Das Drama des Singles

Giovanni Antonio Bazzi - Cupid in a Landscape (Quelle: Wikimedia Commons)

Die Szenerie war absurd: Davon mal abgesehen, dass es in meiner Heimatstadt keine Apple-Fabrik gab, war genauso unvorstellbar, dass man diese besuchen konnte. Nichtsdestotrotz war ich in meinem Traum Teil der Besuchergruppe, die durch die Fabrikhallen geführt wurden und die eher an eine in Hafengegend gelegene Fischfabrik erinnerte, als an einen Elektronikkonzern.

Doch ich schenkte meiner Umgebung nur am Anfang Aufmerksamkeit, denn in zunehmenden Maße nahm mich Ihre Anwesenheit in Anspruch. Ihre bloße visuelle Anwesenheit in dem Traum ließ Erinnerungen an Ihre Hände lebendig werden, die ich als zugleich schüchtern und neugierig kennengelernt hatte, während Sie über meinen Körper gewandert waren.

Dementsprechend erregt erwachte ich und versuchte mir ins Gedächtnis zu rufen, wer Sie eigentlich gewesen war. Es gab keinen Zweifel daran, dass ich Sie kannte, so vertraut war mir Ihr schmales Gesicht mit den welligen braunen Haaren, die sie häufig unter einer Mütze versteckte. Ihre Vorliebe für enge Hosen und weite Jacken.

Mein plötzliches, durch einen Traum erwachtes Verlangen führte mich dazu, dass ich begann meine alten Kontakte herauszukramen: Notiz- und Adressbücher, meine Klassenliste. Schließlich glaubte ich Sie erst in einem alten Handy wiedergefunden zu haben. Dort war ein Name notiert, den ich nicht zuordnen konnte: Katrin.

Ich erinnerte mich daran, dass ich Sie in einem Club getroffen hatte. Es schien ein One-Night-Stand zu sein, doch wir trafen uns mehrmal, schliefen miteinander. Dann plötzlich meldete Sie sich nicht mehr. Ich erinnerte mich, mich nicht gewundert zu haben: Ich wußte zuwenig über Sie, um davon auszugehen, dass das was wir hatten eine Beziehung war.

War sie das braunhaarige Mädchen aus meinem Traum, dass sich bei einer Führung durch eine Applefabrik an mich geschmiegt hatte? Gehörte das Bild zu den Händen, die Hände zu dem Namen, der Name zu der Erinnerung? Sicher konnte ich nur sagen, dass das Verlangen nach Ihr zu mir gehörte und das ich nur die unbefriedigende Möglichkeit besaß zu deren kurzfristiger Ablenkung nach Pornos zu suchen.

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