Der Hitzlsperger ist nicht schwul

Thomas Eakins - The swimming hole (Quelle: Wikimedia Commons)

Mein schwuler Freund Gerd lehnte sich zu mir hinüber: „Der Hitzlsperger… Der ist nicht schwul. Der ist gekauft.“

Mir stockte es beim Schlucken meiner heißen Schokolade und ich sah Gerd verwirrt an. „Was?“ stotterte ich, während ich mit der Serviette meinen Mund von dem verspritzten Kakao befreite.

„Wir haben Hitzlsperger gekauft,“ teilte Gerd mir flüsternd mit. „Ich war im Dezember beim Strategietreffen der Weltschwulenverschwörung. Wir müssen Druck bei unserer Agenda machen. Also haben wir den Hitzlsperger gekauft…“

Ich sah mich in dem ansonsten recht leeren Café um, in dem wir saßen, nur um sicher zu gehen, dass unser merkwürdiges Gespräch nicht mitgehört wurde. Auch wenn es verdächtigt aussehen mußte, lehnte ich mich zu Gerd vor und flüsterte ihm zu. „Ja, was jetzt? Der macht das, weil er Geld dafür bekommt?“

„Klar. Der ist aus der Nationalmannschaft raus. Der Geldhahn ist für ihn versiegt. Also haben wir ihm einen Deal angeboten: Er macht für uns den Schwulen, bekommt unser Geld und kann vielleicht auch noch ein Buch darüber schreiben. Im Gegenzug hilft er uns bei unseren Plänen zur Übernahme Deutschlands.“ Gerd zuckte mit den Achseln und lehnte sich zurück. „Jeder ist käuflich.“ Er nippte an seinem koffeinfreien Latte macchiato und zuppelte seinen rosa Schal zurecht.

„Ihr arbeitet an der Übernahme der Welt?“ Ich schüttelte ungläubig und verwirrt den Kopf.

„Klar, worum glaubst Du machen wir das alles. Glaubst Du es geht uns nur um Toleranz? Nein, nein. Erst wenn wir die Heterokontrollen eingeführt haben und alle Schulen homosexuelle Zuchtanstalten geworden sind, haben wir unser Zeil erreicht. Dafür existiert die Weltschwulenverschwörung. Aber bitte sag das niemandem weiter… Du verstehst. So unter Freunden ist das okay…“

Ich lehnte mich auf meinem Stuhl zurück und starrte Gerd mit offenen Mund an.

„Weißt Du…“ Gerd lehnte sich wieder vor und ich kam ihm entgegen. Ich hing geradezu an seinen Lippen. „Du bist mein Freund, aber Du solltest Dich wirklich fragen, wo Du stehst. Wir haben unsere Leute ja überall und mit Hitzlsperger wird auch bald die letzte Hetero-Bastion des Fußball fallen. Dann dauert es nicht mehr lange… Also wenn Du gerne in der kommenden Zeit was sein möchtest…“ Er hob einen Finger und begann am obersten Knopf meines Hemdes zu nesteln. „Vielleicht möchtest Du ja schon mal mit dem Training anfangen… Ich helfe Dir gerne. Du bist ja mein Freund.“

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