Boxmatch der Bestsellerkandidaten

William Howard Robinson - A Welsh Victory (Quelle: Wikimedia Commons)

Am Rande der Frankfurter Buchmesse findet auch dieses Jahr das traditionelle Boxmatch der Bestsellerkandidaten statt. Darin steigen berühmte Autoren gemeinsam in den Ring, während der jeweilige Literaturnobelpreisträger die Rolle des Ringrichter ausfüllt. Diese Ehre fiel dieses Jahr der Kanadierin Alice Munro zu. Die ältere Dame erfüllte sie mit großer Würde und zeigte sich im Gegensatz zu ihrem Vorgänger von vor zwei Jahren, Tomas Tranströmer, als nicht zimperlich. In brenzligen Situationen verstand sie es sich mit der Hilfe von Küchengerät durchzusetzen.

Im Aufwärmkampf traf Matthias Politycki auf Jürgen Todenhöfer.
Trotz seines fortgeschrittenen Alters (73!) zeigte sich der ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete äußerst kämpferisch und durch verschiedene Trainingslager im Nahen Osten entsprechend auf den Kampf vorbereitet. Politycki zeigte sich nach anfänglichem Übermut seinem Gegner nicht gewachsen und mußte in der vierten Runde nach einem linken Haken durch Todenhöfer mit einer Sammlung von UNO-Resolution zu Afghanistan den Kampf aufgeben. Ein niederschlagendes Ergebnis für den bereits ausreichend deprimierten Autoren.

Der zweite Kampf war ein Match unter Damen: In der einen Ecke die bisher ungeschlagene Krimiautorin Karin Slaughter. In der anderen Ecke die feingliedrige Zadie Smith.
Der Kampf erwies sich bereits in den ersten Momenten als ausgesprochen spannend. Was Smith an physischer Kraft gegenüber ihrer Gegnerin fehlte, machte sie durch elegante Leichtfüssigkeit wett. Schnell wurden Erinnerungen an das legendäre „Rumble in the Jungle“ zwischen Mohammed Ali und George Foreman wach. Der Kampf wurde allerdings durch einen unerwarteten Kinnhaken von Slaughter bereits zu Beginn der dritten Runde entschieden. Smith blieb nicht die Zeit in Deckung zu gehen. Als Ringrichter die beiden Kämpferinnen trennte, äußerte Smith mehrfach, dass sie einen Lyrikband veröffentlichen wolle. Der Kampf wurde daraufhin aufgrund von Befürchtungen um Smiths geistige Gesundheit vorzeitig abgebrochen.

So lagen besondere Erwartungen auf einem der Highlights des Abends: Daniel Kehlmann gegen Rüdiger Safranski. Ein Familiendrama gegen eine Goethe-Biographie.
Und der Kampf hielt allen Erwartungen stand. Die beiden Gegner schenkten sich nichts. Bereits in der dritten Runde floß das Blut in Strömen. Die Dramatik steigerte sich allerdings noch weiter und die beiden Kämpfer opferten viele ihrer Hauptfiguren. Nachdem bereits Charlotte von Stein und Friedrich Schiller auf der einen, sowie die gesamte Protagonistenfamilie Friedland auf der anderen Seite auf dem Boden des Rings lagen, kam es endlich zum großen Finale. Der in die Ecke gedrängte Kehlmann bediente sich in seinem sportlichen Repertoire und es kam zu einem phänomenalen letzten Aufbäumen: Gauss gegen Goethe! Schließlich mußte sich Kehlmann in der sechsten Runde allerdings geschlagen geben, nachdem Alice Munro einen nicht mehr einzuholenden Punktevorsprung von Safranski festgestellt hat. Im Abgang ließ es sich Kehlmann allerdings nicht nehmen ein Rematch zu verlangen.

Besondere Aufmerksamkeit kam auch dem anschließenden Kampf zu: Der Internetskeptiker Evgeny Morozov traf auf den Deutschen Sascha Lobo. Der Kampf hat leider noch nicht begonnen: Sascha Lobo ist immer noch am Erklären, was das Internet eigentlich ist.

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