Geisterbahn Berlin

Utagawa Kuniyoshi - The ghosts of Togo and his wife (Quelle: Wikipaintings)

Heute fand die Demonstration „Freiheit statt Angst“ statt. Man traf sich hierfür in der Geisterbahn Berlin, die dem Anlaß entsprechend dekoriert worden war. Von Wahlplakaten herab wurden die Demonstranten von Wiedergängern angestarrt, deren Fratzen mit ekelerregenden Sprüchen versehen waren. Doch während sich solche auch anderswo finden, versuchte die Geisterbahn Berlin sich gegenüber den anderen Attraktionen des Rummels Deutschland hervorzuheben.

Nicht zuletzt zu nennen sind natürlich die Live-Auftritte der besagten Wiedergänger. Es ist zwar noch unklar, ob die wankenden Gestalten, die sich in den Berliner Straßen als angeblich wichtige Menschen bezeichnen, tatsächlich welche sind. Aber sie sind auf jeden Fall grauenerregend gewesen und haben die Teilnehmer der Demonstration Angst und Schrecken eingejagt. Im Vorfeld hatte die bloße Vorstellung, dass man einer Bundeskanzlerin begegnen könnte, einigen Menschen einen Schauer über den Rücken gejagt und sie von der Teilnahme an der Demonstration abgehalten. Die Veranstaltung war auf jeden Fall nichts für Menschen mit schwachen Nerven.

Bei der Einführung trugen Redner Horrorgeschichten vor, die auf wahren Begebenheiten basieren, und die schlotternden Anwesenden wurden dann auf eine Tour durch die Geisterbahn geschickt. Um den Grusel noch zu verstärken wurden die Demonstrationteilnehmer durch den Bezirk Berlin-Mitte geführt, wo sie sich gegen unzählige heruntergekommene, untote Fashion-Victims erwehren mußten, die immer wieder unvermittelt aus den Flagshipstores hervorquollen. Die vermodernden Gestalten in ihren 80er-Jahre-Imitaten vermittelten glaubwürdig ein post-apokalyptisches Szenario von Berlin nach der Gentrifizierung.

Zum Abschluss der Veranstaltung kam man schließlich am Alexanderplatz zusammen. Dort wurde allen Teilnehmern noch einmal deutlich gemacht, dass sie unter Beobachtung stehen und sich keinesfalls irgendwo sicher fühlen können, bevor die Veranstaltung aufgelöst wurde und damit es jedem einzelnen überlassen selber lebend einen Weg aus der Geisterbahn Berlin herauszufinden.

Vereinzelte Grüppchen panischer Demonstrationsteilnehmer verbarrikadieren sich derzeit immer noch auf den Toiletten der U- und S-Bahnstation Alexanderplatz.

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12 Antworten zu Geisterbahn Berlin

  1. Frau Körb schreibt:

    Verehrtes Rechercheteam,
    Sie haben es also geschafft, an dieser Veranstaltung teilzunehmen! Da ich immer noch mit den Spätfolgen der Kanzleramtskollision zu kämpfen hatte, war ich leider verhindert. Ich hätte jedoch zu gern den von Ihnen versprochenen Laib Brot gebrochen und mit Ihnen und einem Schluck göttlichem Gesöffs auf der Erhalt einer sozialfunktionierenden Gesellschaft angestoßen. So bleibt mir nur, herzliche Grüße und meine Dankbarkeit über die von Ihnen bewiesene Ausdauer und Leidensfähigkeit zu senden
    Ihre Frau Körb

    • kaminkatze schreibt:

      Sehr geehrte Frau Körb,

      Wir können uns als journalistisches Qualitätsprodukt natürlich nicht leisten eine derart wichtige Veranstaltung auszulassen. Dass uns dabei die Chance entgangen ist Sie zu interviewen ist sehr bedauerlich. Wir haben aber vollstes Verständnis dafür, dass ihr politisches Engagement Ihnen nur wenig Spielraum in Ihrem Terminkalender. Deswegen lassen Sie sich von uns nicht dabei stören, wir verfolgen dieses weiterhin mit großem Interesse.

