Berliner Startups immer asozialer

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Die Lage auf den Berliner Straßen wird immer schlimmer. In den dunklen Ecken treiben sich heruntergekommene Startups herum. Ohne Scham werfen sie sich den Investoren in den Weg und betteln sie um einen Zuschuss an: „Nur ein kleines Investment! 100.000 Euro reichen schon.“

Selbst wenn man nicht gerade von einem degenerierten Datenbankprogrammierer mit verkrüppelten Fingern angemacht wird, kann man den Auswüchsen der digitalen Verwahrlosung nicht entkommen. Selbst beim Fahren in der Berliner U-Bahn kommt an jeder zweiten Haltestelle ein Soundcloud herein und fängt ungefragt an mit laggender Stimme zu singen. Dann geht es durch die Reihen und versucht einem Streaming-Angebote zu verkaufen.

Die Ordnungskräfte stehen der Flut an Startups hilflos gegenüber. Immer mehr siedeln sich in Berlinern Mietshäusern an. Unter unhygienischen Bedingungen hausen und schuften Dutzende der verwahrlosten Gestalten gemeinsam auf kleinster Fläche. Nachbarn beschweren sich über die Gerüche durchgebrannter Prozessoren, das andauernde Debugging und die Schäden durch auslaufende Pixelflut.

Doch Mitleid ist nicht angebracht. Nacht für Nacht muß die Polizei ausrücken, wenn wieder einmal eine Gaming-Klitsche implodiert ist. Die Krankenwagen rücken gleich reihenweise an, wenn die Überlebenden mit schweren, teils permanenten Hirnschäden abtransportiert werden müssen. Viele von den dauergeschädigten, früher einmal vielversprechenden jungen Menschen werden niemals mehr den Weg zurück zu einem eigenständigen Leben finden.

Gerade nachts ist es deshalb besonders schlimm: Die lichtallergischen Gestalten mit der fahlen Haut erinnern nicht wenige Besucher Berlins an Zombies. Auch ihr hohles Heulen nach der nächsten Finanzspritze, wenn sie ein halbes Jahr wieder einmal nichts fest gegessen haben, erinnert an Untote. Hoffnungen auf gezielte Förderprogramme für dauerhaften Entzug haben bisher kaum etwas bewirkt. Selbst die Streetworker, die jeden Tag versuchen Webentwicklern und Back-End-Programmier mit dem Versprechen nach einem Investment und einer warmen Suppe aus dem Elend zu locken, sind am Rande der Verzweiflung.

So muß sich Berlin der harten Wahrheit der Verwahrlosung der Startups in seiner Mitte stellen: Nichts kann diese jungen Menschen davon abhalten wieder zurück an den Computer zu gehen, wo sich ihre kalten, grauen Finger bis zur nächsten Iteration in der Tastatur verkrampfen.

– Für M.K.

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