Fraktion Bier on Tour

Georges de la Tour - Quarrelling Musicians (Quelle: Wikimedia Commons)

Die Berliner Punk-Band Fraktion Bier ist scheinbar vom Unglück verfolgt. Gerade erst ist die gesamte Vinylpressung ihres Album „Helles oder Dunkles“ in der Nähe von Chemnitz von einem Laster gefallen, nun ist auch noch die erste Location ihrer Tour wegen Umbau geschlossen.

„Echt Scheisse,“ kommentiert Frontmann Öffner. Dabei schien alles so gut zu laufen: Nachdem die Band sich gegen eine Veröffentlichung ihres Albums im Netz entschieden hatte, stieg sie sofort zu einer der Must-See-Bands der Berliner Hipsterszene auf. Selbst dass das Album auf einem alten Dual-Kassettenrecorder aufgenommen wurde, weil die Band nichts anderes hatte finden können, wurde von den Neufans frenetisch gefeiert.

Auch die inzwischen legendäre Record-Release-Party in einem halb-gefluteten Bunker unter einem besetzten Haus letzten Januar konnte an der Begeisterung und dem Erfolg der Band nichts ändern. Ebenso wenig wie die Erfrierungen bei dem im Wasser stehenden Publikum. „Totale Scheisse,“ meint dazu nur Bassist Pfanddose, hatte die Band doch absichtlich den einsturzgefährdeten Bau gewählt, um einige der allzu penetranten Fans abzuschrecken. Selbst die regelmäßigen Schlägereien zwischen Alt- und Neufans gehören nach Meinung als „authentischer Punk-Flair“ zur Band und ihrer Musik dazu.

Zuerst war die Band erleichtert, dass die Pressung ihres Albums beim Transport verunglückt ist. „Geile Scheisse,“ schrieb Drummer Liz Pfiz in das offizielle Forum der Band, eine Pinwand in einer Kneipe in Berlin-Zehlendorf. Allerdings hat dies zum Nebeneffekt, dass Probepressungen der Platte derzeit für dreistellige Summen in diversen Onlinebörsen gehandelt werden.

Der Versuch sich mit einer Tour zumindest noch einen Rest an Glaubwürdigkeit zu sichern scheint nun auch endgültig gescheitert zu sein: Der wegen ihres nichtssagenden Aussehens gewählte Bürgertreff in Stendhal ist derzeit wegen Umbau geschlossen, so dass die Band ihren Auftritt in einer ehemaligen, einsturzgefährdeten VEB-Maschinenfabrikhalle auftreten mußte. „Voll Scheisse,“ meinte dazu auch Gitarrist Export, nachdem er aus Frust einen aus Berlin angereisten Hipster verprügelt hatte, der eine halbe Stunde später Bilder seiner blauen Flecken auf Instagram hochlud.

Die Band ist derzeit nicht für die einschlägige Presse zu erreichen und drohte der Musikredaktion von kaminkatze.de Prügel an, sollte sie es wagen, einen Bericht über die Band auf die „Social Media-Scheisse“ hochzuladen. Derzeit wartet die gesamte Redaktion ungeduldig auf eine Reaktion der Band.

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24 Antworten zu Fraktion Bier on Tour

  1. toutde5uite schreibt:

    Erinnert mich n bisschen an Jan Off – gefällt mir =)

    • kaminkatze schreibt:

      Sehr geehrte Toutde5uite,

      Vielen Dank für das Lob. Wir werden gerne mit Vertretern des Punk verglichen, auch wenn unser Bierkonsum nicht mithalten kann.

      • toutde5uite schreibt:

        Gern geschehen. Die Klammer kann weg =)

      • kaminkatze schreibt:

        Sehr geehrte Toutde5uite,

        Vielen Dank, das wurde korrigiert!

      • toutde5uite schreibt:

        Oh, Entschuldigung, mein Fehler: Ich meinte die Klammer samt Inhalt.

      • kaminkatze schreibt:

        Sehr geehrte Toutde5uite,

        Wir korrigieren auch gerne die Korrektur. Wir sind immer erfreut darüber, wenn sich Höflichkeit und grammatikalische Ökonomie verbinden lassen.

      • toutde5uite schreibt:

        Die Freude ist definitiv auf meiner Seite.Wenn Ihr jetzt noch spiegelverkehrte Textfragmente auf Nagellack dem richtige Autor zuordnen könnt, möchte ich Euch daten.