      • Frau Körb schreibt:

        Das von Ihnen erwähnte politische Engagement hat sich als äußert behindert erwiesen!

        Mit meiner letztwöchentlichen Aktion „Schwimmen wie Olympia“, die aktiv auf die Möglichkeit hinweisen sollte, wider jeden Geldmangels doch nach Amerika kommen zu können, um an die Tür des dortigen Kanzleramtes pochen und über die Zustände „whistlen“ zu können

        hat sich gerade der Faden dieses Satzes verabschiedet –

        jedenfalls wurde diese Aktion permanent durch verstreut agierende PiratInnen behindert, welche anonym und Farbe permanent Methan- und andere Wolken produzierten und in der Sonne standen.

        Aus diesem Grunde sehe ich mich gezwungen, erneut in den Untergrund zu tauchen und am Grunde des hiesigen Schwimmbeckens auszuharren, bis die Damen und Herren der von Ihnen so treffend beschriebenen Antizieldurchsetzungsbewegung wieder hinter ihren laptops verschwunden sind und ihr dudidudu nur noch online austauschen.

        Bis mein Badeanzug denn trocken ist, werde ich aus Protest 1000 Jahre Lindenstraße sehen und verbleibe in bestem Gedenken
        Ihre Frau Körb

      • kaminkatze schreibt:

        Sehr geehrte Frau Körb,

        Wir verstehen Ihre geringe Begeisterung für diverse Piraten nur zu gut. Auch wir hatten durchaus unangenehme Begegnungen mit diesem Volk, konnten allerdings eine zeitweilige Allianz arrangieren, da wir als journalistische Straßenräuber entfernt mit den Piraten verwandt sind. Natürlich ist dies ein Privileg, dass nicht jeder genießt.

        Was die 1000 Jahre Lindenstraße betrifft, die Sie auf dem Grunde des Schwimmbeckens sehen wollen, so können wir Ihnen alternativ „Le grand Bleu“ mit Jean Reno vorschlagen. Ein Film bei dem man – im wahrsten Sinne des Wortes – die Luft anhalten muß.

      • Frau Körb schreibt:

        Verehrte Straßenräuber,

        da ich leider nicht mehr so flexibel bin, ist es mir unmöglich, auch nur an eine entfernte Verbindung mit permanent duzenden Dattlern zu denken, genauso wenig wie mit roten Klinkenputzern und grün-gelb-bleu-gestreiften Heißluftballons.

        Da ich auch zu gern mit dem Holzhammer um mich agiere, sehe ich in einer solchen Allianz eher die Behinderung meiner persönlichen Freiheit, denn einen Nutzen für gesamtgesellschaftliche Zwecke.

        Was Ihren Filmvorschlag anbetrifft, so bin ich mehr als gewillt, mit Monsieur Reno das Bade zu teilen, jedoch wenn ich dann von der eingangs erwähnten altersbedingten Unflexibilität von Haut und Gewebe unsanft an das Jetzt der Zeit erinnert werde, so verweile ich im Grunde des Beckens doch lieber mit einem fettgewordenen Klausi-Mausi Beimer.

        Ich werde aber nach erfolgreich absolvierter Wahlverweigerung auf Ihre Worte zurückkommen.
        Mit dankenden Grüßen
        Ihre Frau Körb

      • kaminkatze schreibt:

        Sehr geehrte Frau Körb,

        Wir wollten Ihnen keinesfall zu nahe treten. Unsere Empfehlungen sind rein subjektiv, unsere Meinung sowieso und unserer Publikation kann man sowieso nicht trauen. Das unsere Mitarbeiter überhaupt zu irgendwelchen Wahlen zugelassen werden, verwundert uns selber immer wieder, soll Sie aber nicht weiter tangieren.

        Es ist und bleibt deswegen unser Ziel am Wahltag für möglichst große Verwirrung zu sorgen, so wie wir es hier bereits tun.

        Sollten Sie dies jetzt nicht verstanden haben, so können wir sie beruhigen: Dies ist kein Symptom fortgeschrittenen Alters und so alt wie wir uns fühlen, sind Sie noch lange nicht. Unser mentales Altersheim ist derzeit überbelegt.

