Deutsche „Helden“

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RTL sorgt sich um das Deutschen Qualitätsfernsehen. Der Kölner TV-Sender, der sich durch sein hochwertiges und beliebtes Fernsehprogramm auszeichnet, hat sich den Tag der Deutschen Einheit vorgenommen, um auf die Mißstände im Deutschen Film- und Fernsehbetrieb hinzuweisen.

Unter dem ironischen Titel „Helden“ führt der Sender – ganz ohne auf die Quote und Werbepreise zu achten – den offenen Kampf gegen die Schwächen des Deutschen Fernsehens. Es ist zwar unklar, warum der Sender es auf Hannes Jaenicke und Heiner Lauterbach abgesehen hat, aber dies soll an dieser Stelle nur am Rande erwähnt werden, da dem Anliegen des Senders ansonsten nur Respekt gezollt werden muß.

Alleine schon die Idee den Deutschen Film- und Fernsehförderungswahnsinn zu thematisieren, indem man die Geschichte über die Rettung Deutschland vorwiegend in Österreich gedreht hat, ist ein genialer Einfall, der persönliche Ausfälle gegenüber namhaften Deutschen Darstellern aufwiegt. Auch die wütende Anklage gegen den Größenwahn der Regisseure, die – trotz fehlender Mittel und mangelnden Talentes – versuchen Hollywood nachzuahmen, ist deutlich hörbar.

Doch am stärksten trifft es die Drehbuchabteilung. Hier grassiert der wahre Wahnsinn und „Helden“ versteht dies eindrucksvoll zu illustrieren. Schwarze Löcher, abstürzende Satelliten, Atombomben… RTL scheut vor keiner noch so drastischen Illustration der Minderbemittelung zurück, um darauf hinzuweisen, wie zerstörerisch die Machenschaften von Drehbuchautoren und die sie betreuenden Redakteure ist. Doch auch hier nuanciert RTL letztendlich: Wie die Gefangenen und in einem jenseits aller Logik zerstörten Deutschland herumirrenden Wiedergänger des Eventfernsehens, sind Drehbuchautoren und Redakteure in einem kranken System gefangen sind, dem sie nicht nur nicht widerstehen können, sondern das sie vor allem auch garnicht verstehen.

Die Verlorenheit der Figuren in einer absurd verkorksten Deutschen Geographie, ihr hilfloses Aufsagen von Kalendersprüchen und Binsenweisheiten im Angesicht surrealer Katastrophen ist ein Aufschrei gegen das Unverständnis und die Ignoranz des institutionallisierten Schwachsinns im Deutschen TV. RTL stößt damit endlich die dringend notwendige Debatte über das Deutschen Fernsehen an und illustriert sie in Bildern von Größenwahn und Psychose.

Deswegen muß man am Ende feststellen: Die wahren „Helden“ Deutschlands, das ist RTL. Und Deutschland hat die Helden, die es verdient.

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3 Antworten zu Deutsche „Helden“

  1. Jürgen S. schreibt:

    Ja, seitdem ich 9Live nicht mehr empfange habe ich kaum noch Chancen, intellektuelles Programm zu sehen. Da konnte man mit wenigen Anrufen wenigstens noch Reich und Sexy werden. RTL tut, was man kann und steuert gegen. Cindy aus Marzahn und der Dicke…. äh, wie heißt er noch gleich?
    So, muß jetzt aufhören. „Assis im Brennpunkt“ fängt gleich an. Muß ans TV – Rülps!

    • kaminkatze schreibt:

      Sehr geehrter Herr S.,

      Sie haben vollkommen recht! Es ist wahrlich bedauerlich, dass 9Live nicht mehr stattfindet. Dieser Sender hat RTL noch einmal um Längen geschlagen in seinem Bemühen auf die Mißstände im Deutschen Bildungswesen hinzuweisen. Ein schwer wieder gut zu machender Verlust.

  2. TV-Zwitscherer schreibt:

    Hat dies auf tv-zwitscherer rebloggt und kommentierte:
    Ausgerechnet Du, RTL…

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