Das Merkel kam unerwartet von oben

Ito Jakuchu - Elefant und Wal (Quelle: Wikipaintings)

„Tja, also ich weiß ehrlich gesagt nicht, was man da machen soll…“ Der Arzt war kurz davor seine Säge wieder in den Medizinkoffer voller messingfarbener Instrumente zu stecken. Stattdessen rückte er seine Zylinder zurecht.

„Aber, Herr Doktor, sie können mich doch hier nicht…,“ Der Michel fing wieder an zu keuchen und das Keuchen ging dann ins Husten über. Blut spritzte über die Straße, allerdings macht es auch keinen Unterschied mehr, da sowieso alles um ihn herum schon rot gefärbt war.

Der Doktor seufzte und sah sich das Schlamassel noch einmal von allen Seiten an, obwohl er das bereits dreimal getan hatte. Es wurde langsam dunkel und das Licht der Gaslampen, dass um sie herum leuchtete, konnte die grausige Szenerie nur teilweise erhellen. Doch es gab kein Zweifel, das riesige Merkel, das auf den Michel herabgefallen war, hatte seine Gliedmaßen und den größten Teil seines Körpers begraben und lag nun selbstgefällig schmatzend und unverrückbar auf dem zerschmetterten Körper.

Der Arzt kratzte sich – die Säge in der Hand – am Kopf.

Die Wachtmeister hatten den größten Teil der Straße abgesperrt. Auch sie hatten sich das Merkel angesehen und waren zu dem Schluss gekommen, das es sich nicht bewegen ließ. Nun drückten sie sich in ihrer Ohnmacht an der Absperrung herum. Nur einer stand noch bei dem Unfallopfer.

Was ist denn mit der FDP? Die war ja auch dabei. Die muß da irgendwo drunter auch noch sein,“ sagte er und zog die Nase hoch. Die kühle, neblige Herbstnacht saß ihm ebenso in den Gliedern, wie der grausige Anblick vor ihm auf der Straße.

Der Arzt lachte kurz auf. „Da machen Sie sich mal keine Hoffnungen.“

Der Michel stöhnte.

„Warum mußte Sie auch gerade unter dem Merkel spazierengehen. Sie hätte doch sehen müssen, dass es gerade auf einem Höhenflug ist. Irgendwann kommt es wieder runter!“ fing der Wachtmeister wieder an. „So etwas macht doch kein vernünftiger Mensch!“

„Aber es ist doch das Merkel, das tut doch sonst nichts…“

Der Arzt beruhigte den Wachtmeister, der gerade mit einer ordentlichen Schelte beginnen wollte: „Bitte. Das bringt uns nicht weiter. Wir sollte es als das behandeln was es ist: Einen medizinischen Notfall.“

„Ja, aber können Sie dann nicht wenigstens irgendwas abschneiden oder so.“

Der Arzt zuckte mit den Schultern. „Theoretisch schon, jede Menge zerquetschte Gliedmaßen. Aber wenn ich so zuhöre, dann scheint wohl doch auch der Kopf getroffen worden zu sein. Also bleibt da wohl nicht mehr viel übrig.“ Der Arzt kniete sich vor dem Michel hin: „Ich kann Ihnen Schmerzmittel geben.“ Er zog seine Tasche näher heran. Er versenkte seine Säge darin und zog einige Fläschchen hervor, die er vor dem gefangenen Michel in die Blutlache setzte. „Laudanum, Opium,… Nehmen Sie einfach was sie brauchen. Und seien Sie nicht zu pessimistisch.“ Er stand wieder auf und zog seinen Mantel zurecht. „Irgendwann wird sich das Merkel sich schon wieder bewegen.“

„Aber, aber…“ Der Michel versuchte verzweifelt zu widersprechen, während sich nach dem Arzt nun auch der Wachtmeister zum Gehen wandte. „Meine Arme, meine Arme sind doch unter dem…“ Der Michel stellte fest, dass sowohl Arzt, wie auch Wachtmeister außer Reichweite seiner schwachen Stimme waren. Mit einem Wimmern ließ er den Kopf sinken, während über ihm das Merkel noch einmal satt rülpste.

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