Die Qualifikationen der Wölfe für die Exekutive

Gustave Doré - Shepherd Wolf  (Quelle: Wikipaintings)

Es war einmal in einem fernen Land

Die Wölfe regierten nun schon eine Weile über den Wald und trafen sich jeden Freitagnachmittag zur Kabinettsitzung.

Der Vorsitzende schlug mit seinem Hämmerchen auf den Tisch. „Damit eröffnen wir die 156. Kabinettssitzung. Heutige Tagesordnungspunkte…“

In diesem Moment flog die Tür auf. Ein Wolf hetzte durch die Tür, von seinem Maul und seinen Pranken tropfte das Blut. „Tschuldigung, ich bin auf dem Weg hierher an ein paar protestierende Hühner vorbeigekommen. Da hatte mich der Hunger gepackt.“ Er ließ sich auf einen der freien Stühle am Tisch fallen und rülpste laut. Einige zerrupften Federn flogen aus seinem Maul.

„Proteste?“ Ein älterer Wolf, der eingenickt war, war bei der Erwähnung des Begriffes aufgewacht. „Was für Proteste?“

„Och, das sind nur die Hühner…“

„Und die Rehe,“ fügte ein anderer hinzu.

„Und die Hirsche, die Füchse, die Marder, die Wildschweine, Kaninchen, Eichhörnchen, Fasane, Bären. Und natürlich die Singvögel. Das übliche Gesocks halt…“

„Moment, ist das nicht die Mehrheit des Waldes? Wer hat uns eigentlich gewählt?“

Für einen Moment wurde es still im Saal. Der Vorsitzende sandte böse Blicke zu dem Wolf, der das gefragt hatte. „Jetzt fang nicht auch an. Die OECD ist mir damit schon genug auf die Nerven gegangen.“

„Ich weiß garnicht, was das soll…“ Der zuletzt eingetroffene Wolf reinigte seine Zahnzwischenräume mit einem Hühnerknochen, den er in seinem Fell gefunden hatte. „Wir können sie ja alle fressen…“

Der Vorsitzende räuspert sich. „Also ich muß doch sehr bitten. Sind wir denn Tiere? Wir benötigen eine Strategie, wie wir die Lage entspannen können. Sonst wird unsere Lage unhaltbar.“ Er atmtet tief durch und dachte einen Moment nach. „Vielleicht sollten wir die Lage erst einmal genau betrachten?“

Die Wölfe nickten sich gemeinsam zu. Sie standen von ihren Stühlen auf und gingen gemeinsam durch den Regierungspalast. Durch die Marmorhallen, die Freitreppen zur Kuppel hinauf, wo sie sich auf der Panoramaterasse einfanden.

Unter ihnen erstreckte sich der größte Platz der Republik und jeder noch so kleine Platz darauf war mit einem Huhn, einem Hirsch, Fuchs, Marder, Wildschwein, Kaninchen, Eichhörnchen, Fasane oder Bären besetzt. Sie schwenkten Schilder und Banner und riefen laut und wütend zum Regierungspalast hinauf, obwohl ihre Rufe oben auf der Terrasse nur noch als unverständliches Raunen ankam.

„Nun ja, wir benötigen jetzt eine rationale, überlegte Reaktion…“ meinte der Vorsitzende und leckte sich beim Blick hinab die Lippen.

Für einen Moment standen sie gemneinsam auf der Terrasse und sahen hinunter. Langsam sammelte sich Speichel in ihrem Mäulern.

Dann rief einer: „Da! Das fette Huhn da! Das ist meins!“

„Und ich will den Hirsch dort. Das ist meiner zum Fressen!“

„Die Kaninchen dort drüben…“ „Und das dicke Reh dort…“ „Fasane, die ganzen Fasane da…“

Lauthals schrien die Wölfe aufeinander ein, während ihnen der Geifer die Lefzen hinunterlief und unten die Tiere auf die Portale des Palastes eindrängte.

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