei dem Mann am Altar, ist auf der Flucht. Auf der Flucht vor den Eltern deren Kinder von Priestern mißbraucht wurden und die sich nun an dem Mann rächen wollen, der die kriminellen Priester geschützt hat. Als sich ihnen auch noch ein Beamter der Steuerbehörde anschließt, wird es für den Kardinal erst recht brenzlig. Dabei will Kardinal Rosmertas doch nur zum Konklave in Rom.

Doch auch wenn der Film auf den ersten Anschein wie eine Komödie wirkt, so haben wir es doch eher mit einem Sozialdrama zu tun und zugleich auch mit einem absurden Roadmovie, denn nichts – aber auch garnichts – kann den Kardinal davon abbringen seinen Weg nach Rom fortzusetzen. Weder die Tatsache, dass er nicht weiß wie man sich am Bahnhof ein Ticket aus dem Automaten zieht; noch, dass man nicht nachts an einer Autobahntankstelle übernachten sollte.

Doch der Kardinal ist keineswegs zu bedauern. Der Film läßt keinesfalls offen, ob der Kardinal sich etwas zu schulden gekommen lassen hat, oder nicht. Das er bis zuletzt versucht die Opfer von kirchlichem Mißbrauch selber dafür verantwortlich zu machen, wird nur deswegen nicht unsympathisch, weil der große spanische Schauspieler Jaime Pereda ihn verkörpert. Nur so gelingt es, dass zwischen dem Moment wo er sich arrogant weigert einen Taxifahrer zu bezahlen und dem Moment, wo ihn dieser kurz darauf mitten in einem Rotlichtviertel hat stehen lassen, der Zuschauer zuerst Ekel, und dann doch gleich wieder auch Mitleid verspürt.

Gerade zum Schluß des Films, wo der Kardinal kurz hinter Mailand zum Gejagten einer Meute von Journalisten wird, möchte man dem alten Mann geradezu wünschen, dass er endlich Frieden findet. Doch nicht mit Kardinal Rosmertas! Noch bevor er in Rom angekommen ist, hat er schon wieder jede Zuneigung verspielt.

Dem französischen Regisseur Frédéric Nouillet und Autorin Josephine Mirabeault ist ein kleines Schmuckstück von Film gelungen, dass wie die Religion als ein metaphysisches Vexierspiel schillert: Mal ist ihr Kardinal Rosmertas ein Engel, mal ein Teufel; doch niemals langweilig.

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