      • kaminkatze schreibt:

        Sehr geehrte Toutde5uite,

        Wir haben was die Textfragmente betrifft unseren Experten für alle Literarischen Fragen, Dr. Eichhorn, hinzugezogen, der – äußerst widerwillig – eine kurze Analyse durchgeführt hat. Hier ein Auszug aus seiner Expertise:

        „Der teilweise Begriff „Bli“ läßt, unter Zuzug einschlägiger Fachliteratur, deren Ursprung in der enzyklopädischen Bewegung der französischen Aufklärung, gerade durch den Einsatz von, aber nicht zuletzt durch d’Alembert, Diderot mit besonderer wirtschaftlicher Unterstützung durch den ökonomisch prosperierende, und gerade deswegen an der Transformation der aristokratischen Herrschaft interessierten de Jaucourt, wobei dieser erst nach dem Rücktritt d’Alemberts, zustande kam, liegt, auf 27 Begriffe subsumieren, deren Zusammenhang mit einem Substantiv basierend auf dem Althochdeutschen „plicchi/blicchi“ für Blitz, Strahl und faszinierenderweise Glanz, was der ansonsten insinuierten Aufnahme des Lichteindruck wiederspricht, sondern deren ästhetische Qualität in der Refraktion und Reflektion photonische Qualitäten in den Forderung stellt, immer gegeben ist.

        In Kombination mit nicht weniger als 33 auf „esen“ endenden, aber damit sicherlich weder erschöpfend interpretieren Vokabeln, unter der Grundannahme dass es sich um das Deutsche oder eine ihm verwandte Sprache des westgermanischen Zweiges, andeutungsweise in der Großschreibung des vorher untersuchten Begriffes erkennbar oder zumindest angedeutet, unter Ausschluss weiterer westgermanischer Sprachen, deren Verbreitungsgrad geringer ist, hingegen nicht unter dem Einbezug der nordgermanischen Sprachen durch deren geographische Lokalität die quantitative Verteilung der oder des sich Äußernden in eine Region verschoben werden müßte, deren Kommunikationsmöglichkeiten mit dem oder den Autoren eines spezifischen auf dem Protokoll TCP/IP verbreiteten textuellen Formats einschränkt, handeln muß, ergibt sich kein schlüssig interpretierbares Gesamtbild, es sei denn es handelt sich um einen für seinen metafiktional inspirierten Humor bekannten Dichter namens Brian Ó Nualláin.“

  2. toutde5uite schreibt:

    Das ist in der Tat beeindruckend. Zu welchen analytischen Hochleistungen mag Dr. Eichhorn erst in der Lage sein, wenn er/sie sich einer Aufgabe ohne Widerwillen annimmt? Und soll ich ihn bei der Tischreservierung berücksichtigen?

    • kaminkatze schreibt:

      Sehr geehrte Toutde5uite,

      Das letzte Mal als wir Dr. Eichhorn zu einem Essen mitgenommen haben, begann er beim Eintritt uns bereits von der Kulturgeschichte des Restaurants zu erzählen, die dann nahtlos in eine Analyse über die Bedeutung der Gardine für die protestantische Ethik überging. Die meisten können sich noch daran erinnern, dass während der Vorspeise von der Agrikultur der Papaya die Rede war.

      Wir fanden uns am Morgen in der Mecklenburgischen Seenplatte in Begleitung von drei Alpacas und der Gesamtausgabe der Werke von Erich Fried wieder, während in der Ferne eine zentralasiatische Schalmeiengruppe spielte. Außerdem befanden sich in unserem Besitz gewisse Produkte der japanischen Popkultur, über die wir zu sprechen vermeiden.
      Wir wissen bis heute nicht, wie es soweit mit uns kommen konnte.

      • toutde5uite schreibt:

        Gerade die Zeitspanne zwischen Vorspeise und nächstem Morgen klingt auch in Ellipse super, Dr. Eichhorn muss mit! Da außerdem offensichtlich nicht zu erwarten steht, dass ihm die Themen ausgehen, verzichte ich dann auch auf das vorbeugende Vorbereiten neckischer aber neutraler Gesprächsimpulse, um peinlichen Konversationspausen bei Tisch vorzubeugen. Wieviele Personen umfasst das kollektive „wir“?

      • kaminkatze schreibt:

        Sehr geehrte Toutde5uite,

        Wir arbeiten als Kollektiv, da es für eine Katze alleine schwierig ist Maus und Tastatur gleichzeitig zu bedienen. Wir benötigen aber meistens nur einen Stuhl.

      • toutde5uite schreibt:

        Verstehe. Womit die Größe des zu reservierenden Tisches ausreichend eingegrenzt ist. Bliebe nur noch die Frage nach kulinarischen Vorlieben.

      • kaminkatze schreibt:

        Sehr geehrte Toutde5uite,

        Rohkost ist völlig in Ordnung. Das Fleisch darf ruhig blutig sein, der Salat unangemacht und Dr. Eichhorn bevorzugt seine Nüsse mit Schale, um seinen Biss und seinen Verstand zu schärfen.

        Kann man etwas zum Trinken mitbringen?

      • toutde5uite schreibt:

        Gerne. Um möglichst anmutig den Kreis zum Ausgangskommentar zu schließen, wäre ich für Dosenbier, eine Palette sollte ausreichen (zur Feier des Tages darf sie auch gut gekühlt sein, falls sie in den Kühlschrank passt).

