Fetischisten unter sich

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Ein neuer Fetisch verbreitet sich über das Land. Er nennt sich „Daten“.

Daten-Fetischisten erkennt man daran, dass sie davon überzeugt sind, dass mit Daten alles erreicht werden kann: Man kann damit Terroristen bekämpfen, man kann sie kaufen und verkaufen, ganze Wirtschaftsimperien aufbauen, man kann damit glücklich werden, reich und gesund. Daten können einfach alles. Man muß nichts mehr tun, es reicht alleine zu wissen.

Deswegen geht es darum alle Daten zu sammeln! Daten sind Information, Information ist Wissen; deswegen sind Daten Wissen und aus Wissen generiert man noch mehr Wissen. Es ist die expotentielle Wissensvermehrung, und die Generierung von all dem was Daten ebenso können: Reichtum, Gesundheit, Schönheit, Sicherheit… Endlich haben wir das Perpetuum Mobile gefunden!

Und Daten-verarbeitende Maschinen ersetzen das Denken. Elektronengehirne finden überall Spuren und Muster und wenn man für ein schreckliches Verbrechen einen Tatverdächtigen braucht, dann drückt man auf einen Knopf und… Zack! Da hat man gleich einen Namen, inklusive Anschrift, Telefonnummer, GPS-Ortung, Führungszeugnis, Krankenakte, Kreditkarten- und Kontonummern, Steuerbescheinigungen, Fahrerlaubnis, Handyrechnung, Lieblingsgericht, letzten Urlaubsort, Beziehungsstatus, Lieblingsband, Lieblingsbuch, bevorzugten Pizzabelag, Kleidermarke, Schuhgröße, etc.
Und den seiner Familie, Freunde, der Freunde jener Freunde und deren Familie und deren Nachbarn und der Nachbarn von gegenüber und so weiter.

Sogar das Bundesverfassungsgericht glaubt nun an das Perpetuum Mobile und die Elektronengehirne. Der Innenminister hat es ihnen in Form der Anti-Terror-Datei erfolgreich verkauft. Die Verfassungsrichter dürfen jetzt zusehen, wie sich die Sicherheit expotentiell in Deutschland vermehrt. Einmal die Anti-Terror-Datei angelegt und… Zack! Haben wir alle Terroristen gefunden und überwacht sowieso!

Problem ist mit Fetischen ist bloß, dass er verdammt merkwürdig aussieht, wenn man nicht selber davon überzeugt ist. Wenn man also das Urteil des Bundesverfassungsgericht hört, muß man sich vorstellen, dass sie da gerade in Lack und Leder vor den Fernsehkameras sitzen.

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