Frau Konsumlust

Hendrik Gerritsz Pot - The miser (Quelle: Wikimedia Commons)

Immer mehr Deutsche arbeiten in Minijobs. Dies sagt zumindest eines Abgeordnete der Linken. Obwohl an der Zunahme von Minijobs und Zeitarbeitsverträgen relativ wenig Zweifel besteht und eigentlich ein Trend gebrochen werden müßte, um die laufende Entwicklung umzukehren, bestreitet das Bundesministerium für Arbeit und Soziales diese Tatsache: Wenn es denn überhaupt eine Zunahme der Minijobs gibt, so ist das ausschließlich aufgrund von „Konsumlust“. Oder anders ausgedrückt: Die Menschen brauchend das Geld nicht um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, sondern nur weil sie den Hals nicht voll bekommen.

Die namenlos bleibende Sprecherin des Bundesministerium für Arbeit und Soziales, die dieses schöne Wort erfand, durfte sich gleich darüber freuen, dass dieses Wort von den Twitterati und der Blogosphäre weitergetragen wurde. Aber wer ist diese Frau? Wem haben wir diese kreative Umdeutung der harten sozialen Verhältnisse zu verdanken?
Wir haben recherchiert!

Bei einer einfachen Überprüfung der Website des Bundesministeriums, deren oberste Chefin die immer matriarchal frisierte Ursula von der Leyen ist, bestätigt, dass sich hinter der kreativen Höchstleistung des heutigen Tages drei Frauen verstecken können, die als stellvertretende Pressesprecherinnen des Ministeriums fungieren: Hier seien sie einmal Frau W., Frau T. und Frau K. genannt. Aber wer von ihnen mag denn nun die Kreative sein?

Frau W. ist promoviert. Sie hat an der Humboldt-Universität studiert und dorthin immer noch persönliche Beziehungen. Sie war bei der Märkischen Oderzeitung als Korrespondentin tätig, und hat vor nicht allzu langer Zeit Urlaub auf Zypern gemacht. Übertriebener Luxus irritiert sie eher und sie hat sich in Leitartikel auch schon einmal kritisch über die Regierungskoalition geäußert („Chaostage“). Ja, sogar ihre spätere Chefin Frau von der Leyen mußte in einem Kommentar von ihr schon einmal beim Thema Mindestlohn Kritik einstecken („Immer noch schlecht bezahlt“). Allerdings so wenig, so harmlose Kritik, dass sie kaum von der Zustimmung zu unterscheiden ist.
Würde eine solche Frau sich mit einem Begriff wie „Konsumlust“ aus dem Fenster lehnen?

Frau T., geborene Frau S., hat – ebenso wie ihre Kolleginnen W. und K. – nahtlos den Sprung vom Journalismus, über die PR, hin zum Pressesprecher gemacht. Zwischendurch arbeitete sie auch schon einmal als Moderatorin der „Telebörse“ auf n-tv, ebenso als Börsen-Berichterstatterin für N24 und für die Deutsche Welle. Eine Aufgabe auf die sie bestens vorbereitet war. Arbeitete sie doch bereits während ihrer Studienzeit in Erlangen als Mitarbeiterin für lokale Radiosender, bevor es ihr ein Stipendium ermöglichte eine Uni für Journalistik in England zu besuchen. Mit einem Sommerkurs an der New York University („Intermarket Analysis and Investment Strategy“) und mit dem Besuch einer Moderatorenschule in Frankfurt schloß sie ihre Ausbildung ab. Noch heute existiert eine altmodische Webseite von ihr im Netz, wo sie für Aufträge als Moderatorin und Journalistin wirbt, obwohl sie zwischenzeitlich von der Pressesprecherin des Flughafenverbandes ADV zum Arbeitsministerium gewechselt ist.

Ganz anders ihre Kollegin Frau K.
Frau K. hat in England studiert. Sie zeichnet sich durch einen Master der Privatschule London Centre of International Relations (heute: King’s College) aus und ist wahrscheinlich auch Mitglied bei den Rotariern, jener sich gerne weltläufig und weltoffen gebenden Versammlung unbestimmt karitativ verpflichteter Oberschichtsbürger. Ihren Schliff bekam Frau K. als Mitarbeiterin im Springer-Konzern. 2001 nahm sie ihren Einstieg als Volontärin bei der Berliner Zeitung, darauf erfolgte eine sehr fleißige Tätigkeit bei anderen Blättern im Springer-Wald: Die Welt und das Hamburger Abendblatt sind neben der BZ hier noch zu nennen.

Das Frau K. hatte sich bereits in 5 Jahren ihrer journalistischen Tätigkeit den passenden Springer-Ton angeeignet: Unter der Überschrift „Gammelfleisch-Händler begeht Selbstmord“ setzte sie passend den Untertitel „Döner-Mafia: Drama in München“. Trotz solcher Details schmücken gerne einige FDP-Politiker (beispielsweise Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel) ihre Websites mit Interviews von Frau K., während ihre Leitartikel Titel wie „Noch mehr Staat“ tragen, in denen sie sich darüber beklagt, dass die SPD sich „wieder links“ positionieren würde.

Ob Frau K., die in Emails schon einmal gerne darauf besteht, nur als „Sprecherin des Minsteriums“ aufgeführt zu werden, die Urheberin der „Konsumlust“ ist? Oder doch vielleicht eher die promovierte Frau W. mit ihren harmlosen Leitartikeln? Oder die über ein Stipendium an ihren Beruf gekommene Frau T.? Vielleicht sollte man einmal nachfragen, wer von ihnen schon einmal einen Minijob annehmen mußte.

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