      • Frau Körb schreibt:

        Pardonez-moi die lang gezögerte Antwort, aber erstens habe ich bis eben die Luft angehalten und zweitens ist die Ihrige Antwort recht verwirrend.
        Ich gratuliere Ihnen zum erfolgreichen Bestehen der eigenen Ansprüche und werde schon mal Pläne entwickeln, wie Ihr wunderschönes Bild des mentalen Altenheimes zu regenerieren, sprich wie im Horte der Scheintoten und Schönleichen Platz zu schaffen ist.
        Mit allerherzlichen Grüßen
        Frau Körb

      • kaminkatze schreibt:

        Sehr geehrte Frau Körb,

        Auch wenn wir Ihre Kommentare in unserer Jahresabschlußbilanz bereits miteinbezogen haben, soll dass nicht heißen, dass Sie zu irgendetwas verpflichtet sind. In diesem Sinne hoffen wir, dass Sie uns noch lange erhalten bleiben und sie nicht zu den Scheintoten und Schönleichen dazustoßen.

      • Frau Körb schreibt:

        Keinesfalls verehrte Entdecker, aufgrund Ihrer Filmempfehlung brach ich jedoch auf zu neuen Ufern und versuchte mich im Apnoe-Schreiben. Es eröffnen sich neue abgrundtiefe Horizonte, das glauben Sie nicht!
        Mit Ihrer werten Erlaubnis würde ich den Begriff des mentalen Altersheims gerne ausbauen, nautürlich nur mit Urheberrechtshinweis und Tantiemengesetzvorschlägen. Vielleicht lässt sich so eine gewisse Moral unter die wandelnde Oberfläche bringen, einen Versuch ist es wert.
        Für Funktion der Gesellschaft
        Frau Körb

      • kaminkatze schreibt:

        Sehr geehrte Frau Körb,

        Wir sind normalerweise sehr darauf bedacht unsere Urheberrechte zu schützen und fordern bereits seit langem die unendliche Dauer des urheberrechtlichen Schutzes. Da dies allerdings möglich machen könnte, dass Sie das Ende der Ewigkeit nicht miterleben, machen wir gerne eine Ausnahme, damit wir dann doch demnächst noch einmal Ihre Interpretation des mentalen Altersheimes lesen können. Etwaige Tantiemen nehmen wir natürlich gerne an, um damit unsere Schulden nach der durchzechten Wahlnacht zu begleichen.

      • Frau Körb schreibt:

        Verehrte Wahlgeschädigte,
        da ich zwar Ihre Betroffenheit nicht ganz nachvollziehen kann, da das Erwartete doch wie immer hat kommen müssen, jedoch Ihr Leiden zutiefst bedauere, so bedanke ich mit außerordentlich für die Nutzungsrechte und gebe das warme Kompliment eines meiner Leser brühwarm an Sie weiter: „Des is doch der mit den guten Bildern!“.

        Ich muss hinzufügen, dass dieser Nachbar beruflich mit bildender Qualität zu tun hat und ein Lob aus seinem Munde wiegt 10 schwarze Kater auf.

        Ich hoffe, Sie bald wieder bei den normal Gestörten begrüßen zu dürfen und wenn ich irgendetwas für Sie tun kann, lassen Sie es mich bitte wissen!

      • kaminkatze schreibt:

        Sehr geehrte Frau Körb,

        Vielen Dank für ihr eigenes, wie auch das übermittelte Lob. Wir werden es gleich archivieren, damit wir in den harten Zeit die da kommen mögen, doch noch manchmal etwas haben, an dem wir uns erfreuen können.

        Natürlich haben Sie – wie immer – recht, wenn Sie sagen, dass das Ergebnis der Wahl zu Erwarten gewesen ist. Da wir uns allerdings einer gewissen Unvernunft erfreuen, bitten wir derartige Läßlichkeiten unsererseits wohlwollend zu übersehen. Die Unvernunft ist nicht immer praktisch, aber sie sorgt für Heiterkeit.

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