The Amsterdam Experience

Adrien van de Velde View in Amsterdam (Quelle: Wikipaintings)

Neulich bin ich bei meinem Dealer des Vertrauens vorbeigegangen.

„Möchtest Du The Amsterdam Experience?“ fragte er mich.

Ich sah ihn verwirrt an. War The Amsterdam Experience eine neue Designerdroge? „Nur Gras,“ antwortete ich.

„Klar,“ antwortete er und schob mich in das Gebüsch am Rande des Parks, wo seine übliche Ecke war.

Doch irgendetwas war anders als üblich. Vor allem stand im Gebüsch ein altes Regal, zwischen den Ästen hingen indische Plakate und Deko aus dem Asia-Laden. Der Dealer lief direkt darauf zu. Doch wesentlich mehr beunruhigten mich die vier Kollegen von meinem Dealer, die scheinbar aus dem Nichts aufgetaucht waren und mich plötzlich umringten. Mir wurde mulmig zumute und der einzige Grund, warum ich nicht sofort auf der Stelle umdrehte und wegrannte, war dass ich nicht riskieren wollte die bulligen Typen zu verärgern. Allerdings konnte ich spüren, wie sich Schweiß auf meiner Stirn zu sammeln begann. Und dies lag nicht nur an den hochsommerlichen Temperaturen.

Plötzlich drehte sich mein Dealer um. „Willkommen! Willkommen! Bis hierhin hast Du noch garnichts gesehen. Hier geht es erst richtig los!“

Jeder seiner vier Kollegen zog plötzlich eine große schwere Taschenlampe hervor und begann damit direkt in mein Gesicht zu leuchten. Für einen Moment durchzuckte mich nur ein Gedanken: Wenn man meine Leiche finden würde, wäre meine Hose immer noch von meiner eigenen Pisse durchnäßt?

Einer der vier bulligen Typen hob einen riesigen schwarzen Gegenstand hoch und war drauf und dran ihn auf mich zu werfen. Ich zuckte zusammen, versuchte mich wegzuducken. Doch dann war er bereits über mir und…

…schaltete den Ghettoblaster ein. Bob Marley kreischte mir ins Ohr.

„Ganz egal ob Sie das gepflegte High oder einfach nur Chillen wollen. Wir haben alles für Sie,“ rief mein Dealer und nahm eine Pose an, als ober er sich in einem Werbespot für Gebrauchtwagen befinden würde.

Halb stehend, halb auf dem Boden liegend starrte ich ihn nur an, wie er begann zu den Klängen von Bob Marley einen Rap hinzulegen, von dem ich mich nicht abwenden konnte, obwohl er der schlimmste Rap war, den ich mir vorstellen konnte.

„Frisch von den Hängen des Hindukusch! Oder den Luxuxuxus aus Marokkokoko! Für die Preisbewußten beste Hollandqualität. Oder ökologisch-dynamisch direkt aus Brandenburg.“

Die vier Typen fuchtelten mit ihren Taschenlampen herum, als erbärmliches Imitat einer Diskobeleuchtung. Einer packte noch eine Diskokugel aus, ein anderer eine Lavalampe. Dazu sang Bob Marley „Like a lion in zion…“

„Wir haben 24 Sorten für Dich! Was möchtest Du? Du kannst alles haben!“

Ich war vollkommen damit überfordert, dass ich plötzlich wieder von meinem Dealer angesprochen wurde. Er stand direkt vor mir und sah mir ins Gesicht. Dessen Ausdruck konnte inzwischen nur vollkommen entgleist sein. „Gras,“ stammelte ich. „Einfach nur Gras…“

„Ja, aber welches? Komm schon! Entscheide Dich einfach. Möchtest Du was zum gepflegten Chillen oder den Luxuxuxus aus Marokkokoko?“ Er begann weitere aufzuzählen, die mein Gehirn beim besten Willen nicht abspeichern konnte. Wenn ich eines wußte, dann nur dass ich nicht den „Luxuxuxus aus Marokkokoko“ haben wollte. Aber als mich der Dealer wieder erwartungsvoll ansah, kam nur „Wwawaaaa-wie-waaawa…“ aus meinem Mund hervor.

„Hör mal, wir haben trotzdem nicht ewig Zeit hier. Wir sind trotz der Show nicht in Amsterdam.“ Er wies auf das leere Regal hinter sich. „Entscheide Dich einfach…“

„Ababababer…“

„Komm schon, sag einfach, welche unserer 24 geprüften Premiumsorten Du haben möchtest…“

Drei Stunden später starrten mich die Polizisten einfach nur an, nachdem ich mit meiner Schilderungen endlich zu einem Ende gekommen war.

„Das soll der Grund sein, warum wir Dich mit 24 Tütchen erwischt haben?“ fragte mich der eine. Dann schüttelte er den Kopf und begann etwas aus der Papier vor sich zu kritzeln. „Erzähl das dem Haftrichter!“

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