Monument

leutze_washington

Pünktlich gegen 1:00 Ortszeit begann er mit der Arbeit. Er war aus seinem beschaulichen Haus in einem typisch amerikanischen Vorstadt hinausgegangen und hatte einen Spaten in die Erde gestochen. Dabei ließ er leise ein Internetradio laufen, dass über den Schuldspruch im Bradley Manning-Prozess berichtete. Ich ging zu ihm hinüber und fragte ihn woran er arbeitet.

Er unterbrach kurz und nutze die Gelegenheit, um einen Schluck aus der Flasche mit einem kalorienreduzierten Softdrink zu nehmen. So durchschwitzt wie er in diesem Moment war, zeigte nur wie wenig er körperliche Arbeit gewohnt war. Man sah ihn fast nie in seinem Garten. Allenfalls um das Gras zu stutzen.

„Ich baue ein Monument für Manning,“ brummte er und lachte dann. „Es soll für Freiheit und Demokratie stehen.“

Ich nickte wissend. „Das wird sicher einige Arbeit.“

Er lachte wieder und wischte sich den Schweiß von der Stirn. „Oh ja, aber einer muß ja anfangen. So schnell wird das auch nicht fertig. Soll ja auch etwas größer werden, damit jeder es sehen kann.“ Er stieß wieder den Spaten in die Erde und hob einen Erdscholle heraus. „Damit die Leute es sehen und es von überall bewundern können.“

„Wie groß soll es denn werden?“

Er setzte den Spaten ab, stützte sich darauf und wackelte mit dem Kopf. „So ungefähr 3,8 Millionen Quadratmeilen.“ Dann lachte er wieder laut auf und sein Lachen war ansteckend. „Am besten noch mehr.“

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