Dieter Hildebrandt…………… (1927-2013)

Der Meister der Kunstpause und des halb verschluckten Satzes ist tot. Nun wird in Deutschland weniger herumgedruckst und dennoch wird das Verständnis eher ab-, denn zunehmen.

Er war immer seiner Zeit voraus und zeigte uns schon vor Jahren was politisches Handeln ausmacht: Ein geschäftiges Erscheinen, dann ein hilfloses Herumstochern im Wörterwald und schließlich sich selbst entlarvende Statement als Pointe. In seiner Version war nur das Timing ein anderes. Den Inhalt und den Gestus verstand er perfekt zu imitieren. Wenn Kunst die Imitation des Lebens ist, dann war seine Kunst die Imitation des Lebens, dass ganz große Kunst sein möchte. Die Reisenden, die er mit einer Darstellung beehrte, wollten ins Kanzleramt oder nach New York, blieben stattdessen aber mit Motorschaden bei Buxtehude liegen.

Dabei war er ein äußerst treuer Begleiter und Geograph der menschlichen Verirrungen. Diese Funktionen verlangten Respekt und eine genaue Beobachtung. Er war kein Komiker. Wenn er auf der Bühne stand und etwas vortrug, dann schien er selber der Deplatzierte zu sein, genau deswegen war er dort so richtig.

Ohne ihn wird die Bühne sich wieder selber finden müssen. Die lange Reise des Dieter Hildebrandt ist an ein Ende gekommen.

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