Die geistige Provinz

Giuseppe de Nittis - The Races at Longchamps (Quelle: Wikipaintings)

Wir bedauern und entschuldigen uns ausdrücklich, dass unser Kommentator Harmadillo eine Meinung zum Ergebnis der Volksbefragung in München über mögliche Olympische Winterspiele 2022 hat:

Der Stammtisch ist tot. Die Eckkneipe mußte längst einer Vinothek Platz machen und wenn der Chianti mal aus ist, dann ist das schon zuviel Aufregung im Leben des Wutbürgers. Denn der Wutbürger ist eigentlich ja ein Angstbürger, ein Besitzstandswahrer und deswegen ist jede Veränderung von Übel. Unternehmergeist, Risiko, Investitionen in die Zukunft sind seine Feinde. Wenn es eine Zukunft gibt, dann nur um ihn auf seinen Auslandsreisen mit unerwartet komfortablen Hotels zu überraschen.

Diesem Mensch ist es mal wieder gelungen ein Deutsches Zukunftsprojekt zu Fall zu bringen und darum reibt er sich nun genüßlich die Hände und schwadroniert etwas von seinen hohen Standards und Zielen, die er sich als Rechtfertigung seiner geistigen Rückständigkeit schön zurecht gelegt hat: Umweltschutz, Heimat, Kultur sind seine Kampfschreie. Ob in StuttgartHamburgBerlin oder eben jetzt in München.

Nun hat München also erfolgreich seine eigene Provinzialität bestätigt und freut sich darüber mit einem guten Glas Rotwein, den man aus dem Urlaub kennt. Dabei erinnert man sich zurück: Die olympischen Spiele in München, Anno ’72, war ja alles noch ganz anders. Davon haben wir immer noch so hübsche Sachen übrig: Ein Olympiastadion, eine U-Bahn, sowie die „ausgesuchte Scheußlichkeit“ Waldi.

Das waren noch olympische Spiele als weiland noch der Goppel Alfons, bayrischer König von Franz Josef Strauß‘ Gnaden war! Da gab es keine Korruption und auch keine Sicherheitsprobleme. Umweltschutz gab es damals garnicht. Und zur Finanzierung wurde mal eben eine Lotterie ins Leben gebracht, so daß die Steuerzahler nur ein Drittel (!) der Kosten tragen mußten. Sicherlich gab es damals auch keine Korruption und keine Vetternwirtschaft im Spiel, so etwas kennt man ja in Bayern nicht. Dafür hat FJS persönlich gesorgt. Waren das nicht schöne Spiele? (Von ein paar toten Juden läßt sich der Deutsche ja nicht den Spaß verderben!)

Also während man im Lehnstuhl sitzt und sich an den Errungenschaften der Vergangenheit erfreut, da wird natürlich erst so richtig klar, wie verdammenswert die Gegenwart ist! Der IOC, ein Haufen korrupter Betrüger! Die Organisatoren, alles Halsabschneider! Die Politiker, sowieso abgehoben und nicht am Gemeinwohl interessiert! Technik, Infrastruktur, alles falsche Götter! Nur der Bürger im Lehnstuhl ist noch ein Behüter des wahren Deutschen Tugenden, des Wahren, Schönen, Guten! Dafür kämpft er und greift auch schon mal zur Fackel, wenn es darum geht in seinem Vorort den Zuzug von Bürgerkriegsflüchtlingen zu verhindern.

Nein, dem Angstbürger liegt Deutschland und seine Heimat sehr am Herzen: Sie soll auf ewig Provinz bleiben, so wie er sie von früher kennt. Darüber redet er gerne mit seinen Vereins-, Gewerkschafts-, Parteifreunden. Man hat als Frühpensionär und Rentner ja Zeit für solche Gespräche und die Jungen (also alles unter 40) hat ja eh nichts zu melden, weil die langsam aussterben.

Nein, wenn es noch Zweifel geben sollte, jetzt wissen wir wie der demographische Wandel in diesem Land aussehen wird: Deutsche Piefigkeit bis ans Ende aller Tage! Die Deutsche Provinz soll ewig wären!

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