      • kaminkatze schreibt:

        Sehr geehrte Toutde5uite,

        Wir werden mal nachgucken, was die Kaffeekasse so hergibt. Aber es sieht gut aus, die Hosenknöpfe passen vielleicht irgendwo in einen Automaten.

      • toutde5uite schreibt:

        Ob man Mojitos wohl auch mit Katzenminze zubereiten kann? Ansonsten bleibt nur noch die Frage nach Zeit und Ort.

      • kaminkatze schreibt:

        Sehr geehrte Toutde5uite,

        Es besteht leider eine reele Chance, dass es unmöglich wird Ort und Zeit einzuhalten, wenn die Mojitos mit Katzenminze zubereitet werden. Ehrlich gesagt, ist es fraglich, ob danach noch irgend etwas eingehalten werden kann. Zugegeben, das wäre in der Redaktion keine neue Entwicklung…

      • toutde5uite schreibt:

        Da ja bereits angedeutet wurde, dass Abende mit Herrn Dr. Eichhorn sowieso gelegentlich aus dem Ruder laufen, sollten wir es vielleicht nicht auch noch in Hinblick auf die katzenminzesensibelen Redaktionsmitglieder provozieren … Belassen wir es beim Dosenbier. Ort und Zeit?

      • kaminkatze schreibt:

        Sehr geehrte Toutde5uite,

        Bitte entschuldigen Sie die Verzögerung. Unsere Ethikkommission wurde einberufen, um festzustellen, ob Fraternisierungen mit der Leserschaft mit unserem Moralkodex vereinbar sind. Nach einem sehr langen Plädoyer von Dr. Eichhorn – das besser hier nicht wiedergegeben wird – ist die Ehtikkommission zu dem Schluß gekommen, dass es an dieser Stelle leider nicht möglich ist, uns auf Ort und Zeit eines Treffens festzulegen, ohne dabei grundsätzliche Regeln des journalistisch-satirischen Ehrenkodex zu verletzten.

        Es steht Ihnen natürlich frei sich über unsere Beschwerdestelle an uns zu wenden.

      • toutde5uite schreibt:

        Natürlich begrüße ich den hohen Stellenwert eines journalistischen Moralkodex‘ in Ihrer Redaktion. Jedoch mit mehr als einer Träne im Knopfloch verabschiede ich unausgeführt meine Pläne bezüglich der passenden Maniküre für diesen Abend – angedacht war, das komplette ägyptische Totenbuch auf meinen Nägeln zu zitieren – nicht zuletzt, als hilfloser Versuch, Dr. Eichhorns Aufmerksamkeit auf mich zu lenken. Mist.

      • kaminkatze schreibt:

        Sehr geehrte Toutde5uite,

        Wir arbeiten derzeit daran unseren Moralkodex zu überarbeiten, um so etwas doch zu erledigen. Wir würden auch durchaus gerne die Palette Dosenbier nun irgendwie doch zur Verwendung bringen, da sie die Arbeitsmoral doch etwas beeinträchtigt.

        Dr. Eichhorn ist übrigens von der Möglichkeit das ägyptische Totenbuch auf einem Fingernagel unterzubringen fasziniert. Wußten Sie, dass die Wikinger der Überzeugung waren, dass die Fingernägel der Toten geschnitten werden müssen und das es sie der ewigen Verdammnis preisgibt, wenn dies nicht geschieht? Wir auch nicht, wir haben uns trotzdem einen Vortrag darüber anhören dürfen.

      • toutde5uite schreibt:

        Falls die Palette weiterhin problematisch bleibt, würde ich mich großmütig anbieten, zuverlässig mit diesem Problem aufzuräumen.
        Da ich ja gehofft hatte, mit dem geplanten Nageldesign gerade den verschrobenen Kulturanthropologen Ihrer Redaktion zu fesseln, liegt mir nun ein kindisches „Ätsch, selber schuld mit Eurem Moralkodex, so werdet Ihr es nie sehen!“ auf den Lippen …

      • kaminkatze schreibt:

        Sehr geehrte Toutde5uite,

        Die Mitarbeiter versuchen derzeit eine Überarbeitung des Moralkodex zu erreichen. Allerdings hat sich die Redaktion bisher auf den Toiletten verbarrikadiert. Es sieht allerdings so aus, dass sie dort nicht ewig wird aushalten können. Zumindest rechnen wir damit, dass ihr in ein paar Tagen das Essen ausgehen sollte. Selbst im schlimmst möglichen Falle gäbe es in zirka 3 Monate keinen Redakteur mehr, der von einem anderen aufgegessen werden könnte.
        Das ist allerdings eine ungenaue Schätzung…

        Die Palette Bier wird solange noch etwas warten müssen, wir sind aber optimistisch, dass sie bald zum Einsatz kommen kann.

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